Der amtierende Latscher Gemeinderat bei der letzten Sitzung vor den Wahlen.
Entsteht im Gästehaus eine Quarantäne-Unterkunft?

Einigkeit, Gewässerschutz und Quarantäne-Fragen 

Latscher Gemeinderat mit Einigkeit bei Baubeschlüssen, Diskussionen um Gewässerschutz und Klarstellungen bei Corona-Fragen.  

Publiziert in 30 / 2020 - Erschienen am 8. September 2020

Latsch - Gleich mehrere Punkte mussten bei der letzten Sitzung des amtierenden Latscher Gemeinderates noch „durchgeboxt“ werden. „Damit auch etwas weitergeht. Damit die Menschen bauen können“, erklärte Bürgermeister Helmut Fischer gleich zu Beginn. So standen verschiedene Durchführungsbestimmungen auf der Tagesordnung. Unter anderem die Genehmigung des Durchführungsplans für das Gewerbegebiet „Plima A“, „Plima B“, „Plima C“. Da viele Betriebe die Möglichkeit haben zu erweitern, wollte die Gemeinde die Grundlage dafür schaffen. Demnach solle die mögliche zu verbauende Gebäudehöhe von 10 auf 15 Metern erhöht werden. Sämtliche Firmen wurden hierfür seitens der Gemeinde angeschrieben. Bereits zwei Betriebe, nämlich Holzland Fuchs/Avanti für ein Hochregallager sowie die Recycling-Firma Tappeiner haben dafür angesucht. Die Durchführungspläne für die beiden Unternehmen wurden entsprechend geändert, um eine Aufstockung zu ermöglichen. Die betreffenden Tagesordnungspunkte wurden einstimmig genehmigt. Ohne Diskussionen einstimmig genehmigt wurden auch mehrere Punkte, welche die Bauvorhaben Privater betreffen. 

Causa Gewässerschutzplan 

Diskussionen gab es hingegen um den Gewässerschutzplan. Der von der Landesagentur für Umwelt- und Klimaschutz erstellte Plan enthält „Bestimmungen zum Schutz und zur Verbesserung der Gewässer“. Wie Gemeindereferent Robert Zagler erklärte, sei es das Hauptziel des Gewässerschutzes, einen „guten oder sehr guten ökologischen Zustand“ bzw. ein „gutes ökologisches Potential“ sowie einen „guten Zustand“ aller Oberflächengewässer zu gewährleisten. Der Plan richte sich an die Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, deren Ziel es sei, bis 2027 für alle Gewässer einen guten Zustand zu erreichen. Südtirol schneide hier bereits sehr gut ab. Zuletzt gab es hierzulande immer wieder Diskussionen, Kritik wurde laut, dass etwa besondere Trockengebiete wie der Vinschgau nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Zum Gewässerschutzplan gingen in den vergangenen Wochen und Monaten insgesamt rund 200 Stellungnamen in Südtirol ein, in wenigen Monaten solle die endgültige Entscheidung der Landesregierung fallen. Zagler kritisierte, dass die Landwirtschaft in die Ausarbeitung des Plans nicht ausreichend involviert gewesen sei. Man könne jetzt nur reagieren. Daher solle sich der Gemeinderat auch an die Stellungnahmen des Südtiroler Gemeindeverbandes, des Bauernbundes und des Bonifizierungskonsortiums anschließen. Gemeinderatsmitglied Sepp Kofler wies auf die Wichtigkeit einer nachhaltigen Wasserbewirtschaftung hin. Christian Stricker betonte, dass die Landwirte selbst ein Interesse an nachhaltigem Umweltschutz und sauberen Gewässern haben. Der Rat stimmte schließlich zu, sich den Kritikpunkten und Anmerkungen der oben genannten Verbände anzuschließen. 

Fischers Rückblick 

Ohne einen Rückblick auf die letzten 6,5 Jahre wollte Bürgermeister Helmut Fischer diese letzte Sitzung nicht beenden. Nach holprigem Start konnte einiges bewegt werden, so Fischer. „Die Entscheidung in Sachen Stromverteilung war die wichtigste“, betonte er. Zur Erinnerung: Nach Liquidierung des bis dato für den Strom zuständigen „Sonderbetriebs Gemeindewerke Latsch“ (SGW) wurde die Stromverteilung in die Hände der Verteilungsgesellschaft Edyna gelegt. Oft habe ihm die Opposition unterstützt, während innerhalb der eigenen Partei verschiedene Standpunkte bei Abstimmungen vertreten wurden. „So ist Demokratie. Quer durch die Parteien wurde diskutiert, aber stets versucht, das Beste für das Allgemeinwohl zu tun“, so Fischer. 

Quarantäne-Unterkunft? 

Auf eine aktuelle Thematik ging Fischer bewusst nochmals ein. „Es wurde anfangs Kritik laut, weil das Bettenhaus beim Bildungshaus Schloss Goldrain als mögliche Quarantäne-Unterkunft im Gespräch war und ist“, so Fischer. Mittlerweile habe sich die Kritik gelegt. Die landwirtschaftlichen Betriebe, wo Erntehelfer positiv getestet werden, seien froh, diese irgendwo unterzubekommen. Konkret sei in Sachen „Quarantäne-Zentrum Schloss Goldrain“ aber noch nichts. Das Land habe angefragt, aber einen Ortsaugenschein, um festzustellen ob sich das Gästehaus beim Schloss überhaupt eigne, habe es bisher noch nicht gegeben. Vieles hänge mit den Infizierten-Zahlen zusammen. Man hoffe, dass kein Bedarf an weiteren Unterkünften bestehe. Jedoch sei es immer möglich, dass die Zahlen, auch durch Erntehelfer, wieder steigen. Hierfür müsse man gerüstet sein, wenn die Ernte beginnt. Mit Stand letzter Woche gab es in Latsch 4 infizierte Erntehelfer, wovon drei in Gossensass und einer in Latsch beim betroffenen landwirtschaftlichen Betrieb untergebracht seien. 

Michael Andres
Michael Andres
Vinschger Sonderausgabe

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