Auch die Bahnsteige am Bahnhof in Latsch müssen verlängert werden. Dort erfolgen die Arbeiten Hand in Hand mit der derzeit laufenden Errichtung der Aufzüge.
Erstmals besichtigt werden konnte ein Elektrotriebzug des Typs „Coradia Stream“ am 4. Mai 2025 anlässlich des Jubiläums „20 Jahre Vinschger Bahn“ in Mals.

„Keine Überraschung und auch kein Fehler“

Alle Bahnsteige im Vinschgau müssen um 9 bis 15 Meter verlängert werden

Publiziert in 15 / 2025 - Erschienen am 26. August 2025

Vinschgau -  Bereits vor einigen Jahren wurden sämtliche Bahnsteige an den Bahnhöfen entlang der Strecke der Vinschger Bahn im Hinblick auf die Elektrifizierung bzw. den Ankauf neuer und längerer Züge verlängert und auf einen 125-Meter-Standard gebracht. Nun müssen alle Bahnsteige ein weiters Mal in einem Ausmaß zwischen 9 und 15 Metern verlängert werden. Warum das so ist und wie es dazu kam, ist laut dem Generaldirektor der „STA – Südtiroler Transportstrukturen“, Joachim Dejaco, weder eine Überraschung noch ein Fehler. Er erinnert daran, dass im Zuge einer öffentlichen Ausschreibung im Jahr 2018 die Talent-3-Züge beim Unternehmen Bombardier bestellt wurden, „die gleichen Züge, die auch die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) kurz zuvor angekauft hatten.“ Die Züge sollten eine ähnliche Länge wie die FLIRT Züge haben, „die Bahnsteige waren schon auf einen Standard von 125 Metern gebracht worden.“ Bombardier, ein damals weltweit tätiger Hersteller von Schienenfahrzeugen, hatte in Österreich laut dem STA-Generaldirektor große Schwierigkeiten mit der Zulassung dieser Züge, sodass ÖBB den Vertrag kündigte. Fast gleichzeitig wurde die Firma Bombardier im Jahr 2021 an Alstom verkauft und die EU legte in einer Auflage fest, dass die Plattform des Talent-3 an einen dritten Hersteller gehen müsste. 2022 übernahm der spanische Zughersteller CAF die Plattform.

Eigene „Variante“ von Alstom

Für Südtirol wäre diese neue Plattform laut Dejaco ein enormes Risiko gewesen: „Ohne Zulassung, ein Hersteller ohne Erfahrung mit Vollbahnen in Italien und keine anderen ähnlichen Züge weit und breit.“ Alstom habe also mit dem „Coradia Stream“ ein eigenes Produkt als „Variante“ angeboten, „das technisch allen Anforderungen der Ausschreibung entsprach und von dem es allein in Italien Hunderte andere Züge in ähnlicher Bauart gibt. Somit sind Ersatzteile, Service, Reparaturen u.v.m. über 30 Jahre garantiert.“ Mit der Änderung des Vertrages vom Talent-3 zum neuen Alstom-Produkt „Coradia Stream“ wurde auch die bereits in der Ausschreibung vorgesehene Option eingelöst, größere Züge zu bestellen, um eine höhere Kapazität zu bekommen. „Dass die Züge größer würden und daher die Bahnsteige im Vinschgau zwischen 9 und 15 Meter verlängert werden müssten, war somit von Anfang an klar“, präzisiert Dejaco. Es sei keine Überraschung und auch kein Fehler, sondern die Folge einer bewussten Entscheidung, größere Züge für Südtirol anzukaufen. „Südtirol und der Vinschgau verdienen sich größere Züge.“ Die Arbeiten sollen im heurigen Herbst erfolgen, „weil da die Strecke ohnehin geschlossen ist und somit sicherer und effizienter gearbeitet werden kann.“ Bis zum 25. Oktober 2025 bleibt der Bahnabschnitt Laas-Mals gesperrt und ab dem 26. Oktober die gesamte Bahnstrecke zwischen Meran und Mals. Es stehen Modernisierungsarbeiten entlang der ganzen Strecke an: Einführung neuer Technologien mit Übergang zum elektrischen Bahnbetrieb, neue Oberleitungen, modernes Signalsystem, Zulassung sowie Testfahrten mit neuen Elektro- und umgerüsteten Dieseltriebzügen. Der Betrieb der Vinschger Bahn wird im Frühjahr 2026 wieder aufgenommen. Während der Sperrzeiten gibt es einen Schienenersatzdienst mit Bussen. 

Josef Laner
Josef Laner

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