Teilnehmer des Argefa Treffen im Alpenzoo in Innsbruck – die Vertreter von acht alpinen Verbänden tauschen sich dabei zu unterschiedlichen fischereilich und gewässerökologisch relevanten Themen aus

Klimakrise setzt Gewässer im Alpenraum unter Druck: ARGEFA-Mitgliedsverbände fordern verstärkte Renaturierung von Bächen und Flüssen 

Anlässlich der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Fischereiverbände der Alpenländer (ARGEFA), die am 11. und 12. September in Innsbruck stattfindet, richten die Mitgliedsverbände einen gemeinsamen Appell an Politik, Verwaltung und Gesellschaft: Die Auswirkungen der Klimakrise auf Bäche, Flüsse und Seen im Alpenraum nehmen spürbar zu und erfordern verstärkte Anstrengungen bei der Renaturierung und ökologischen Aufwertung unserer Gewässer.

- Steigende Wassertemperaturen, längere Niedrigwasserperioden, häufigere Extremwetterereignisse sowie veränderte Abflussregime belasten die aquatischen Ökosysteme zunehmend. Besonders betroffen sind kaltwasserliebende Fischarten und zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten, die auf intakte Gewässerlebensräume angewiesen sind. Gleichzeitig geraten auch wichtige Ökosystemleistungen wie Hochwasserschutz, Grundwasserneubildung und natürliche Kühlung von Landschaftsräumen unter Druck. 
Die Mitgliedsverbände der ARGEFA sind überzeugt, dass naturnahe und ökologisch funktionsfähige Gewässer eine zentrale Voraussetzung für die Anpassung an den Klimawandel darstellen. Renaturierte Flüsse und Bäche sind widerstandsfähiger gegenüber Extremereignissen, bieten bessere Lebensbedingungen für die heimische Biodiversität und stärken die natürliche Anpassungsfähigkeit der Landschaft. 
„Die Klimakrise zeigt sich in unseren Gewässern bereits heute deutlich. Deshalb müssen wir jetzt konsequent handeln und den Gewässern wieder mehr Raum geben. Renaturierungen sind kein Luxus, sondern eine notwendige Investition in die Zukunft unserer Natur, unserer Wasserressourcen und unserer Gesellschaft.“, erklärt der ARGEFA-Präsident Dr. Sebastian Hanfland. 

Die ARGEFA-Mitgliedsverbände fordern daher: 

  • eine deutliche Beschleunigung von Renaturierungsmaßnahmen an Fließgewässern, 
  • die Wiederherstellung natürlicher Gewässerstrukturen und Auen, 
  • die Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit von Flüssen und Bächen, 
  • die Sicherung ausreichender Wassermengen in den Gewässern auch in Trockenzeiten, durch die Wiederherstellung natürlicher Wasserspeicher, insbesondere intakter Böden, 
  • die stärkere Berücksichtigung der Klimavorsorge in wasserwirtschaftlichen Planungen, 
  • ausreichende finanzielle Mittel für die Umsetzung und langfristige Betreuung von Renaturierungsprojekten. 

Naturnahe Gewässer sind ein wichtiger Baustein eines zukunftsfähigen Alpenraums. Sie verbinden Klima-, Natur- und Hochwasserschutz und leisten gleichzeitig einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. 

Der Hitzesommer in Südtirol 
Der heurige Sommer hat in Südtirol, wie in vielen Teilen Europas, neue Hitzerekorde gebracht. Auch wenn praktisch alle Gewässer deutliche Abflussdefizite gegenüber den langjährigen Vergleichswerten aufwiesen, blieben Meldungen über vollständig ausgetrocknete Gewässerabschnitte erstaunlicherweise selten. Dies könnte zumindest teilweise auch mit einer verbesserten Restwasserabgabe an den zahlreichen Wasserfassungen zusammenhängen. Der Sommer 2026 hat in Südtirol jedoch auch eindrucksvoll gezeigt, welche Kräfte Starkregenereignisse innerhalb kürzester Zeit entfalten können. Von Juni bis Ende August kam es landesweit immer wieder zu heftigen Gewittern, Überschwemmungen und Muren. Dabei wurden teilweise enorme Materialmengen mobilisiert. Für die betroffenen Fischgewässer hatten diese Ereignisse teilweise verheerende Folgen. In einzelnen Gewässerabschnitten wurden die Fischbestände über mehrere Kilometer hinweg praktisch vollständig ausgelöscht. Solche Extremereignisse sind zwar Teil der natürlichen Dynamik alpiner Gewässer, ihre Auswirkungen wiegen heute jedoch umso schwerer, wenn den Gewässern aufgrund von Verbauungen und fehlenden natürlichen Ausweichräumen die Möglichkeit zur Regeneration fehlt. 
Gleichzeitig haben die früher einsetzende und länger anhaltende Gletscherschmelze sowie die hohen Temperaturen die Trübwasserphasen in vielen größeren Fließgewässern wie Etsch und Eisack deutlich verlängert. Welche langfristigen Auswirkungen dies auf Fische und die gesamte Gewässerökologie hat, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. 
Für den Fischereiverband Südtirol zeigen diese Entwicklungen einmal mehr, wie wichtig großräumige Renaturierungsmaßnahmen sind. Gerade angesichts zunehmender klimatischer Extreme brauchen unsere Flüsse wieder mehr Raum, strukturreiche Lebensräume und ausreichend natürliche Rückzugsgebiete. Nur ökologisch funktionsfähige und möglichst naturnahe Gewässer sind langfristig in der Lage, solche Extremereignisse abzufedern und eine rasche Wiederbesiedlung geschädigter Abschnitte zu ermöglichen. 

Über die ARGEFA 
Die Fischereiorganisationen der Alpenländer arbeiten seit 1985 als "Arbeitsgemeinschaft der Fischereiverbände der Alpenländer" (ARGEFA) eng zusammen. Zentrales Anliegen ist die Erhaltung und grenzüberschreitende Förderung der Fischerei und der Schutz der Gewässer im Alpenraum. 
Vorrangige Ziele sind die Verhinderung weiterer gewässerschädlicher Ausbaumaßnahmen, die Wiederherstellung der Durchwanderbarkeit der Gewässer und ihre Vernetzung sowie der Erhalt bzw. die Wiederherstellung eines gesunden, artenreichen Fischbestandes. 
In der ARGEFA sind der Landesfischereiverband Baden-Württemberg, der Landesfischereiverband Bayern, der Fischereiverband Liechtenstein, der Österreichische Fischereiverband, der Schweizerische Fischerei-Verband, der Fischereiverband Südtirol, der Tiroler Fischereiverband und die Slovenian-Fishing-Association vertreten. Gemeinsam vertreten sie die Interessen von über 500.000 Anglern. 

ARGEFA

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