Das Widum und der Pfarrsaal in der Stadtmitte von Glurns sollen zu einer Struktur für betreutes Wohnen umgebaut werden.
Der Glurnser Bürgermeister Luis Frank
Eine Skizze aus der Machbarkeitsstudie für die Errichtung der ökologischen 3-Loch-Golfübungsanlage in Glurns.

„Ein Kreis, der sich schließt“

Betreutes Wohnen in Glurns nimmt konkrete Formen an

Publiziert in 10/11 / 2020 - Erschienen am 17. März 2020

Glruns - Der Bedarf an Wohnraum für ältere Menschen, die noch weitgehend selbstständig sind, aber dennoch eine bestimmte Betreuung brauchen bzw. nicht alleine wohnen möchten, ist auch in Glurns groß. Das Vorhaben der Pfarre, das Widum und den Pfarrsaal in der Stadtmitte zu einer Struktur mit 7 Wohnungen für betreutes Wohnen umzubauen, ist mittlerweile weit gediehen. Die Vorgeschichte des Vorhabens ist aus mehrerlei Hinsicht außergewöhnlich und hängt unter anderem direkt mit der geplanten Errichtung einer Golfübungsanlage zusammen. „Jetzt sind wir soweit, dass sich der Kreis schließen kann“, freut sich Bürgermeister Luis Frank in einem Gespräch mit dem der Vinschger.

Pfarre bietet Grundflächen an 

Als einige Vertreter der Pfarre beim Bürgermeister anfragten, ob die Gemeinde nicht am Kauf von pfarreigenen Grundflächen am Schuttkegel unterhalb des Kirchleins St. Martin interessiert sei, war der Golfübungsplatz noch kein Thema. Die Flächen umfassen insgesamt ca. 4,7 Hektar. Die Pfarre wollte einen Teil der Wiesen verkaufen, um mit dem Erlös einen Teil der Ausgaben für die Errichtung der Struktur für betreutes Wohnen bestreiten zu können. Luis Frank: „Wir machten uns damals Gedanken, wo und wie wir die für das Rambach-Kraftwerk vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahme umsetzen könnten.“ Die ursprüngliche Idee, 2,7 Hektar zu kaufen und dort eine Naherholungszone zu errichten, sei am Ende nicht überzeugend gewesen, vor allem auch nicht aus finanzieller Sicht. Der Vorschlag, auf den 2,7 Hektar eine kleine, ökologische 3-Loch-Golfübungsanlage als Ausgleichsmaßnahme zu errichten, habe sich aus mehrerlei Hinsicht als sinnvoller erwiesen.

„Als Übungsplatz ideal“

Der Verein Golffreunde Venusta Vallis befand die Wiesen als idealen Standort für eine kleine Übungsanlage. „Bedauerlich war, dass unser Vorschlag, die Übungsanlage als Umweltausgleichsmaßnahme zu definieren, bei den zuständigen Stellen in Bozen auf taube Ohren stieß“, sagt Frank. Man werde jetzt eine andere Maßnahme ins Auge fassen. Am Vorhaben, die 2,7 Hektar anzukaufen, wurde aber festgehalten und die Gespräche und Verhandlungen mit der Pfarre und den Golffreunden gingen weiter. Das Verfahren für die notwendige Bauleitplanänderung wurde bereits in die Wege geleitet.

Schenkung als kluger Schachzug

Mit der Pfarre wurde vereinbart, dass sie die 2,7 Hektar in Form einer Schenkung an die Gemeinde abtritt. Dadurch kam auch das Vorkaufsrecht zu Fall, welches der Eigentümer der angrenzenden Grundstücke ausgeübt hätte. Wäre dies auch nur teilweise geschehen, wäre der Standort für die Errichtung einer Golfübungsanlage nicht mehr geeignet gewesen. Sozusagen als Entschädigung für die Schenkung erhält die Pfarre Glurns 800.000 Euro für den Umbau des Widums und Pfarrsaals. Die Gemeinde bekommt im Gegenzug das Oberflächenrecht der Struktur für betreutes Wohnen. Zusammen mit den zu erwartenden Beiträgen des Landes wäre die Pfarre somit imstande, das Vorhaben finanziell zu stemmen und umzusetzen. Ein nicht unerheblicher Nebeneffekt der Schenkung ist es auch, dass ca. 120.000 Euro an Steuern gespart werden können. Frank: „Das kommt zur Hälfte der Gemeinde zu Gute und zur Hälfte der Pfarrei.“

Willkommene laufende Einnahmen

Bauherrin der Struktur für betreutes Wohnen ist die Pfarre. Die Trägerschaft wird nach der Fertigstellung aber der Gemeinde übertragen, die sich dann auch um die Führung der Struktur zu kümmern hat. Gespräche über die Führung wurden bereits mit der Bezirksgemeinschaft Vinschgau geführt. Die Pfarre bekommt für die fertige Struktur jährlich 30.000 Euro von der Gemeinde. Mit dem Golfverein soll vereinbart werden, dass er der Gemeinde jährlich 40.000 Euro zahlt. Die Gemeinde ihrerseits errichtet im Gegenzug die Golfübungsanlage, baut ein kleines Clubhaus und führt weitere Arbeiten aus. Insgesamt dürfte mit Ausgaben in Höhe von ca. 1 Mio. Euro gerechnet werden. Luis Frank und der gesamte Stadtrat erhoffen sich eine Unterstützung seitens des Landes, über welche Finanzierungsschiene auch immer. Zumal jährlich 40.000 Euro eingehen und 30.000 an die Pfarre fließen, bleiben laufende Einnahmen von jährlich 10.000 Euro übrig. Laufende Einnahmen sind laut Frank vor allem auch deshalb wichtig, weil sich immer mehr Gemeinden immer schwerer tun, die laufenden Ausgaben zu bestreiten: „Nicht die Investitionen sind das Problem, sondern die laufenden Ausgaben.“ Vorgesehen sei, sowohl die Vereinbarung mit dem Golfverein als auch jene mit der Pfarre auf jeweils 30 Jahre auszulegen.

Nur ökologische Übungsanlage 

Bei der Errichtung der Golfübungsanlage will die Stadtverwaltung großen Wert darauf legen, dass strenge ökologische Kriterien und Vorgaben eingehalten werden. „Natürlich wird es Erdbewegungen geben, aber über 90% der Flächen sollen möglichst naturnah belassen werden“, so der Bürgermeister. Auch die Sträucher und Hecken sollen weitestgehend erhalten bleiben. Allerdings sind im Zuge der Errichtung Humusschichten abzutragen und gestalterische Maßnahmen vorzunehmen. Die sogenannten „Greens“ sollen nur einige wenige Prozent der Gesamtfläche ausmachen. Auch anderweitige Vorgaben, wie sie für ökologische Golfplätze gelten, werden berücksichtigt. Nicht zu befürchten brauche man außerdem das Verkehrsaufkommen. Frank: „Es ist nur mit 5 bis 10 Personen pro Tag zu rechnen.“

Heimplätze in Mals und Schluderns

Im Martinsheim in Mals verfügt die Stadt Glurns derzeit über 8 Betten für Seniorinnen und Senioren. Eines bis zwei Betten sollen im Zuge des Neubaus des Wohn- und Pflegeheims in Schluderns dazu kommen. Angesichts der demografischen Entwicklung und der Notwendigkeit, neue Wohnangebote für ältere Menschen zu schaffen, ist die geplante Struktur für betreutes Wohnen in Glurns laut dem Bürgermeister ein Gebot der Stunde. Dass Hand in Hand damit auch historische Bausubstanz genutzt bzw. neu belebt wird, ist ein willkommener Nebeneffekt und ein weiterer Baustein dieses Kreises, den die Stadtverwaltung erfolgreich schließen möchte. Bis alle Hürden für die Umsetzung des Vorhabens genommen sind, wird es noch einige Zeit brauchen. Auch Ratsbeschlüsse sind noch zu fassen. Zumal der Termin für die Gemeinderatswahlen, die am 3. Mai hätten stattfinden sollen, auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, könnte es durchaus sein, dass der noch amtierende Gemeinderat mit der Entscheidung befasst wird.

Einziger Wehmutstropfen GAP

Als einzigen Wehmutstropfen des „Kreises“ wertet der Bürgermeister den Umstand, dass es leider bis heute nicht gelungen ist, einen neuen Standort für den „Glurns Art Point“ zu finden. Die Kultureinrichtung GAP war bisher im Pfarrsaal untergebracht. GAP hatte sich rasch als Ort der Inspiration und Begegnung zeitgenössischer Kunst etabliert. „Trotz intensiver Suche haben wir es nicht geschafft, einen alternativen Standort in der Stadt zu finden“, bedauert der Bürgermeister. Noch nicht richtig spruchreif, aber im Kopf schon festgesetzt ist bei Luis Frank das Ansinnen, die unterirdischen Bunkeranlagen, die sich in der Nähe der geplanten Golfübungsanlage befinden und die alle der Stadt gehören, teilweise zu öffnen und zu nutzen. „Wäre es nicht etwas Besonderes, zum Beispiel Whisky aus Glurns in einem Bunker verkosten zu können? Oder besondere Weine oder Käse?“, schwärmt Luis Frank.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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