Franz Gurschler auf dem Gipfel des Ortlers vor dem Jahr 1970.
Franz Gurschler im Seniorenheim von Partschins 2021.

Mit dem Eispickel in die Steinzeit

Publiziert in 31-32 / 2021 - Erschienen am 29. September 2021

Tarsch/Partschins - Franz Gurschler, ein gebürtiger Kastelbeller und dann Tarscher Bürger, war in Südtirols Sportwelt als erfolgreicher Langstreckenläufer bekannt. In Anspielung an den tschechischen Wunderläufer Emil Zatopek wurde er sogar „der Zatopek des Vinschgaus“ genannt. Den September 1991 verbrachte Franz auf der Similaunhütte. Seine Tochter Ulrike betrieb mit Markus Pirpamer aus Vent im Ötztal die viel besuchte Schutzhütte. Am 22. September 1991 - es war ein trüber Sonntag - begaben sich Ulrikes Schwiegervater Alois, damals auch Obmann des Bergrettungsvereines, und Franz Gurschler zur Fundstelle am Tisenjoch, um den Körper, der ab dem 26. September Ötzi heißen wird, vom Eis freizulegen und zur Bergung vorzubereiten. Davon berichtete die Direktorin des Archäologie-Museums Angelika Fleckinger in ihrem Büchlein „Ötzi, der Mann aus dem Eis“, erschienen 2012 als 6. Auflage. „Nachdem die beiden die Leiche freigepickelt hatten, sammelten sie die losen Funde und packten sie in einen Plastikmüllsack (…)“, so Fleckinger. Franz Gurschler war somit der erste Vinschgauer aus dem Haupttal am Ötzi-Fundort. Darüber hat er aber nie ein Wort verloren. Heute lebt der Franz, geboren 1933, im Seniorenheim von Partschins. Er kann sich nicht mehr an Tage und Ereignisse erinnern, aber zum Stichwort „Ötzifundstelle“ meinte er am 18. September 2021: „Es hat etwas mit mir gemacht. Ich habe angefangen zu denken. Ich war ergriffen. Schade, dass man nicht mehr aufgeschrieben hat.“ „Was hat es denn mit dir gemacht?“ „Das weiß ich nicht mehr genau.“

Günther Schöpf
Günther Schöpf

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