Galsaun

Publiziert in 8 / 2004 - Erschienen am 22. April 2004
[K] Fotos: Florian Peer, Text: Andrea Perger [/K] [F] Lernen in Kastelbell, Beten in Tschars [/F] Ortsnamensbedeutung: Erstmals urkundlich erwähnt 1262 als "Colsonum", Mundart: "Galsaun", amtl. ital. Name: "Colsano". Der Name geht wahrscheinlich auf das Alpenwort "Culici" für Vogelbeerbaum zurück. Bedeutung: "Gelände mit Vogelbeerbaumbewuchs". Quellen: "Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte", von Egon Kühebacher 1991 "Vinschgau" von Josef Rampold, Auflage 1997 "Untervinschgau, Südtiroler Gebietsführer Nummer 34" von Giovanna Koch 1982 Informationen: Alois Innerhofer [F] Historisches [/F] Oberhalb des Dorfes befindet sich eine eigenwillige Felsformation, der Kirchknott. Hier wurde eine prähistorische Besiedelung durch Funde nachgewiesen. Später führten die Römer die Via Claudia Augusta an Galsaun vorbei. Ein Stein dieser Straße, mit gut sichtbarer Fährrille ist an einem neu gestalteten Platz im Dorf zu bewundern. Auch in den für Galsaun typischen Trockenmauern wurden Steine der wichtigen Römerstraße verwendet, in denen teilweise Rillen erkennbar sind. Vom Schloss Hochgalsaun ist nur mehr eine Ruine übrig. Hier ließen sich die Montalbaner, ein Seitenzweig der Schlandersberger, nieder. Durch Kämpfe mit den Tiroler Landesfürsten wurde die Burg zerstört, von den Besitzern wieder errichtet und 1423 von Herzog Friedrich endgültig zerstört. Um diese Ruine ranken sich diverse Sagen. Heute noch bewundernswert ist der Ansitz Kasten, der früher die Kornkammer der Ruine Hochgalsaun gewesen ist. [F] Dorfzahlen [/F] Galsaun zählte Ende 2003 390 Einwohner in 142 Familien. Diese Zahl hat sich in den letzten 25 Jahren kaum verändert. [F] Dorfleben [/F] Galsaun ist ein beschaulicher Ort im Mittelvinschgau am Fuße des Sonnenberges zwischen Kastelbell und Tschars. Ein Teil des Dorfes liegt aber auch entlang des Etschdammes unterhalb der Staatsstraße. In den Dorfkern verschlägt es nur wenige Auswärtige. Viele Vinschger kennen das Dorf nur vom Hörensagen, nur die gastronomischen Betriebe an der Staatsstraße sind bekannt. Dabei lohnt sich durchwegs auch ein Besuch im Ort. Hier stehen wunderschön restaurierte alte Häuser, die von der bäuerlichen Viehwirtschaft von einst zeugen. Heute hält nur mehr ein einziger Bauer in Galsaun Rinder, die anderen sind längst auf die ertragreichere Obstwirtschaft umgestiegen. Sofort fallen die unzähligen Trockenmauern, die im ganzen Dorf und den Weinbergen zu finden sind, auf, eine Rarität, die Beachtung verdient. Das Errichten einer solchen Mauer ist mehr als nur ein Handwerk, wenige beherrschen es. Die Kinder besuchen die Volksschule in Kastelbell. Etwa zwischen 1950 und 1980 hatte Galsaun eine eigene Schule, die über der Feuerwehrhalle untergebracht war und in der die ersten Pflichtschuljahre unterrichtet wurden. Vor Errichtung dieser Schule besuchten die Galsauner Kinder die Schule in Tschars. Alois Innerhofer, heute über 80 Jahre alt erinnert sich an seine Schulzeit unter dem faschistischen Regime und erzählt mir aus dieser Zeit. Der Schultag begann mit einer Schulmesse, der Unterricht selbst fand dann täglich von 8 bis 11 Uhr und nachmittags von 13 bis 15 Uhr statt. So mussten die damals etwa 20 Kinder aus Galsaun den Fußmarsch von gut einer halben Stunde viermal am Tag bewältigen, denn Fahrtmöglichkeit gab es keine. Auch sonst war das Dorfleben der 20er Jahre in Galsaun von Entbehrungen und hartem Alltag gekennzeichnet. Auf den Tisch kam meist nur, was die Familie selbst hergestellt hat. Frisches Fleisch gab es nur nach dem Schlachten im Winter für etwa 14 Tage, das meiste Fleisch wurde zum Haltbarmachen jedoch "geselcht", denn Gefriertruhen gab es keine. Auch das äußere Erscheinungsbild des Dorfes und der Umgebung hat sich seit dieser Zeit stark verändert. So war damals der Talboden mit Erlenauen bedeckt. Hier hüteten die Kinder das Vieh. Die Straße, auf der heute zunehmend der Verkehr tobt, wurde erst Anfang der 30er geteert. Davor verirrten sich nur einzelne Warentransporte in das Tal, das Haupttransportmittel war die Bahn. In dieser Zeit gab es auch ein kleines Geschäft in Galsaun, in dem jedoch nur das Allernötigste, wie etwa Salz und Zucker zum Kauf angeboten wurde. Doch der Laden wurde geschlossen und so ist Galsaun bis heute ohne Nahversorgung. Kirche besitzt das Dorf ebenfalls keine, nur eine kleine Kapelle "Zur heiligen Dreifaltigkeit". So finden sich die meisten Galsauner am Sonntag zur Messe in Tschars ein. Das war auch früher schon so. Dabei waren die Bettage nicht selten auch gesellschaftliche Anlässe. Mit Lachen meint Innerhofer: "Bei Tag wurde gebetet, in der Nacht getanzt!" An normalen Feiertagen waren Gasthausbesuche rar. In Galsaun gab es ein Gasthaus, beliebter jedoch waren die zwei Buschenschänke im Ort. Hier wurden jedoch nur Erzeugnisse aus eigener Herstellung angeboten, wie Speck, Kraut und Würste. Zum Trinken gab es Eigenbauwein und nur ausnahmsweise ein "Kracherle" (Limonadengetränk). Aber die Zeit im alten Galsaun hatte auch ein Schönes, schließt Innerhofer seine Erinnerungen: "Nachbarschaftshilfe wurde großgeschrieben, man hat einander noch für ein Vergelts-Gott geholfen!" Heute ist das Dorf nicht viel größer geworden, hat sich jedoch wirtschaftlich stark weiterentwickelt. So gibt es einige gut gehende Betriebe entlang der Staatsstraße und des Etschdamms. Obwohl das Dorf klein ist, ist das Vereinsleben ausgeprägt. Vereine bestehen seit Jahren und weisen eine rege Tätigkeit auf. Und auch an der Geselligkeit der Galsauner hat sich im Lauf der Zeit nichts geändert. [F] Wanderung [/F] Das Teilstück der Waalwege oberhalb Galsaun wird in diversen Wanderführern als das schönste im Tal bezeichnet. Hier finden wir typische Kastanienhaine und eine anmutige Landschaft. Von Kastelbell aus startend, erreicht man in gut eineinhalb Stunden bei sehr gemächlichem Tempo Tschars. Ein kleiner Besuch des Dorfes Galsaun ist bei dieser Gelegenheit empfehlenswert. Der Weg führt auch an einer Abzweigung zur Ruine Hochgalsaun.
Vinschger Sonderausgabe

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