An der Fundstelle beim Paulihof in Mals; links Vizebürgermeisterin Sibille Tschenett und Veronika Fliri Hafner, in der Bildmitte der Archäologe Hubert Steiner.

Wer gräbt, der findet

Publiziert in 24 / 2009 - Erschienen am 24. Juni 2009
Mals – Der Bau der Beregnungs­anlage „Untere Malser Haide“ hat einen überraschenden, durchaus ­positiven Nebeneffekt. Gleich an ­mehreren Stellen stieß man kürzlich bei Grabungen auf wertvolle Funde aus der ­Römerzeit und späteren ­Epochen. In ­einer zum Paulihof (Markus ­Hafner) gehörigen Wiese wurden vor wenigen ­Tagen ein Mauerwerk, Scherben sowie Menschen- und Tierknochen entdeckt. „Ob es sich um eine römerzeitliche Siedlung ­handelt oder um ein Bauwerk aus dem frühen Mittelalter, müssen wir erst feststellen,“ sagte der Archäologe Hubert Steiner vom Amt für Bodendenkmäler, der sich am 17. Juni zusammen mit der für Kultur zuständigen Vizebürger­meisterin Sibille Tschenett von der Lehrerin und der Bäuerin Veronika Fliri Hafner zur Fundstelle führen ließ. Im Raum Mals, wo einst die alte Römerstraße Via Claudia Augusta durchführte, sind ­bisher sehr wenige Fundstücke aus der Römerzeit und dem frühen Mittelalter zu Tage getreten. Steiner: „Im Jahr 1850 wurde zwischen Mals und Laatsch ein römerzeitlicher Grabstein gefunden, der damals nach ­Innsbruck gebracht wurde und der sich bis heute im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum befindet.“ Ob es sich beim Mauerwerk am Paulihof um Reste eines römerzeitlichen Hauses bzw. einer regelrechten Römersiedlung handelt oder um ein Bauwerk aus der Zeit der Karolinger, muss erst festgestellt werden. Sicher ist, „dass wir es hier mit qualitätvollen archäologischen Funden zu tun haben.“ Laut Steiner ist es nicht ungewöhnlich, dass die Karolinger bei der Errichtung ihrer Bauwerke auf bestehende römische Strukturen aufbauten. Ein sichtbares Beispiel dafür sei Puntweil in Taufers im ­Münstertal. In unmittelbarer Nähe des Paulihofes befindet sich die St. Benedikt Kirche. Diese stammt aus dem 8. ­Jahrhundert, der romanische Turm aus dem 12. Jahrhundert. Die Malereien und karolingischen Fresken im Inneren zählen zu den ältesten im gesamten deutschen Sprachraum. Laut Steiner ist schriftlich belegt, dass einst auch ein Hof zu St. Benedikt gehörte und dass sich ein Bach in der Nähe befand: „Theoretisch könnten wir es hier also auch mit Mauerresten dieses Hofes zu tun haben. Beim besagten Bach könnte es sich um die Puni handeln.“ Zusätzlich zur Fundstelle am Paulihof sind unlängst auch an anderen Stellen auf der Malser Haide im Zuge der Verlegung der Beregnungsleitungen bedeutende Funde gemacht worden. In der Nähe der Bar „Andrea“ stieß man auf eine Gürtelschnalle, die auf den Zeitraum von 620 bis 630 nach Christus zurückgeht. Steiner: „Einen derartigen Fund gab es im Vinschgau bisher noch nicht.“ Auch römische Münzen wurden entdeckt sowie germanische Fibeln aus der Römerzeit. Diese Funde belegen, dass entlang der Via ­Claudia ­Augusta Handel betrieben wurde. Genau untersucht und mittlerweile bereits wieder zugeschüttet wurde eine Fundstelle in der Nähe der Rast­stätte „Haidepark“ auf der Malser Haide. Kaum zu glauben, aber man war ausgerechnet auf eine Ratsstätte gestoßen, allerdings auf eine aus römischer Zeit. An solchen Raststationen wurde einst Halt gemacht. Man übernachtete, wechselte die Pferde und trieb Handel. Hubert Steiner wünscht sich, dass alle bisherigen bzw. auch zukünftigen Funde aus dem Gemeindegebiet von Mals wissen­schaftlich untersucht, dokumentiert und möglicherweise auch in Mals ausgestellt werden können.
Josef Laner
Josef Laner

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