Die Grundschüler von Tanas

Bergschulen: Wo Schule, da Leben

Publiziert in 19 / 2006 - Erschienen am 20. September 2006
Jährlich zu Schulbeginn im ganzen Land zieht auch in den wenigen Schulen oben am Berg wieder Leben ein. Es sind vorwiegend Lehrpersonen aus dem Tal, die die Schulleiterstellen an den Bergschulen übernehmen, welche das Schulamt als solche definiert hat. Der Anfahrtsweg, die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, die Meereshöhe sowie höchstens zwei Klassen zählen zu den Kriterien für eine Bergschule. In Tanas, einer Schulstelle des Schulsprengels Laas, gibt es eine der fünf Bergschulen, die nach der unerwarteten Schließung der Grundschulstelle von St. Martin im Kofel vor genau einem Jahr im Vinschgau noch verblieben sind. Weitere sind Grub am Naturnser Sonnenberg, Katharinaberg im Schnalstal, Schlinig und Planeil. 37 Bergschulen sind es laut Dekret des Schulamtsleiters noch in ganz Südtirol Den Eröffnungsgottesdienst haben die sieben Schüler von Tanas bereits am Sonntag mit der ganzen Dorfgemeinschaft gefeiert. So ist der erste Schultag für die vier Buben und drei Mädchen bereits ein Arbeitstag mit Hefte-Einbinden, Rechnen, Schreiben und Lesen. Schulleiterin Sabine Kurz und ihre Kolleginnen arbeiten mit den Schülern in einem Klassenraum, „nur bei Italienisch gehen die Erstklässler hinaus“. Der Unterricht sei zwar differenziert in den Schwierigkeiten, trotzdem profitieren die jüngeren Schüler von den oberen Klassen. „Und die Großen bewundern die Fortschritte der Kleineren“, so Sabine Kurz. Es sei ein schönes Arbeiten, denn die Kinder werden in ihrer Ganzheit gesehen und man könne auf jedes Kind individuell eingehen. Die Schulleiterin weiß aber auch, was die Kinder in der Mittelschule erwartet: große Klassen, mehr Unruhe und weniger Überschaubarkeit zum einen, mehr Angebote und gezieltere Förderung zum anderen. „Die 5. Klasse liegt mir immer sehr am Herzen, denn ich möchte sie fit für die Mittelschule weiterschicken“. „Wir sind froh, dass wir noch eine Schule hier haben“, freut sich die Mutter eines Erstklässlers. Wenn die Schule wegzieht, geht in einem Dorf vieles verloren. Schon genug, dass wir kein Geschäft und kein Gasthaus haben. Unsere Kinder haben zuerst Anpassungsschwierigkeiten in der Schule im Tal, da sie zurückhaltender und oft auch schüchternder sind. Andererseits sind sie vergleichsweise ausgeglichener und ruhiger.“ Besorgt um die Bergschulen ist auch Astrid Reiterer, Direktorin im Grundschulsprengels Naturns. „In Katharinaberg haben wir keine Probleme, da sind noch 20 Schüler. Besorgniserregend ist die Lage in Grub. Von 9 Schülern im vergangenen Schuljahr sind heuer nur noch 5 übrig, das ist die gesetzliche Mindestzahl an Schülern für die Erhaltung einer Schulstelle,“ gibt sie zu bedenken „Für Eltern und Kinder ist es sehr wertvoll, die Grundschule in der Nähe zu haben.“ „Als eine auch in Zukunft erhaltenswerte soziale Einrichtung für ein Dorf sieht Heinrich Moriggl, Vizedirektor des Schulsprengels Mals, die Bergschulen. Zum Schulsprengel Mals gehören Schlinig mit 7 und Planeil mit 18 Schülern. „Schulen sind ein Bezugsort für jede Dorfgemeinschaft, an der Feste gefeiert werden und Gemeinschaft gelebt wird.“ Ein- oder zweiklassige Schulen erweisen sich oft als Modelle einer modernen Schule mit Fächer übergreifenden, Jahrgangs- und Klassen übergreifenden offenen Unterrichtsformen. Trotzdem ist eine Bergschule heutzutage nur mehr im Grundschulbereich vertretbar. Anschließend gehören die heranwachsenden Kinder in ein größeres soziales Gefüge, um integriert und gefördert sowie soziale Kompetenzen zu erwerben. „Die Anfangsschwierigkeiten dabei gehören zum Reifungsprozess dazu,“ weiß Heinrich Moriggl aus Erfahrung. Die Bergschule von einst…. In Tanas waren zur Zeit des 2. Weltkrieges an die 50 Schüler, in den 50er Jahren noch knapp 40. Sogar zwei Volksschulen gab es früher in Tanas: eine in Obertels für die Kinder der Berghöfe, eine für die Tanaser Dorfkinder. Mit der Eröffnung der Einheitsmittelschule in Laas im Jahre 1964 sank die Schüleranzahl drastisch. Heute sind noch 7 Kinder in der Grundschule eingeschrieben. Tendenz stagnierend. In Erzählungen der älteren Tanaser werden Erinnerungen wach:…..In den beiden Klassenräumen standen Holzöfen, welche die „Schulaufräumerin“ in den Wintermonaten oft schon um 5 Uhr früh anfeuern musste, damit die Kinder ihre vom Schnee durchnässten Strümpfe und Schuhe trocknen konnten…..Die Italienischstunde hatten wir immer in der kleinen Küche, wo die Lehrerin nebenbei ihr Mittagessen umrührte…Wir Schüler mussten das Feuerholz ins „Ratzenkammerle“ tragen.. Mäuse hatten wir immer in der Schule, einmal auch in den Pantoffeln der Lehrerin. …und heute Heute hat Tanas ein großzügiges Grundschulgebäude aus dem Jahre 1982, das als kultureller Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft gilt. Im Keller befindet sich eine Kegelbahn und ein Bierschank, im 1. Stock ein Mehrzwecksaal, der für dörfliche Feste und als Turnhalle gebraucht wird. Hier befinden sich auf eine Küche und ein Kindergartensaal, der aufgrund der geringen Kleinkinderzahl noch nie benutzt wurde. Im 2. Stock ist die Grundschule Tanas untergebracht.
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher

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