Bei der Pressekonferenz (von links): Michael Ganthaler (Vorsitzender Pfadfinderschaft Südtirol), Hartmut Keyler aus Manchen („Auslandsminister“ Deutscher Pfadfinderbund) und Zeno Christanell (Leiter der Pfadfinder Naturns)

Pfadfinderkonferenz auf Schloss Goldrain

Die Landesleitung der Südtiroler Pfadfinder hat vom 3. bis zum 5. März zur 35. deutschsprachigen Pfadfinderkonferenz auf Schloss Goldrain geladen. Jährlich findet diese Konferenz abwechselnd in einem der europäischen Länder statt, in denen Deutsch gesprochen wird und bereits zum dritten Mal durfte Südtirol Gastgeber sein. 70 Leitungs-Vertreter aller deutschsprachigen Pfadfinderverbände haben daran teilgenommen. Das Leitthema der Konferenz lautete „Abenteuer Glauben“. Bei den Workshops am Samstagvormittag wurde über die verschiedenen Aspekte des Glaubens diskutiert: „Religion und Natur bei den Pfadfindern“, „Spiritualität im Pfadfinderalltag“, „Kultur und Religionen“, „Abenteuer Buddhismus“ und „Ökumene gelebt/erlebt“. Der offiziellen Eröffnung am Freitagabend war eine Pressekonferenz vorausgegangen. Hartmut Keyler aus München berichtete indessen über seine langjährige Tätigkeit und die Geschichte der Pfadfinder. Vor einhundert Jahren hat der Engländer Lord Robert Baden-Powel of Gilwell die erste Pfadfinderorganisation gegründet. Inzwischen gibt es weltweit etwa 30 Millionen Mitglieder. In Südtirol wurde die erste Pfadfinderschaft vor 33 Jahren gegründet und im Gegensatz zu Deutschland, wo zahlreiche Jugendliche daran teilnehmen, gibt es hier nur acht aktive Stämme und in Naturns ist einer davon. Sie verstehen sich als katholischer Verband, aber sie wirken eigenständig, „mit der Kirche“ aber nicht „in der Kirche“, getrennt von der Jungschar und sehen ihre Aufgabe darin, der Jugend zu helfen, im Glauben, aber auch verantwortungsbewusst, kameradschaftlich und frei aufzuwachsen. Hartmut Keyler wies kurz auf die Probleme hin, die aufgrund der Studentenproteste 1968 auch die Pfadfinderinstitution europaweit beeinflusst haben. Am Ende hatten Kritiken und Proteste jedoch dazu geführt, dass endlich gemeinsam, auf internationaler Ebene, über Probleme diskutiert wurde: „Sprache ist das beste Medium zur Verständigung“, wurde die Devise. Michael Ganthaler, Vorsitzender der Pfadfinderschaft Südtirol, begrüßte die Ehrengäste, unter ihnen Landesrat Richard Theiner, den Kammerabgeordneten Karl Zeller und Robert Hochgruber, der eines der Gründungsmitglieder der Südtiroler Pfadfinderschaft ist. Landeshauptmannes Luis Durnwalder war verhindert, hatte aber seine Glückwünsche für ein gutes Gelingen der Konferenz übermittelt. Richrad Theiner musste gestehen, keine direkte Erfahrung mit den Pfadfindern zu haben, aber ihn hatte der religiöse Aspekt gereizt. Bei seinen vielen Fahrten durchs Land erlebe er stets das selbe: „Die Kirchen sind in unserem Land überall gleich leer und wenige der Anwesenden sind unter 40.“ Gerade aus dieser Erkenntnis heraus beglückwünschte er die Pfadfinder zu ihrem Mut, sich dieser Herausforderung zu stellen. Karl Zeller, ein Experte auf dem Gebiet von Minderheiten-Fragen, blickte auf die Geschichte Südtirols im vergangenen Jahrhundert zurück. Er hob die Bedeutung des „Paketes“ von 1969 hervor und verwies auf die Tätigkeit der SVP in den letzten Jahrzehnten. Robert Hochgruber führte mit seinem Referat „Der Glaube ist ein lebenslanges Abenteuer“ in das eigentliche Thema der Konferenz ein. Er unterteilte das Referat in drei Abschnitte nach Alter: Kinder und Jugend, die Kirche sowie der Glaube eines jeden Einzelnen. „Wo Glaube ist, dort ist Leben und wo Leben ist, dort ist Liebe,“ sagte er. Zum Gelingen des Lebens gehöre mehr als nur materielle Absicherung. Besonders auch der Mut gehöre dazu, und die Bereitschaft, in sich hinein zu sehen und das Gute weiterzugeben. Am Samstagnachmittag stand eine Besichtigung der tibetanischen Sammlung auf Schloss Juval und des Prokulus-Kirchleins in Naturns auf dem Programm. Wer wandern wollte, konnte das auf dem Jesus-Besinnungsweg tun. Am Abend gab es ein „Burggelage“ im „Obermoosburgkeller“ in Goldrain. Die Musikgruppe Lazag sorgte für die stilgemäße musikalische Umrahmung. Der Sonntagvormittag diente der Vorstellung neuer Projekte der einzelnen Verbände.
Christel Strasinsky
Vinschger Sonderausgabe

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