„Sich trauen, sich helfen zu lassen“

Publiziert in 23 / 2009 - Erschienen am 17. Juni 2009
Mals – Die Selbsthilfegruppe (SHG) zur Bewältigung von Ängsten in Mals hat ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert mit einem Vortrag von Dr. Martin Fronthaler, Psychologe und Psychotherapeut im Therapiezentrum Bad Bachgart in Rodeneck. Der Vortrag lautete „Über die Bedeutung und den Umgang mit der Angst“. „Der Vinschger“ hat mit Gernot Niederfriniger, der die SHG vor zehn Jahren gegründet hat, am Tag nach dem Vortrag gesprochen. „Der Vinschger“: Herr ­Niederfriniger, womit hat Dr. Martin Fronthaler in ­seinem Vortrag am meisten ­be­eindruckt? Gernot Niederfriniger: Er hat eigentlich über die Angst vor der Angst geredet. Er hat gleich zu Beginn klargestellt, dass die SHG sehr wichtig sei, auch als Bindeglied zwischen Betroffene und Therapie­zentrum zum Beispiel. Er sagte auch, dass die Arbeit der SHG in der Klinik fortgeführt werden könne. Was hat der Arzt zum Thema Angst angeführt? Gernot Niederfriniger: Er hat allgemein über das Grundgefühl Angst und die Entstehung von Angststörungen informiert und über deren Therapiemöglichkeiten. Wichtig seien in diesem Zusammenhang die Erkenntnis und das Zugeben von Angstzuständen. Wie sieht das konkret aus? Gernot Niederfriniger: Wenn ein Mensch unter Angstzu­ständen leidet, zieht er sich zurück, er meidet den Kontakt zu den Mitmenschen. Gerade aber die Kommunikation sei das Wichtigste, sagt Fronthaler, es sei der erste Schritt zur ­Hilfe zur Bewältigung von Angst. An wen der Betroffene sich zuerst wendet, spielt keine Rolle: Es kann der Hausarzt sein, die SHG, gute Freunde, der Psychologe… Was macht die SHG? Gernot Niederfringer: Wir treffen uns an jedem zweiten und vierten Mittwoch im ­Monat um 19.30 Uhr im Sprengelsitz in Mals. Es sind nur Betroffene dabei, keine Ärzte oder Psychologen. Das ­Thema, worüber wir sprechen, ergibt sich aus den Anliegen der Anwesenden. Ganz wichtig ist, die SHG ist anonym, es handelt sich wirklich um einen geschützten Rahmen. Die SHG ist eine bedeutende Ergänzung zur ärztlichen Behandlung. In den meisten Fällen braucht es beides: die Medikamente und das Gespräch. Was raten Sie einem Betroffenen? Gernot Niederfriniger: Unbedingt in Kontakt zu gehen, Hilfe zu holen und sich trauen, sich helfen zu lassen. Vor zehn Jahren, wenn ich mich zurück erinnere, war das Thema Angst ein großes Tabu. Heute sieht es zum Glück anders aus. Jeder, der beim Vortrag war, soll nun ein Multiplikator sein, um das Tabu noch weiter zu brechen. Damit kann noch mehr ­Menschen in ihrer Not ge­holfen werden. Dies ist auch die Botschaft von Dr. Fronthaler. Interview: Daniela di Pilla ­Stocker
Daniela di Pilla
Daniela di Pilla

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