Josef Gander in der Rösterei in Prad.

Vinschger Schmugglerkaffee für Rennfahrer

Publiziert in 40 / 2016 - Erschienen am 9. November 2016
Angefangen hat alles vor 4 Jahren: Heute ist der Vinschger Kaffee Kuntrawant sogar im Motorsport bekannt. Prad - Wo, wenn nicht in der hauseigenen Rösterei trifft man sich mit dem „Coffee Master“. Der „Coffee Master“, oder um im Deutschen zu bleiben, der ­Kaffee-Meister, heißt Josef ­Gander, ist 41 Jahre alt und kommt aus Prad. Keine Geringeren als der ehemalige Formel 1-Pilot Mark Webber und andere Porsche LMP1-Fahrer tauften Gander den „Coffee Master“. Wie es dazu kam? Der Reihe nach. Eigene Kaffeeherstellung Alles begann vor rund 4 Jahren. Im Herzen von Prad, im Cafe am Platzl, wurde eine Idee geboren. Die Idee von einer eigenen ­Kaffeeherstellung im Vinschgau. Mit all den Vinschger Eigenheiten. „Typisch für den Vinschgau sollte er werden“, blickt Gander heute zurück. Schon seit 1968 schlägt das Herz der Familie Gander für Kaffee, damals wurde das Kaffeehaus „Café Gander“ am Hauptplatz in Prad eröffnet. Es war somit nur eine Frage der Zeit, bis auch dort die Idee einer eigenen Kaffeemanufaktur entstehen sollte. Erstmals auf den Gedanken, eigenen Kaffee herzustellen, kam Josef Gander bereits 2007. „Damals war ich auf einer Reise in den USA. Dort gibt es zahlreiche kleine Röstereien. Das beeindruckte mich“. Er wollte es schließlich selbst ver­suchen. Nach mehreren Kursen und Ausbildungen war es soweit. Die notwendigen ­Maschinen wurden angeschafft und mit der Produktion begonnen. Erst nur für den Eigengebrauch im Lokal. „Als sich dann immer mehr Freunde und Bekannte vom Kaffee begeistert zeigten, haben wir beschlossen, uns als Kaffee-Hersteller zu versuchen“, erzählt Gander. Mit Erfolg. Die beiden Brüder Josef und Martin Gander bewiesen ein gutes Händchen. Die Bohnen kommen aus den Gebieten rund um den Kaffee-Äquator. Aus Hamburg werden Proben geschickt, und von den Brüdern sorgfältig ausgewählt. Der Röstprozess Dann beginnt der Röstprozess. In einer kleinen Lagerhalle unmittelbar neben dem heimatlichen ­Kaffeehaus. Im traditionellen Trommelröstverfahren werden in aller Ruhe die Bohnen in Handarbeit zu Kaffee veredelt. Für Josef Gander nicht nur eine Arbeit, sondern eine Leidenschaft. Lauscht man dem Prader bei seinen Erzählungen über die Kunst des Kaffeemachens, wird dies schnell klar. 2013 war es soweit. Kuntrawant, der Vinschger Schmugglerkaffee, kam auf den Markt. Zu haben in ausgewählten Partnerbetrieben und in einigen Vinschger Lokalen wusste der Kaffee gleich zu überzeugen. Aber warum der Name? Der kommt aus dem Italienischen. „Contrabbando“ bedeutet so viel wie Schmuggel. In der Zwischen- und Nachkriegszeit gab es im Vinschgau viele Schmuggler, die sich durch den Transport von Ware aus der Schweiz einen zweiten Lohn verdienten. Vor allem Tabak und Kaffee waren beliebte Schmuggelware. Zu Porsche LMP1 Team geschmuggelt Dass der Vinschger Kaffee sich mittlerweile sogar bei Porsche und Rennpiloten größter Beliebtheit erfreut, hat nicht etwa damit zu tun, dass er dorthin geschmuggelt wurde. Durch Kontakte konnten die Gebrüder Gander vor knapp einem Jahr ihre Espressomischungen und die Beschreibung des Kaffees mitsamt Konzept einsenden. „Für ein Event hieß es. So haben wir unseren Espresso mitsamt der Beschreibung, also das typisch Vinschgerische halt – bodenständig, regional, lokal, qualitativ – eingeschickt“, erzählt Gander. Welche Größenordnung dieses „Event“ jedoch haben sollte, davon ahnten die Brüder noch nichts. Erst als der Auftraggeber näheres Interesse bekundete, wurde dies klar. Und zwar war der Kunde kein Geringerer als der Automobilhersteller Porsche, der den Kaffee für seine LMP1-Rennen benötigte. Dabei handelt es sich um eine prestigeträchtige Rennserie, wozu zum Beispiel auch das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gehört. Die Qualitätskontrolle und Verkostung überstand Kuntrawant problemlos. Mit ­einem Partner aus Mailand, der die Kaffeemaschinen zur Verfügung stellte, wurde der Auftrag in Angriff genommen. Vinschger Kaffee am Nürburgring Bei einem Rennen am ­Nürburgring konnte sich Josef Gander selbst ein Bild machen, wohin es „seinen“ Schmugglerkaffee verschlug. „Das war beeindruckend. Ein riesiges Event. Vorstandsvorsitzende von Porsche und VW saßen da und tranken unseren Vinschger Kaffee. Die Piloten blieben dadurch fit“, so Gander. Die Piloten rund um den ehemaligen Formel 1-Star Mark Webber waren es dann auch, die den Prader zum „Coffee Master“ tauften. „Eine Ehre“, schmunzelt Gander. Als Dank signierten die Rennfahrer sogar noch die Verkleidung der Kaffeemaschin. Doch damit nicht genug. Funktionäre und Sportler zeigten sich vom Kaffee dermaßen begeistert, dass er ab dem kommenden Jahr in der Rennserie überall zu haben sein soll. Sprich, nicht mehr bloß im VIP-Bereich und beim Buffet, sondern auch in den Werkstätten und Rennboxen. „Ein großer Auftrag, aber wir werden unser Bestes geben, diesen weiterhin zu bewerkstelligen“, zeigt sich Gander motiviert. Überhaupt haben die Prader Kaffeemacher noch einige Pläne: „Wir wollen schon weiter wachsen, ja. Aber natürlich immer den lokalen Touch bewahren. Wissen, wo wir herkommen. Ehrlich, bodenständig und regional. Wie es zum Vinschgau passt“. Und dennoch ist er irgendwie etwas Exklusives und Besonderes, der Vinschger Schmugglerkaffee. Eben so, wie es die Vinschger Schmuggler selbst früher waren. MICHAEL ANDRES
Michael Andres
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Vinschger Sonderausgabe

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