Das neue Schülerheim in Burgeis: für die einen ein architektonisches Juwel, für die anderen eine „wilde Kischt“.

„Hotel“ für 100 Schüler

Publiziert in 37 / 2016 - Erschienen am 19. Oktober 2016
Neues Schülerheim der Fachschule Fürstenburg Burgeis - 100 Schülerinnen und Schülern bietet das neue Heim der Fachschule für Land- und Forstwirtschaft Fürstenburg in Burgeis Platz. Die Zeiten, als viele Schüler täglich vom Haus „Moles“ in Mals nach Burgeis und wieder zurück nach Mals gebracht werden mussten, sind vorbei. Auch mit einer Küche, einem Speisesaal, einer Bibliothek, einem Mediensaal, 4 Schulzimmern, die von der Fachschule genutzt werden können sowie mit 3 Zimmern für das Heimpersonal ist das neue Heim ausgestattet. Der markante, von Architekt Werner Tscholl geplante Neubau, umfasst ein Bauvolumen von ca. 11.000 Kubikmetern. 9.000 davon wurden oberirdisch errichtet. Bei der offiziellen Eröffnung und Segnung des neuen Heims am vergangenen Freitag sprachen mehrere Ehrengäste von einem „Hotel“. Gewürdigt wurde sowohl die Art der Umsetzung des Vorhabens in Form eines PPP-Projektes, als auch die Architektur des neuen Heims. „Hier trifft Geschichte auf Zukunft und Moderne“, sagte Bildungslandesrat Philipp Achammer. Mit Bautenlandesrat Christian Tommasini stimmte er darin überein, dass es Werner Tscholl gelungen sei, ein Gebäude zu entwerfen, das sich hervorragend in die Landschaft und das Gesamtbild von Burgeis einfüge. Das Konzept für den Neubau leitet sich laut Tscholl von den wichtigsten historischen Bauten in der Nähe des neuen Heims ab: Kloster Marienberg, Fürstenburg und Widum. In der Bevölkerung klaffen die Ansichten über die Ästhetik des Neubaus weit auseinander. Die Palette reicht von „architektonisches Glanzstück“ bis hin zu „gewaltiger Klotz“ und „wilde Kischt“. „Sehr schnell und gut gebaut“ Dank der Verwirklichung des Neubaus über eine öffentlich-private Partnerschaft (PPP = Public Private Partnership) konnte das Heim laut Tommasini und Paolo Montagner, dem Direktor des Ressorts Italienische Kultur, Wohnungsbau, Hochbau und Vermögen, „sehr schnell und gut gebaut werden.“ Die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Partnern habe sich bewährt. „Öffentlich“ ist in diesem Fall das Land, „privat“ ist das Unternehmen „Pohl Immobilien“. Nachdem die Standortfrage geklärt worden war, kam es zur Gründung der „Fürstenburg GmbH“, zu der sich mehrere Firmen zusammengeschlossen hatten. Die GmbH legte der Landesregierung als Promotor einen PPP-Projektvorschlag für den Bau und die Führung des Heims vor. Die Landesverwaltung nahm den Vorschlag an. In einer Rekordzeit von nur 13 Monaten wurde das neue Heim auf einem Teil der zum Kloster Marienberg gehörigen Wiese „Quadra“ in der Nähe der Fürstenburg gebaut und eingerichtet. Als Vorteile des PPP-Projektes für die öffentliche Hand nannte Montagner vor allem zwei Aspekte: keine Verzögerungen am Bau und keine Explosion der Kosten. Bei der Errichtung öffentlicher Gebäude nach dem gewohnten Muster seien Verzögerungen und Kostensteigerungen alles eher als selten. Den eigentlichen Sinn einer öffentlich-privaten Partnerschaft sieht Siegfried Pohl darin, dass der private Partner aufgrund eines Konzessionsmodells mit der öffentlichen Hand eine Einrichtung plant, baut, einrichtet und auch führt, „und zwar nach privatwirtschaftlichen Kriterien.“ Vor allem aus diesem Grund sei beim Bau des neuen Schülerheims nicht nur darauf geachtet worden, unnötige Energiefresser zu vermeiden und auf kurzlebige Materialien zu verzichten, sondern auch darauf, die Folgekosten insgesamt im Auge zu behalten. Auch auf die Kontrolle wird Wert gelegt. Siegfried Pohl: „Wenn im Heim zum Beispiel unnötigerweise Lichter brennen oder Fenster geöffnet sind, können wir von außerhalb schnell eingreifen.“ 2036 geht das Heim an das Land über Alle bautechnischen Entscheidungen seien mit Blick auf die nächsten 20 Jahre getroffen worden. Bis dahin ist das Heim Eigentum der „Fürstenburg GmbH“. Im Jahr 2036 wird es an das Land übergehen. Die Kosten für den Bau und die Einrichtung bezifferte Siegfried Pohl mit ca. 8,7 Millionen Euro. Das Land habe für den Grunderwerb und einen Teil der Baukosten ca. 4 Mio. Euro bereitgestellt. Für die Zurverfügungstellung des Gebäudes, die Führung des Heims sowie als Anteil an den Baukosten zahlt das Land bis 2036 jährlich einen Betrag von über 700.000 Euro. In den Monaten Juli und August will die „Fürstenburg GmbH“ das Heim als Beherbergungsbetrieb führen, um zusätzliche Einnahmen zu generieren und dadurch die Führungskosten zu reduzieren. Beim Bau waren übrigens 22 Firmen aus Südtirol beteiligt, 12 davon aus dem Vinschgau. Die Schuldirektorin Monika Aondio dankte allen, die das Anliegen ernst genommen haben und bei der Umsetzung beteiligt waren. Als Ehrengäste konnte sie neben Abt Markus Spanier und Prior P. Philipp sowie den Landesräten Achammer und Tommasini auch Landesrat Richard Theiner, den Regionalassessor Sepp Noggler, Bürgermeister Ulrich Veith, die Abteilungsdirektoren Paul Mair, Stefan Walder und Andrea Sega begrüßen, Direktoren/innen anderer Schulen, den Bauernbundbezirksobmann Raimund Prugger, die Bezirksbäuerin Ingeborg Rechenmacher sowie die Schulgemeinschaft der Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Kortsch, die für das leibliche Wohl sorgte. Die „Burgkapelle“ lockerte die Eröffnungsfeier im Kulturhaus in Burgeis mit Musik auf. Einen unterhaltsamen Einblick in das frühere und heutige Leben in Schule und Heim vermittelte die Theatergruppe unter der Leitung von Andreas Paulmichl mit einem Sketch. Den kirchlichen Segen erteilte Abt Markus Spanier. Die Segnung schließe die Bereitschaft der im Heim wohnenden und arbeitenden Personen mit ein, „Gott im alltäglichen Leben einen Platz einzuräumen.“ Sepp
Josef Laner
Josef Laner

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.