Den Schlüssel für das Museum „Vinschger Oberland“ in Graun hat Valentin Paulmichl fast immer bei sich.
Am Äußeren des Museums wird sich fast nichts ändern.
Ein Teil der Museumsbestände wurde im Hinblick auf die Arbeiten, die heuer im Herbst beginnen, bereits verpackt.
Ein Blick in die Warger-Stube.
Ein Herzstück des Museums: Die Fresken des „Franz-Prietha-Hauses“.
Skulptur der heiligen Katharina aus dem 18. Jahrhundert.
Eine der vielen historischen Aufnahmen.
Dieses Modell zeigt das Dorf Graun vor der Seestauung; rechts eine Nachbildung der alten Pfarrkirche.
Dieses Modell zeigt das Dorf Graun vor der Seestauung; rechts eine Nachbildung der alten Pfarrkirche.

Im Herbst geht es los

Museum „Vinschger Oberland“ wird baulich adaptiert und modernisiert.

Publiziert in 12 / 2026 - Erschienen am 30. Juni 2026

Graun - Seit 1980 wird Einheimischen und Gästen im Museum „Vinschger Oberland“ in Graun ein gediegener Einblick in die Zeit vor, während und nach der Seestauung geboten. „Das ist und bleibt auch weiterhin die Kernaufgabe unseres Museums“, sagt Präsident Valentin Paulmichl, mit dem sich der Vinschger über die im Museum anstehenden baulichen Anpassungen sowie internen Umgestaltungen unterhalten hat.

Ein Blick zurück

Das Museum ist im ehemaligen, mittlerweile denkmalgeschützten Gemeindehaus untergebracht, das einst nicht nur die Gemeindeämter, sondern auch die Forststation, das Arztambulatorium, die Feuerwehr und sogar Grundschulklassen beherbergte. Der Leitgedanke bei der Gründung war es, all das, was die Menschen vor, während und nach der Seestauung mitmachen mussten, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Der entscheidende Anstoß ging von einer Ausstellung von Fotos und Bildern aus, die 30 Jahre nach der Seestauung, also 1980, organisiert worden war. Auch alle Alt-Grauner und Oberländer aus anderen Dörfern, die von der Seestauung betroffen waren und ihre Heimat verlassen mussten, sind damals eingeladen worden. Im Rahmen der Ausstellung entstand die Idee, die Bilder dauerhaft zu zeigen. Das Vorhaben stieß auf breiten Zuspruch. Engagierte Personen hoben den Museumsverein aus der Taufe, der damalige Gemeinderat und Gemeindeausschuss stellten sich von Anfang an hinter das Vorhaben. Bahnbrechende Aufbauarbeit leistete Peter Pircher aus Reschen, der während seines jahrzehntelangen Wirkens als Vereinsobmann viele Akzente gesetzt hat. 

Sammlung schrittweise erweitert

Die Sammlung von historischen Bildern und Dokumenten sowie von Objekten und Gegenständen aus der Zeit rund um die Seestauung konnte auch Dank von Gedenkveranstaltungen und Treffen von Weggezogenen, wie sie in zehnjährigem Rhythmus stattgefunden haben, sowie mit Hilfe besonderer Aktionen Schritt für Schritt erweitert und bereichert werden. Während der Amtszeit von Albrecht Plangger als Bürgermeister und des damaligen Vizebürgermeisters Florian Eller ist es gelungen, Umgestaltungen und Erweiterungsmaßnahmen vorzunehmen. Außerdem bemühten sich die damaligen Gemeindeverwaltungen darum, zusätzliche wertvolle Objekte für das Museum zu erhalten, wie etwa die „Franz-Prietha-Haus“-Fresken. Die von Antoni Jäger gemalten Fresken wurden vor dem Abriss des Hauses im Jahr 1950 abgenommen, in das Stadtmuseum Bozen gebracht und viele Jahr später dem Museum „Vinschger Oberland“ als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Zu den einzigartigen Schätzen im Museum gehört neben kostbaren sakralen Figuren und Gegenständen aus der abgerissenen bzw. gesprengten alten Grauner Pfarrkirche unter anderem auch die Warger-Stube. Es handelt sich um die von Antoni Jäger bemalte Stube im ehemaligen Gasthaus „Zum Goldenen Adler“ in Alt-Graun. Die Täfelung wurde 1950 abgenommen und im Museum wieder eingebaut. Zu sehen sind im Museum außerdem einmalige historische Fotos von Alt-Graun von Hugo von Atzwanger sowie Bilder von Enrico Pedrotti aus dem Edison-Archiv in Bozen, zur Verfügung gestellt vom „Kuratorium für Technische Kulturgüter“.

Steigende Besucherzahlen

Dass die Besucherzahlen im Laufe der Jahre gestiegen sind, ist nicht zuletzt auf die Zusammenarbeit zurückzuführen, die der Museumsverein mit dem Tourismus, sprich mit dem Tourismusverein Reschenpass, mit dem Förderverein Oculus und weiteren Vereinen und Institutionen aufgebaut hat. Die Führungen konnten merklich ausgebaut werden. Gruppenführungen werden mittlerweile das ganze Jahr über angeboten. Ein besonderes Augenmerk legt der Museumsverein auch auf die Einbindung der Schulen. Valentin Paulmichl: „Viele Schulklassen nehmen langen Anfahrten in Kauf, um unser Museum zu besuchen.“ Auch für die Schulen der Gemeinde Graun und der unmittelbaren Umgebung biete das Museum eine gute Gelegenheit, die eigene Geschichte näher kennenzulernen.

Neues Konzept vor der Umsetzung

Erste Gespräche über einen weiteren Ausbau bzw. über architektonische Anpassungen und interne Um- und Neugestaltungen haben bereits 2010 begonnen. Marion Veith sammelte zunächst erste Ideen, Josef Rohrer lieferte ein erstes konkretes Konzept. Das Vorhaben beschäftigte mehrere Gemeindeverwaltungen. Unter Bürgermeister Franz Prieth steht das Projekt nun endlich vor der Umsetzung. Eine große Hürde war laut Valentin Paulmichl die Finanzierung. Entscheidend war eine Aussprache im Juli 2025 mit Landesrat Philipp Achammer und Vertretern des Amtes für Museen in Bozen. Der Landesrat war vom Konzept, das ihm der Bürgermeister, die Referentin für Schule und Kultur, Andrea Maas, und der Museums-Präsident im Detail vorstellten, begeistert. Er sicherte einen Landesbeitrag in Höhe von rund 80 Prozent der anerkannten Kosten zu. Insgesamt wird mit Ausgaben von fast 2 Millionen Euro gerechnet. Den Restbetrag stemmt die Gemeinde mit Eigenmitteln. Die größten Herausforderungen sind die architektonische Anpassung und die Neugestaltung der Ausstellung. Das vorliegende Konzept war von Architekt Jürgen Wallnöfer, den Kuratoren J. Christian Rainer und Laurin Kofler, der Gemeindereferentin Andrea Maas, dem Bürgermeister Franz Prieth und dem Vereinspräsidenten Valentin Paulmichl im Zuge vieler Besprechungen gemeinsam erarbeitet worden. Der Gemeinderat hat dem Ausführungsprojekt bereits 2024 zugestimmt.

Außen bleibt fast alles gleich

Am Äußeren des Gebäudes wird sich mit Ausnahme des Austausches der Fenster und weiterer kleinerer Eingriffe fast nichts ändern. Ein Ortsaugenschein mit einer Delegation des Amtes für Museum und museale Forschung hat bereits stattgefunden. Im Inneren hingegen sind einschneidende Änderungen und Neurungen geplant: Aufzug, neuer Eingangsbereich, neue sanitäre Anlagen und Teeküche, Neueinteilung der Ausstellungsräume im ersten und zweiten Stockwerk und weitere Modernisierungen, um die Geschichte vor, während und nach der Seestauung auf moderne Art erlebbar zu machen. Die wertvollen Bestände an Fotos, Objekten und Dokumenten, die der Museumsverein im Laufe der Jahrzehnte zusammengetragen hat, bleiben natürlich erhalten.

Vorbereitungsarbeiten sind im Gang

Die Vorbereitungen für die Umsetzung des Konzeptes sind bereits im Gang. Ein Teil der Bestände ist schon verpackt. Besonders wertvolle Objekte, wie etwa sakrale Bilder und Figuren, dürfen während der Arbeitsphase bei der Raiffeisenkasse Obervinschgau aufbewahrt werden. Zu den vorbereitenden Arbeiten gehört auch die Erstellung eines vollständigen, digitalen Verzeichnisses mit Fotos der Bestände, damit diese in Zukunft auch digital zur Verfügung stehen. Der reguläre Museumsbetrieb bleibt während des heurigen Sommers aufrecht. Führungen werden bis Mitte September angeboten. Die ersten Arbeiten sollen im Herbst 2026 durchgeführt werden. Die Fertigstellung soll 2027-2028 erfolgen.

Die Ziele für die Zukunft

Das Herzstück des Museums bleibt weiterhin die umfassende Darstellung der Geschichte des Oberlandes von der Zeit vor der Seestauung bis herauf zur Gegenwart. Nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zum Museum wertet Valentin Paulmichl die Neuerungen, die das Land im Zuge der Neugestaltung des Turm-Areals plant: „Beim Turm-Areal wird kurz über die Geschichte informiert, viel eingehendere Einblicke wird es weiterhin im Museum geben.“ Festgehalten wird auch am Konzept der Gruppenführungen: Ausgehend vom Alt-Grauner Kirchturm, dem Wahrzeichen der Gemeinde, werden die Teilnehmenden zum St. Anna Kirchlein und von dort weiter bis zum Museum geführt. Eingebettet ist das Museum „Vinschger Oberland“ auch in das Kooperationsprojekt MU.SUI der Obervinschger Museen. Dieses Projekt verbindet die Museen in den Gemeinden Schluderns, Graun, Mals und Taufers im Münstertal.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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