Neben Abständen zu Nachbarn und zur öffentlichen Straße war es vor allem die nicht eingehaltene, maximale Gebäudehöhe zwischen den Türmen, die zur „Causa Lindenhof“ führte.

„Fall Lindenhof“: Eine klare Botschaft muss es sein

Publiziert in 22-23 / 2021 - Erschienen am 8. Juli 2021

Naturns - Mit den 16 Minuten, die Bürgermeister Zeno Christanell in der Sitzung vom 5. Juli beanspruchte, um „den Fall Lindenhof“ aufzurollen, wollte er sich wohl auch selbst überzeugen. Es gehe um einen Schlussstrich, meinte er. In seinem Plädoyer fasste er den Ablauf zusammen und blendete die entscheidenden Dokumente zum Projekt Lindenhof ein. Der Gemeinderat sei dazu da, zu bewerten und die Tatsachen auf den Tisch zu legen, meinte er zum Antrag von Joachim Nischler & Co. auf „Abänderung des Durchführungsplanes der Zone für touristische Einrichtungen Hotel Lindenhof (2. Maßnahme)“. Bauvergehen seien passiert, das würden die Antragsteller reumütig eingestehen. Nach der Empfehlung der Staatsanwaltschaft, den Fall zu archivieren, habe man die Causa Lindenhof wieder auf die Tagesordnung genommen. Durch das neue Gesetz für Raum und Landschaft aus dem Jahre 2018 sei die Sanktionierung von Bauvergehen deutlich verschärft worden, merkte der Bürgermeister an. Der Gemeinderat habe aber die Möglichkeit, durch eine Abänderung des Bauleitplanes die Angelegenheit zu sanieren. Voraussetzungen seien das Einverständnis der Nachbarn, aber auch des Gemeinderates betreffend Grenzabstände und das technische Guthaben eines Experten über die Folgen eines Abbruchs. Geahndet werde das Vergehen durch eine Geldbuße im doppelten Schätzwert des widerrechtlichen Bauvolumens, weil das Gebäude in einer Tourismuszone liege. Eindringlich erinnerte der Bürgermeister: „Wir als Ausschuss sind der Meinung, dass alle Unterlagen vollständig sind. Wir diskutieren weder über die Entwicklung des Tourismus in Naturns, noch über die Ästhetik eines Bauwerkes, wir diskutieren heute, wie wir das Problem lösen. Es sind ca. 60.000 Euro zu entrichten, falls der Gemeinderat heute den Weg freigibt.“ Die Botschaft nach außen müsse aber klarmachen, dass solche Dinge in Naturns nicht durchgehen. Es müsse deutlich werden, dass es auf Messers Schneide stehe und dass Aufwand und Strafen hoch seien. Die erste Frage stellte Ana Maria De Castro (Für Naturns), ob mit der Lösung des Problems Lindenhof auch die Lösung des Falls „Saumoar-Hof“ zu erwarten sei. Andreas Pircher (SVP) führte den großen Schaden durch Abbruch ins Feld: „Es gibt hier keine Gewinner. Der Rat hat die Möglichkeit, klar zu entscheiden.“ Tobias Gritsch (Südtiroler Freiheit) wollte keinen Präzedenzfall schaffen: „Hier werden unterschiedliche Maßstäbe angewandt.“ Evi Prader (Zukunft Naturns) verlas eine Stellungnahme ihrer Liste und fragte: „Sind wir bereit, die Spielregeln nachträglich zu ändern?“ Für ihn bestehe auch die Unschuldsvermutung, entgegnete der Bürgermeister. Sanierungen im Sinne der Bürger habe es immer schon gegeben. Die Frage sei, ob man wirklich als nächste Phase den Abbruch wolle. Pircher sah auf jeden Fall einen Image-Schaden für den Tourismus. Astrid Tappeiner (Zukunft Naturns) hielt es für bedenklich, wenn die Gemeinde das Gutachten jenes Statikers berücksichtigt, der für den Bauherrn gearbeitet habe. Referentin Astrid Pichler sprach an dieser Stelle von Unterstellungen. Es gehe darum, den Graben quer durch die Gemeinde zu schließen. Dietmar Rainer (SF) fand, dass die Dokumentation zum Fall Lindenhof verspätet zur Verfügung gestellt worden war. Wegen 10 m2 einen Abbruch zu verfügen und so zu tun, als gehe einem der Tourismus nichts an, konnte Referent Helmut Müller nicht nachvollziehen. De Castro hatte auch das letzte Wort und meinte sinngemäß: „Diese Verwaltung hat eine heiße Kartoffel in die Hand genommen, aber sie hat gezeigt, dass man sachlich diskutieren kann.“ Nach einer Stunde und 10 Minuten wurde die Bauleitplanänderung mit fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung bei 17 anwesenden Räten angenommen.

Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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