Michael Jackson bei seinem Sulden-Besuch im Jahr 2001 mit Paul Hanny (links) und Jürgen Todenhöfer.
Paul Hanny (Bildmitte) und Reinhold Messner (links) begleiteten Thomas Gottschalk 1988 bei dessen Ortler-Erstbesteigung.
Da tut ein Bad gut: Reinhold Messner und Paul Hanny bei einer Tour 1991 durch den Dschungel in Bhutan.
2019 wurde Paul Hanny gemeinsam mit Gustav Thöni (links) die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Stilfs verliehen. Im Bild außerdem die Präsidentin der Ferienregion Ortlergebiet Nadja Hutter, der damalige Vizebürgermeister Franz Heinisch († 2025) sowie Hartwig Tschenett, zu jener Zeit Bürgermeister von Stilfs.
Paul Hanny und die damalige deutsche Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2013 in Sulden.

Er war der „President of Sulden“

Paul Hanny tat und verwirklichte vieles. Ein Porträt, ein Nachruf.

Publiziert in 2 / 2026 - Erschienen am 27. Januar 2026

SULDEN - Er war kein Star, kein reicher Mann. Und dennoch war es eine große Bühne, auf der er sich zeit seines Lebens bewegte. In Sulden hatte er diese Bühne gefunden, dem Suldental die Bühne gegeben. Sulden und Paul Hanny nannte und nennt so manche bekannte Persönlichkeit in einem Atemzug. Egal ob Michael Jackson, Angela Merkel, Rad-Star Jan Ullrich, Fußball-Weltmeister Lothar Matthäus oder eine ganze Armee an Ski-Legenden: Sie alle waren in Hannys „Freistaat Sulden“, den er einst spaßeshalber gegründet hatte und wo es ausreichend „Sulden Tschosch“ für alle geben sollte, zu Gast. Er, der Hanny Paul, hat wesentlichen Anteil daran, dass Sulden zu dem wurde, was es ist. Geboren als Zweitältester von sechs Geschwistern 1940 in Naturns, wuchs er im Südtirol der Nachkriegszeit in umsorgten Verhältnissen auf. Schulzeit, Militär – Hanny startete einen für diese Zeit wohl gewöhnlichen Werdegang. Doch etwas schien zu fehlen, denn Sulden sollte erst später in sein Leben treten. Die Berufsschule als Schaufensterdekorateur schloss er erfolgreich ab, diesen Beruf sollte er aber nie ausüben. Er ging andere Wege. In seiner Jugend war er stets sportlich, sogar Mitglied von Italiens Bob-Nationalmannschaft. 1968 ließ es sich Hanny nicht nehmen, als Co-Pilot bei der offiziellen Fiat-Rallye in Marokko an den Start zu gehen. Keine ungefährliche Angelegenheit und extrem anstrengend, „aber eine Mordsgaudi“, wie er sich später in einem Interview mit dem Autor dieser Zeilen daran erinnerte. Von Rabat über das Atlasgebirge und Marrakesch ging es nach Casablanca.

Ankommen im „Tal  unglaublicher Schönheit“

Mit Sulden kam er erstmals in den 1970er-Jahren in Berührung. Die Besuche „in diesem Tal unglaublicher Schönheit“, wie er es nannte, wurden häufiger. 1975 übernahm er gemeinsam mit seinem Bruder Alfons das Sulden-Hotel als Pächter. Damit war endgültig eine Verbundenheit zum Tal und seinen Menschen geboren – eine Verbundenheit, die ihn nicht wieder loslassen sollte. Der „Tausendsassa“ und Weltenbummler sollte heimisch werden. Heimisch in Sulden. Schnell entdeckte er, dass er hier sein Naturell einbringen konnte. Sein Naturell und Lebensziel von da an war es, Sulden bekannt zu machen. Bekannt in aller Welt. Dass er dabei Hilfe benötigte, am besten von Personen mit Wortgewicht, wurde Hanny schnell klar.

Messner, Berge und Yaks

Nur einige Jahre später brachte er Reinhold Messner nach Sulden. „Ich war von Reinhold als Bergsteiger und als Mensch schon damals fasziniert. Ich habe mir geschworen – wenn ich an ihn rankomme, der wird mich nie wieder los. Und so war es auch“, erzählte Hanny einst. Durch ihn seien die ersten Kontakte entstanden. Seine eigene Passion fürs Bergsteigen entdeckte Hanny erst spät. Mit 35 Jahren zog er sich erstmals Bergschuhe an. Davor habe ihn der Alpinismus nie interessiert. Die ersten Expeditionen begannen, unter anderem eine Südtiroler Cho-Oyu-Tour mit Messner. Dabei entstand auch die Idee, die Yaks nach Sulden zu holen. 1985 erfüllte sich dieser Traum schließlich, seitdem sind die Tiere nicht mehr aus dem Vinschger Seitental wegzudenken. Seit rund 40 Jahren kommen jährlich Hunderte Menschen nach Sulden, um dem Yak-Auftrieb bzw. der Wanderung zu den Yaks beizuwohnen.

Mit Skilegenden auf der Piste 

Zu dieser Zeit gelang es Hanny auch, mit der „Skilegenden-Skitestwoche“ Sulden als Wintersportgebiet stärker zu positionieren. 1984 initiierte er gemeinsam mit dem damaligen Chefredakteur des Skimagazins, Heinrich Körner, die Testwoche. Seither stellen die bedeutendsten Skifirmen ihr Material zum Testen bereit. Skilegenden wie Annemarie Moser-Pröll, Marc Girardelli, Gustav Thöni und viele weitere kamen in den vergangenen Jahrzehnten nach Sulden, um die Skier zu testen und gemeinsam mit Touristen die Pisten hinunterzusausen. In diesem Winter fand der Suldner „Dauerbrenner“ zum 40. Mal statt.  1986, als Messner sämtliche Achttausender bestiegen hatte, richtete Hanny die Feierlichkeiten aus. Eine Stunde lang sendete das ZDF-Sportstudio live aus Sulden. Sport-Boss Karl Senne moderierte höchstpersönlich. Rund zehn Millionen Zuschauer verfolgten die Sendung damals. Durch solche Aktionen wurde das Tal immer bekannter.

Der „King of Pop“ in Sulden

Der wohl größte Coup war jedoch der Besuch von Michael Jackson in Sulden. Der bekannte Autor und ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Todenhöfer, der seit Ende der 1990er-Jahre eine Berghütte in Sulden besitzt, hatte Jackson 2001 dorthin eingeladen. Todenhöfer, damals Vorstandsmitglied beim Burda-Medienkonzern, besprach mit Jackson letzte Details zur Bambi-Verleihung. Drei Tage lang hielt sich der 2009 verstorbene „King of Pop“ in Sulden auf. Hanny nannte er den „President of Sulden“. Hanny war es auch, der Jackson zurück zum Flughafen nach Innsbruck fahren sollte – weil dessen Chauffeur sich auf Bergstraßen schwertat. Viele Jahre kam auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Sulden. Diskret und seriös organisierte Hanny ihre Urlaube mit – und streute freilich ab und an Informationen für die Medien, um auch einen Werbeeffekt für das Tal zu erzielen. Zahlreiche weitere Aktionen für Sulden, für die es ein Buch anstelle eines Zeitungsbeitrags bräuchte, standen auf der Agenda des Hanny Pauls. 2015 holte er etwa den „ZDF-Fernsehgarten“ nach Sulden, Millionen TV-Zuschauer verfolgten die Show bei der Madritschhütte auf 2.820 Metern.

Das Erfolgsrezept

2019 wurde Hanny zum Ehrenbürger der Gemeinde Stilfs ernannt. Im Mittelpunkt stehen wollte er selbst aber nie. Er betonte stets, dass nicht er allein der ausschlaggebende Faktor für das sei, was Sulden heute ist. „Hier gibt es nämlich sehr viele Menschen, die Großartiges leisten. Vereine, Hoteliers, Wirtschaftstreibende – man hält zusammen“, wies er einst auf die Suldner Erfolgsformel hin. Auf solch einer Bühne habe er immer hervorragend arbeiten können und schlussendlich Außergewöhnliches geschaffen.  Privat lebte Paul Hanny mit seiner Frau Heidi in Latsch, hatte mit ihr Tochter Sandra und war stolzer zweifacher Opa. Obwohl in den vergangenen Jahrzehnten in Latsch wohnhaft, verbrachte Hanny einen großen Teil seiner Zeit im Suldental und sah sich selbst immer als echten Suldner. Das war er auch. Sogar der „President“. 

Michael Andres
Michael Andres

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