Peter Bertagnolli (links) und Simon Stecher vor dem Mobilstall beim Schmiedhof in Mals.
Bei der „Goggale-Box“ am Schmiedhof in Mals (v.l.): Sarah De March aus Tartsch mit dem kleinen Laurin, Simon Stecher und Petra Peer aus Mals mit dem kleinen Luis Raffeiner.
Simon Stecher sammelt frisch gelegte Eier ein.
Der Mobilstall in Glurns

Wandernde Hennen

Zwei junge Landwirte aus dem Obervinschgau gehen neue Wege.

Publiziert in 37 / 2020 - Erschienen am 27. Oktober 2020

Mals/Glurns - Sie flüchten sich nicht in den Stall, sondern laufen einem gackernd und pickend entgegen. Schon allein diese Tatsache beweist, dass sie sich rundum wohlfühlen, die Obervinschger Wanderhennen. Eine möglichst tierfreundliche und natürliche Produktion von Eiern ist das Ziel, das Simon Stecher aus Mals und Peter Bertagnolli aus Glurns mit dem Projektes Obervinschger Wanderhennen verfolgen. Die zwei jungen Landwirte haben im heurigen Sommer zwei doppelstöckige Mobilställe für die Hühnerhaltung angekauft. „Damit unsere Hennen immer frisches Gras zum Picken haben, werden die Ställe in der Regel alle 10 Tage verstellt“, erklärten die zwei Jungbauern kürzlich dem der Vinschger. Peter hält auf seinen Wiesen im St. Lorenzweg in Glurns derzeit rund 200 Hennen und Simon am Schmiedhof (vulgo Plonggr) in Mals rund 250.

Mobilställe werden laufend verstellt

Ist das Gras auf einem Standort „verbraucht“, werden die Mobilställe zu einem anderen Standort gebracht. „Damit wird verhindert, dass sich die Wiese in einen sterilen Erdboden verwandelt“, so Simon und Peter. Neben der ständigen Auslaufmöglichkeit mit stets frischem Gras und jeder Menge Insekten sind auch die Ställe selbst so ausgerichtet, dass sich die Hennen darin jederzeit rundum wohl fühlen. In der unteren Etage der Ställe befindet sich ein Kaltscharrraum, der als überdachter Auslauf dient und vor allem bei ungünstigem Wetter Schutz bietet. In der oberen Etage finden die Hennen Futter, Wasser, Sitzstangen und gemütliche, mit Dinkelspelz ausgestattete Nester zum Legen der Eier. Die Eier werden somit nicht sofort abgerollt, sondern verbleiben bis zum „Ausnehmen“ in den Nestern. Dass diese Art der ganzjährigen Hühnerhaltung mit viel Arbeit verbunden ist, man denke etwa an das regelmäßige Verstellen der Ställe, das Füttern, Ausmisten oder Einsammeln der Eier, ist den zwei jungen Landwirten durchaus bewusst, „aber wir machen unsere Arbeit mit Freude und Hingabe, denn nur so gelingt es, eine möglichst tierfreundliche und naturnahe Produktion der Eier zu gewährleisten“, stimmen Simon und Peter überein. Ihre Art der Freilandhühnerhaltung ist im Vinschgau ein Novum. Die Hennen legen im Durchschnitt zwischen 5 und 6 Eier pro Woche und Schnabel. Das entspricht der natürlichen Legeleistung. Auch über die Verwendung der Hennen nach dem Ablauf der Legeperiode haben sich Simon und Peter bereits Gedanken gemacht. Sie planen den Verkauf von Suppenhühnern.

Neue Wege der Vermarktung

Zusätzlich zur neuen Art der Hühnerhaltung haben die zwei Landwirte auch neue Formen der Vermarktung entwickelt und umgesetzt. So gibt es an beiden Höfen eine „Goggale-Box“. Es handelt sich um Selbstbedienungsboxen, bei denen jeden Tag rund um die Uhr Eier entnommen werden können. Es gibt Packungen mit 6 und 10 Eiern sowie 1-Kilo-Boxen. Die leeren Kartone können direkt bei den Selbstbedienungsboxen zurückgegeben werden. Diese Art des Verkaufs beruht natürlich in erster Linie auf Vertrauen. Wie Simon und Peter übereinstimmen, kommt es fast nie vor, dass Eier „gratis“ mitgenommen werden. Relativ neu ist das „Goggale-Abo“. Wer ein solches Abo abschließt, bekommt die gewünschte Anzahl von Eiern jeden Montag bis vor die Haustür geliefert. Simon und Peter beliefern derzeit die Ortschaften Glurns, Mals, Burgeis, Schleis, Laatsch, Tartsch, Schluderns, Lichtenberg, Agums und Prad. Eine Ausweitung auf weitere Orte wird angedacht. Laut den findigen Hühnerhaltern finden die Eier der Obervinschger Wanderhennen immer größeren Zuspruch. Vor allem an Wochenenden werden die „Goggale-Boxen“ gerne aufgesucht, oft von Müttern mit Kindern. Und weil sich die Mobilställe in unmittelbarer Nähe der Boxen befinden, werden meistens auch die glücklichen Hühner besichtigt. Um die Hennen vor Füchsen und Hunden zu schützen, wird an den wechselnden Standorten immer ein Elektrozaun aufgestellt. Falls Gefahr von oben droht, sprich Greifvögel, merken das die Hennen sofort und suchen eiligst Unterschlupf unter eigens dafür angebrachten Verschlägen. 

Josef Laner
Josef Laner

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