Das neu restaurierte Gasthaus „Weißes Rössl“ in Lichtenberg

„Weißes Rössl“ völlig „neu beschlagen“

Publiziert in 20 / 2006 - Erschienen am 27. September 2006
Lichtenberg – Ein weitum wohl einmaliges Beispiel der Erhaltung alter Bausubstanz hat Bernhard Tschenett aus Lichtenberg gesetzt. Er hat den elterlichen Gastbetrieb „Weißes Rössl“ im Dorfkern von Lichtenberg in zweijähriger, harter und vor allem kostenintensiver Arbeit zu neuem Leben erweckt. Das Besondere daran ist, dass das Gebäude, das im ausgehenden 15. Jahrhundert erbaut worden ist, jetzt wieder in seinem ursprünglichen Glanz erstrahlt. „Wir haben die alten Fassaden statisch gesichert, Fresken frei gelegt, Holzgetäfel abmontiert, abgelaugt und neu eingebaut, wir haben 7 Gewölbe restauriert und Keller ausgeräumt,“ sagte Bernhard Tschenett im Zuge der inoffiziellen Neueröffnung des Gastbetriebes am 16. September. Wie umfangreich die Arbeiten waren, veranschaulicht schon allein die gotische Wirtshausstube, die nun wieder so aussieht, wie sie sich vor rund 500 Jahren den Gästen gezeigt haben muss. „9 Tage haben wir gebraucht, um das Nikotin, das sich in 70 Jahren am Getäfel festgefressen hatte, abzuwaschen,“ erzählt Bernhard Tschenett. Zusätzlich zum Getäfel wurde auch der Kachelofen abgebaut, gereinigt und neu aufgestellt. Weiters galt es, die ursprünglichen Böden im Haus freizulegen und zu restaurieren. In den Kellerräumen standen ebenso umfangreiche Arbeiten an wie in den Zimmern. Im Dachgeschoss befinden sich jetzt zwei Suiten. Aus der früheren Küche, in der bis 1991 noch Speck geräuchert wurde, ist nun eine Bar geworden. Auf der Rückseite des Hauses wurden außerdem Malereien freigelegt, die von der 10-jährigen Besetzung des Hauses während der Faschistenzeit herrühren. Auch mit einer großzügigen Terrasse ist das „Weiße Rössl“ ausgestattet. Mit der Eröffnungsfeier wollte der ehemalige Weltenbummler Bernhard Tschenett allen danken, die ihn bei der Umsetzung seines Traumes unterstützt und an sein Vorhaben geglaubt haben. Gekommen sind viele Freunde, Bekannte, Arbeiter und Ehrengäste. Als Architekt hatte Tschenett David Rosa aus Verona gewinnen können, den er schon lange persönlich kennt und dem Landeskonservator Helmut Stampfer im Zuge der Eröffnung ein besonderes Lob aussprach. Bernhards Mutter Fani, die 32 Jahre lang Wirtin im „Weißen Rössl“ war, unterhielt die Gäste mit alten Jagd- und Schmugglergeschichten. Bernhard Tschenett gehört übrigens zu jenen 15 Südtiroler Persönlichkeiten, die heuer im Juli von der Landesregierung für besondere Verdienste in der Denkmalpflege und im Denkmalschutz ausgezeichnet wurden. Die Ehrenurkunde hat im Flur des „Weißen Rössls“ einen würdigen Platz gefunden. Bernhard Tschenett wird darin bescheinigt, „mit großem Engagement den väterlichen Gastbetrieb ‚Weißes Rössl’ in Lichtenberg revitalisiert und das wertvolle Gebäude mit Sorgfalt und Verständnis restauriert zu haben.“ „Dabei wurde kein großer technischer Aufwand betrieben, sondern der Baubestand selbst, von der späten Gotik bis ins 19. Jahrhundert, liebevoll gepflegt und seiner Bedeutung entsprechend zur Geltung gebracht.“
Josef Laner
Josef Laner

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