65 Jahre Nikolauseinzugin Schlanders
Schlanderser Nikolauskomitee lädt am 29. August zur Ausstellung von Krampusmasken ins Kulturhaus.
Schlanders - Es waren der KVW-Bezirkssekretär Alois Gamper und der erste Schlanderser Dorfpolizist Sepp Grüner, die sich vor 65 Jahren erstmals für einen koordinierten Nikolauseinzug einsetzten. Einerseits wollten sie den überlieferten Brauch um Nikolaus und Krampus erhalten und andererseits damit einen guten Zweck erfüllen. Träger des ersten koordinierten Nikolauseinzuges mit 20 beteiligten Personen, darunter acht Krampussen, war der KVW Schlanders. Im Jahre 1985 übernahmen Angelika und Markus Tappeiner die Führung, die sie, inzwischen gemeinsam mit ihrem Sohn Christian, noch heute innehaben. Nach dem Ausstieg des KVW im Jahr 1987 wurde das Nikolaus-Komitee eigenständig und ist seit 2018 als ehrenamtlich tätige Organisation eingetragen. Heute zählt das Nikolauskomitee 150 Mitglieder; am traditionellen Umzug nehmen jährlich über 200 Personen teil.
Der „Klaubauf“ als Kinderschreck
Am 29. August werden im Kulturhaus Karl Schönherr der Nikolausverein vorgestellt sowie über 100 traditionelle Krampusmasken, sogenannte „Lorvn“, aus Schlanders präsentiert. „In Omas Nachthemd und mit einem schönen Vorhang als Überwurf“ sei früher der Nikolaus ins Haus gekommen, erzählt Andreas Telfser, ein rühriges Mitglied des Nikolaus-Komitees. Der Bart des Nikolaus sei aus Flachs gewesen, die Mitra selbstgebastelt. Die „Lorvn“ und der „Klaubauf“ waren aus Stoffen oder Wolle mit Naturhörnern; nicht fehlen durfte beim „Klaubauf“ als Kinderschreck die furchterregende rote Zunge. Ab 1950 verbesserte sich die Verkleidung der Protagonisten. Die Krampusse bekamen zuerst noch Plastik-Lorvn oder Kübel-Lorvn, ab den 1970er Jahren gab es die ersten handgeschnitzten Holzlorvn, erzählt Andreas Telfser. Die ersten „Stilzer Lorvn“ wurden vom Schnitzer Siegfried Pfeifer geschnitzt; diese hätten das Aussehen der Schlanderser Krampusse bis heute geprägt. Um der Jugend den Ursprung des Brauches zu vermitteln, organisiert das Nikolauskomitee gemeinsam mit dem JUZE im November einen Workshop für Eltern und Kinder, wo gezeigt wird, wie das traditionelle „Krampusgwand“ mit Schafwolle geklebt wird.
Bevölkerung wirdum Hilfe gebeten
„Wir leben von den Mitgliedsbeiträgen, von den Hausbesuchen, dem Verkauf der Nikolaussäckchen und von unseren treuen Sponsoren“, erzählt Andreas Telfser. Der Reinerlös werde jedes Jahr einem wohltätigen Zweck zugeführt. Andreas Telfser und sein Bruder Martin sind derzeit bereits mit einem größeren Projekt beschäftigt, und zwar mit der Chronik über den Nikolausbrauch in Schlanders. Diese soll pünktlich zur 70-Jahr-Feier im Jahr 2031 erscheinen. Die Bevölkerung ist gebeten, dem Nikolauskomitee Informationen und Anekdoten, Fotos oder alte Videos zur Verfügung zu stellen.