„Wir haben alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Apfelsaison“
VIP-Direktor Martin Pinzger über Ernteaussichten, Sortenvielfalt und die Bedeutung von Bio im Vinschgau
Latsch - Nach dem Prognosfruit-Kongress in Angers (Frankreich) Anfang August blickt der Direktor von VIP, dem Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse, optimistisch in die kommende Apfelsaison 2025/26. Im Gespräch erklärt Martin Pinzger, warum er überzeugt ist, dass der Vinschgau mit seiner Sortenvielfalt, der starken Bio-Produktion und einer stabilen Golden-Strategie bestens aufgestellt ist.
der Vinschger: Herr Pinzger, wie blicken Sie auf die vergangene Apfelsaison zurück?
Manfred Pinzger: Wir können zufrieden sein. Die Saison 2024/25 war für den gesamten Sektor und auch für uns positiv. Trotz klimatischer Herausforderungen und eingeschränkter Pflanzenschutzmittel hatten wir eine gute Ernte. Das war nur dank einer sehr präzisen Arbeit auf jedem einzelnen Betrieb möglich – unterstützt vom Beratungsring, der unsere Mitglieder sowohl in der integrierten als auch in der Bio-Produktion begleitet. Beides ist für uns
strategisch entscheidend.
Die Prognosen für Europa sprechen von rund 10,5 Millionen Tonnen Äpfeln, für Italien liegt die Schätzung bei über zwei Millionen Tonnen und Südtirol liegt wie schon in den Vorjahren bei mehr als einer Million Tonnen. Ist das nicht zu viel?
Nein, diese Mengen sind gut verkraftbar. Der Konsum steigt leicht an, vor allem dank neuer Sorten und der Möglichkeit, Äpfel mittlerweile das ganze Jahr über anbieten zu können. Wir sind dabei im Vorteil: Unser Sortiment ist optimal aufgestellt, wir können 12 Monate liefern, und gleichzeitig nehmen die Importe aus der Südhalbkugel ab. Das stärkt unsere Position.
Welche Rolle spielen die neuen Sorten für VIP?
Eine sehr wichtige. Wir haben sieben neue Sorten in der integrierten Produktion und im Bio-Bereich sogar 2 zusätzliche. Besonders gefragt sind Cosmic Crisp® und Kanzi®, aber auch envy™, Ambrosia™, SweeTango®, yello® und Kissabel®. Im Bio-Segment sind Bonita und Natyra® beliebt. Jede Sorte hat ihre Fans – das macht unser Sortiment spannend und marktgerecht.
Bio ist in Europa rückläufig. Wie sieht es bei VIP aus?
Bei uns ist Bio stabil und wächst leicht. Rund 15% unserer Produktion sind Bio. Wir können Bio das ganze Jahr anbieten. Während andere Regionen Bio-Flächen verlieren, halten wir unsere – und das ist in Europa ziemlich einzigartig.
Von welchen Dimensionen sprechen wir insgesamt?
Die Vinschger Bauern bewirtschaften etwa 5.300 Hektar Apfelanlagen: rund 4.150 Hektar integriert, 1.150 Hektar biologisch. Das Verhältnis ist für uns ein guter strategischer Mix. Wechsel zwischen den Systemen müssen langfristig geplant werden, da Sortenumstellungen Zeit brauchen.
Momentan sind wir sehr gut ausbalanciert.
Gibt es im Vinschgau trotz Sortenvielfalt noch eine
„Königin der Äpfel“?
Ja, die Sorte Golden Delicious bleibt stark. Die Anbaufläche ist in den letzten zehn Jahren von 3.000 auf 2.000 Hektar zurückgegangen – das war wichtig für die Sortenentwicklung. Aber jetzt erwarten wir eher Stabilität. Golden Delicious hat europaweit nach wie vor einen Markt, vor allem in Italien und Spanien. Die Sorte ist und bleibt für uns ein zentraler Trumpf.
Ihr Ausblick auf die neue Saison?
Nach Jahren intensiver Erneuerung haben wir heute eine sehr gute Balance gefunden. Wir können mit Zuversicht nach vorne schauen. Entscheidend ist, dass wir die Qualität unserer Äpfel und unserer Dienstleistungen sichern. Das Ziel bleibt, den Wert des Produkts zu schützen – zum Nutzen aller unserer Mitglieder.