Neue EU-Saatgutverordnung nimmt weitere Hürde:
Mehr Sicherheit und Freiräume für Lokalsorten
- In der EU wird es bald neue Regeln für pflanzliches Vermehrungsmaterial, also für Saatgut, Raseln und Jungbäume geben. Gestern Abend wurden die entsprechenden Trilog-Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission abgeschlossen. „Das neue EU-Saatgutrecht sorgt für mehr Sicherheit für alle, die zertifiziertes und etikettiertes Saatgut kaufen, wir haben aber auch Freiräume für kleine Züchter und Lokalsorten durchgesetzt“, so der Südtiroler EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann.
Die bisher in Europa geltenden Saatgutregeln stammen aus den 1960er-Jahren und sollten – so das Ziel – durch ein neues, einheitliches Regelwerk ersetzt werden. „Dieses Regelwerk muss auch den neuen Herausforderungen gerecht werden, die von der europaweiten Zulassung und Vermarktung über den Klimawandel bis hin zur Stärkung der Artenvielfalt reichen“, so Dorfmann.
Die neue Regelung betrifft Südtirol gleich mehrfach. So ist die Züchtung und Vermarktung von pflanzlichem Vermehrungsmaterial ein bedeutender Markt im Land, weil es viele, mitunter auch große Baum- und Rebschulen sowie Produzenten von Saatkartoffeln gibt.
Zudem garantiert die neue Richtlinie den Bäuerinnen und Bauern, dass bei Saatgut, Raseln und Jungbäumen tatsächlich wächst, was auf dem Etikett steht. „Dafür sorgt eine neu geregelte Saatgutzertifizierung, die für mehr Transparenz und Sicherheit auf dem Markt sorgt und damit sehr viel mehr Garantien für die Konsumentinnen und Konsumenten“, so Dorfmann.
Für Kopfzerbrechen hatte bis dato gesorgt, dass es im Grunde zwei Märkte für Saatgut gibt. „Wir reden hier ja nicht nur von den großen Konzernen, sondern auch von Bäuerinnen und Bauern, die alte Sorten züchten, Lokalsorten vermehren und sich für Neuzüchtungen einsetzen, indem sie alte Sorten kreuzen“, so der Südtiroler EU-Parlamentarier.
Herbert Dorfmann hat sich daher in den letzten Monaten für Ausnahmen und Freiräume für solche Züchter und Züchtungen stark gemacht. „Im Text, auf den man sich gestern in den Trilog-Verhandlungen geeinigt hat, sind weitreichende Ausnahmen und Erleichterungen für alte und lokale Sorten vorgesehen“, so Dorfmann. „Schließlich tragen sie zur genetischen Vielfalt, zur Biodiversität und zu einer angesichts des Klimawandels resilienten Landwirtschaft bei.“
Herbert Dorfmann