Ein Dorf wird zur Werkstatt
Staunen, Entdecken und Genießen beim Streumarkt in Stilfs.
Stilfs - Es wurde gewebt, Papier geschöpft, gewalzt, gestickt, repariert, gestrickt, gemeißelt und geklöppelt, es wurden Besen gebunden, „Schindln klobm“ und Körbe geflochten. Alle, die am 6. September nach Stilfs kamen, konnten miterleben, wie sich ein Dorf in eine lebendige Werkstatt verwandelt. In fast allen Gassen und auf vielen Plätzen gab es allerhand zum Staunen, Entdecken und Genießen. Sonnenexponierte Terrassen, aber auch Garagen und Zufahrtsrampen wurden zu Ateliers und Schauplätzen für Marktstände, wo hochwertige handwerkliche Produkte und Erzeugnisse aus Stilfs, anderen Orten des Vinschgaus und darüber hinaus angeboten wurden. Es gab Köstlichkeiten für den Gaumen, wie etwa Obervinschger Schneemilch, alternative Medikamente aus der Hausapotheke, Bio-Lebensmittel, Textilien, handgefertigte Puppen und Masken, Bücher aus der Bibliothek, Schmuck aus Holz und Horn, Kunstwerke aus Glas, Flechtarbeiten und vieles, vieles mehr. Zumal es nicht große Massen waren, die den Streumarkt besuchten, gab es auch viel Zeit für Gespräche mit den Austellerinnen und Ausstellern, den Kunstschaffenden und kreativen Köpfen.
Mit Wasser und Besen
Eine besondere Note verlieh der heurigen dritten Auflage des Streumarktes unter dem Motto „Zu Gast in Stilfs“ der Abtrieb der 79 Melkkühe von der Prader Alm. Die Tiere zogen traditionsgemäß mitten durch das Dorf und anschließend weiter bis zur Örtlichkeit Schmelz in Prad, wo sie für die Ankunft am Nachmittag mit Blumen und Kräutern geschmückt wurden. Dass nach dem Durchzug durch Stilfs manche Frauen mit Besen und Wasser ausrückten, hat nicht weiter gestört. Im Gegenteil, viele freuten sich über die „vierbeinigen Gäste“. Mitgewirkt haben beim heurigen Streumarkt, der erneut mit Mitteln aus dem PNRR-Projekt „Stilfs - Resilienz erzählen“ mit viel Vorarbeit auf die Beine gestellt worden war, neben vielen Stilfserinnen und Stilfsern auch örtliche Vereine und Organisationen. Auch die Wertstatt für Menschen mit Behinderung in Prad und die Fachschule für Steinbearbeitung in Laas waren mit dabei. Im Haus der Dorfgemeinschaft gab es eine Schauküche und einen Rückblick auf die PNRR-Handwerkskurse unter dem Motto „Stilfs machts von Hand“. Ob es in Stilfs weitere Auflagen des beliebten Streumarktes geben wird, ist offen. Wie die PNRR-Projektkoordinatorin Daria Habicher bestätigte, war die heurige Auflage jedenfalls die letzte, die mit PNRR-Unterstützung veranstaltet wurde.
Es wird fleißig gearbeitet
Eifrig gearbeitet wird in Stilfs indessen an der Umsetzung der zwei größten baulichen Maßnahmen im Rahmen des PNRR-Projektes. Der Abbruch des früheren Gemeindehauses und die Baugrubensicherung des Standortes, wo eine multifunktionale Gemeinschaftsstruktur entsteht, sind abgeschlossen und die zweite Bauphase hat begonnen. Der Bau des Zentrums zur besseren Erreichbarkeit am Dorfeingang (Mobilitätszentrum) schreitet plangemäß voran. Auch der Gehsteig wird errichtet.
Buntes Tätigkeitsprogramm
Für die zweite Jahreshälfte 2025 hat das PNRR-Team wieder ein buntes Programm mit Information, Weiterbildung und Kultur erarbeitet. Es reicht von einer Infoveranstaltung zum Thema „Wegweiser zur Gründung und Führung deines eigenen Unternehmens“ am 16. September im Haus der Dorfgemeinschaft, einem Dorfrundgang am 19. September, bei dem man Einblicke in das PNRR-Projekt gewinnen kann, sowie einem Tag der offenen Baustelle am Hoferhaus (19. September) bis hin zum Lehrgang „Wegweiser zur Gründung und Führung deines eigenen Unternehmens“ (von Oktober 2025 bis April 2026) und verschiedenen Kursen im Oktober und November: Strohsterne basteln, Verarbeitung des eigenen Lamms, Birkenreiserbesenbinden, Häkeln für Anfänger, Zugänge zum Modellieren mit Ton…
Kunsthandwerks-Residenz
Für die heurige Kunsthandwerks-Residenz in Stilfs hatte die Jury den Tischler und Produktdesigner Paul Matteo Wesser aus Deutschland aus über 20 Bewerbungen auserkoren. Wesser wohnt und arbeitet seit dem 1. August im Pfeiferhaus in Stilfs. Er wird noch bis Ende September bleiben. Von der Natur und den Bergen ist er ebenso begeistert wie von den Menschen: „Die Kontraste zwischen Städten und Orten wie Stilfs sind enorm.“ Neben Wesser hatte die Jury auch die Textilrestauratorin Mirjam Kaufmann aus Auer zu zwei Workshops nach Stilfs eingeladen.
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