Hauptmann Joachim Frank mit Ehrengästen und Fahnenabordnungen
Ein überzeugender Festredner Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder
Gefallenenehrung mit Dekan P. Mathew Kozhuppakalam

„So eine Gedenkrede gab es noch nie“

Ein Andreas Hofer-Gedenken der besonderen Art 

Publiziert in 8 / 2020 - Erschienen am 3. März 2020

Schlanders - Zuerst beeindruckte Pater Mathew Kozhuppakalam in seiner Einleitung mit einer Würdigung des Volkshelden Andreas Hofer. Für den Schlanderser Dekan, ein gebürtiger Inder, war es der erste Andreas Hofer-Gedenktag. Einen weiteren Akzent gesetzt hatten als Träger der Gedenkfeier die Schützenkompanie „Priester Josef Daney“ unter Hauptmann Joachim Frank und die SVP-Ortgruppe mit Obmann Dieter Pinggera. Sie konnten mit Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder als Festredner einen begnadeten Rhetoriker verpflichten. Pater Mathew nahm in seiner Predigt zum Evangelium nach Matthäus den Gedanken des „gewaltlosen Widerstandes“ auf. „Es scheint eine ganz harte Forderung zu sein“, meinte der Dekan, jemandem, der einem Böses antut, keinen Widerstand zu leisten und sogar noch „die andere Wange hinzuhalten“. Er fragte dann, ob eine Gemeinschaft, ein Staat nach diesen Prinzipien existieren könne, aber darum gehe es nicht. Es gehe darum, den unheilvollen Kreis der Gewalt zu durchbrechen, um einen dauerhaften Frieden zu schaffen. 

Das Gedenken soll Anlass sein

Frieden war dann auch ein Schlüsselwort in der Gedenkrede von Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder. „Wir leben in einer friedlichen Zeit, allerdings lenken uns Handy und Botschaften aller Art ab, uns mit dem wirklichen Leben auseinanderzusetzen. Wir brauchen also Anlässe, damit wir das tun können.“ Er rief auf, sich später am Gefallenen-Denkmal nicht mit der künstlerischen Gestaltung zu befassen, sondern sich zu fragen, was diese Toten uns sagen können. „Sie fordern uns vor allem auf, eine Politik zu machen, dass ihre Opfer nicht umsonst gewesen sind.“ Im Sinne des Sonntagsevangeliums betonte Durnwalder, dass mit Krieg und Gewalt niemals etwas gelöst werde. Er forderte auf, über die Ursachen von Krieg und Unruhen nachzudenken. Es stimme nämlich etwas nicht, wenn Güter ungleich verteilt sind, wenn 900 Millionen Menschen mit Hunger zu Bett gehen müssen oder wenn Minderheiten verfolgt würden, weil sie Minderheiten sind. Wenn man heute an Andreas Hofer denkt, denke man vor allem an seine Person und an die Motive seiner Zeit, vor allem an die Pflicht, die Heimat zu verteidigen und das Recht, nur innerhalb der Landesgrenzen zu kämpfen. 

Helden muss man nicht erfinden

„Wir müssen heute nicht nur Andreas Hofers gedenken, sondern auch aller, die nach ihm Opfer gebracht haben für unsere Heimat, unsere Sprache und Tradition.“ In seiner Zeitreise durch Südtirols Schicksalsjahre kam Durnwalder zur Südtirol-Autonomie und zur Europa-Region. Seine eindringliche Rede gipfelte in den Sätzen: „Es hängt von uns ab, was wir daraus machen. Wir brauchen nicht Helden zu erfinden, wir müssen selber die Helden sein. Wir müssen diejenigen sein, die nicht nur reden, sondern Hand anlegen, um so manches zu verbessern“. Der Applaus war anhaltend und Ehrenmajor Hans Graber fand, dass so eine Gedenkrede noch nie zu hören war. Im Anschluss an den Festgottesdienst kommandierte Hauptmann Frank eine „Generaldecharge“. Zum Abschiedslied „Ich hatt‘ einen Kameraden“ legten die Schützen Werner Schuster und Jan Oberhofer am Gefallenen-Denkmal einen Kranz nieder. Es ertönte die Landeshymne und Bürgermeister Dieter Pinggera bedankte sich bei allen Mitwirkenden.

Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.