Ein Blick in den Saal

„Aufforstung Vinschgau“ lebt weiter, jedoch nicht mehr im bisherigen Ausmaß

Publiziert in 21 / 2005 - Erschienen am 4. November 2005
Schlanders - Mit einer Festveranstaltung wurde am 26. Oktober im Kulturhaus „Karl Schönherr“ in Schlanders auf „20 Jahre Sonderprogramm Aufforstung Vinschgau“ zurückgeblickt. Der Landeshauptmann Luis Durnwalder sicherte zu, dass das Sonderprogramm vorerst weitergeführt wird, jedoch nicht mehr im bisherigen Ausmaß. Er bezog sich hierbei wohl auch auf die Finanzierung. „Stand hinter den ersten Aufforstungsmaßnahmen im Vinschgau noch der reine Schutzgedanke, so rückte später immer stärker die Sicherung des Lebensraumes in den Vordergrund“, sagte Paul Profanter, der Direktor der Abteilung Forstwirtschaft, der die Veranstaltung moderierte. Zu dieser waren nicht nur hochrangige Vertreter des Landes, der Forstbehörde und der zuständigen Landesämter gekommen, sondern auch viele Bürgermeister des Tales, Vertreter der Landwirtschaft und der Eigenverwaltungen, Förster sowie frühere und jetzige Aufforstungs-Mitarbeiter. Don Mario Pinggera, Pfarrer aus dem Münstertal, gestaltete eine Dankandacht und erteilte den kirchlichen Segen. Auf die Entstehungsgeschichte des Sonderprogrammes Aufforstung Vinschgau (Forstdirektor war damals Norbert Deutsch) blickte dessen Initiator Alois Karner zurück. Er erinnerte auch an erste Aufforstungen im Vinschgau von 1860 bis 1870 und an die damaligen Verdienste von Heinrich Flora (Mals) und Heinrich Vögele (Schlanders). Auch an die Arbeit des früheren Forstdirektors Ing. Franz Deutsch (Aufforstungen von 1951 bis 1963) erinnerte Karner. Ziel all dieser Bemühungen sei es gewesen, das Hab und Gut der Menschen vor Lawinen und Muren zu schützen. Als nicht unwesentlichen Grund, das Sonderprogramm ab 1986 in Angriff zu nehmen, nannte Alois Karner die damalige Arbeitslosigkeit im Tal. Der Programmschwerpunkt wurde auf Aufforstungen gelegt. Abgewickelt wurden die Arbeiten über die Forststationen. „Es wurde bisher viel für die Lebensraumsicherung getan, aber einiges ist noch zu tun, und wir wünschen uns, dass die Aufforstung noch lange bleibt“, schloss Karner. Er hatte das Sonderprogramm bis 1992 von Bozen aus (Amt für allgemeine Angelegenheiten) geleitet. 1992 übernahm Andreas Feichter die Leitung des Sonderprogrammes, das seither beim Forstinspektorat Schlanders angesiedelt ist und über die Forststationen Latsch, Schlanders, Prad, Mals und Graun abgewickelt wird. In jeder Station gibt es einen Koordinator. „Das Geld macht die Musi“, sagte Andreas Feichter, der mit Zahlen und Eckdaten aufwartete. Von 1986 bis 2005 habe das Sonderprogramm insgesamt knapp 25 Millionen Euro erhalten und knapp 30 Mio. Euro ausgegeben. Die daraus resultierende Differenz habe die „Aufforstung“ über Arbeiten für Dritte (Gemeinden, Eigenverwaltungen, Alminteressentschaften usw.) hereingeholt. 385 Projekte sind in 20 Jahren umgesetzt worden. Den höchsten Arbeiterstand gab es 1993 mit 189 Mitarbeitern. Derzeit sind 103 Arbeiter beschäftigt. 2.040.000 Pflanzen wurden in 20 Jahren auf rund 500 Hektar ausgebracht. Weiters wurden 90 Kilometer Holzzäune und 132 Kilometer Maschendrahtzäune errichtet. Wie Feichter selbst einräumte, sind die Umzäunungen teilweise umstritten. Auch in die Vielfalt der Arbeiten gab er Einblick: Rottenaufforstungen, Lawinensicherung, Durchforstungen, Bau von „Tschöttn“ (Wasserbecken), Errichtung von Biozellen, Umstrukturierung der Schwarzföhrenbestände, Arbeiten auf vorwiegend unerschlossenen Almen, Wandersteige, Instandhaltung von Waalen, Landschaftspflege, Arbeiten in Schulen und Kindergärten und viele weitere Arbeiten mehr. Auch Feichter wünschte sich, dass die Arbeiten weitergeführt werden. Vieles sei im Gang, vieles sei noch zu tun. Nachdem Viktor Demetz mit dem 31. Oktober als Leiter des Forstinspektorates Schlanders in den Ruhestand getreten ist, ist Feichter übrigens seit dem 1. November geschäftsführender Leiter. Bis dahin war er Stellvertreter. Die Stelle des Leiters ist bereits ausgeschrieben. Luis Durnwalder sagte, dass das Sonderprogramm schon einmal zeitlich verlängert wurde und dass auch die Geldmittel aufgestockt wurden. „Das Geld wurde gut investiert, und zwar nicht nur im Interesse der Waldwirtschaft und der Sicherung des Lebensraumes, sondern im Interesse der gesamten Bevölkerung“. Das Sonderprogramm sei ein Aushängeschild für die Forstbehörde. „Jetzt aber sind die 20 Jahre vorbei“, führte Durnwalder weiter aus. Dennoch wolle er sich für eine Weiterführung einsetzen. Eine Fortsetzung „in voller Höhe“ werde es aber nicht mehr geben: „Entlassen wird sicher niemand, aber Nachbesetzungen wird es keine mehr geben“, sagte Durnwalder. Der Personalstand müsse langsam abgebaut werden. Um die Fortsetzung in der Landesregierung rechtfertigen zu können, „muss ich ein klares Programm für die Zukunft in die Hände bekommen“. Dankesworte im Namen den Gemeinden und der Landwirtschaft überbrachte der Laaser Bürgermeister und Bauernbundbezirksobmann Andreas Tappeiner. Den Dank im Namen der Arbeiter überbrachte Sepp Ruepp. Aufgelockert wurde die Veranstaltung mit Einlagen der Vinschger Tanzlmusikanten. Die zwei Förster Eugen Oberstaller und Toni Lanz führten einen lustigen Sketch auf.
Josef Laner
Josef Laner
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