Netznaivität

Publiziert in 37 / 2014 - Erschienen am 22. Oktober 2014
Glaubt man einer Tageszeitung, so ist das „nächste große Ding“ bereits auf dem Weg. Ein 19-jähriger Bozner, ein „digitales Genie“, hat das „erste reale Netzwerk“ geschaffen und wird uns „unendliche Möglichkeiten“ eröffnen – „ein neues virtuelles Leben“. Dass auch über dessen Pläne, „die Welt zu erobern“ geschrieben wurde, lädt ein, genauer hinzulesen. Es handelt sich dabei um eine Website, die andere Angebote bündelt und so hilft, 90 % der Zeit und 95 % der Datenmengen zu sparen. Klingt wirklich nach dem nächsten großen Ding. Dass der 19-Jährige bereits 100.000 Euro an Sponsorengeldern aufgetrieben hat, beeindruckt natürlich. „Wir wollen die Erfahrung im Internet neu definieren und alledem einen ethischen Wert geben“, so seine Ankündigung. Dass darüber hinaus die Privatsphäre jederzeit gewahrt und der Dienst ohne Werbung finanziert wird, klingt fast ein Vierteljahrhundert nach der kommerziellen Öffnung des Internets sehr idealistisch. Google und Facebook haben ihre Unschuld schon lange verloren. Hoffen wir, dass die Sponsoren dem Bozner nicht allzu bald auf die Schultern klopfen. z
Christian Zelger
Christian Zelger
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.