Abschluss und Neubeginn
Abschluss und Neubeginn
Kastelbell-Tschars - Es war ein Feiertag, jener Samstag, 6. Juni – für die Gemeinde Kastelbell-Tschars und darüber hinaus. Die offizielle Eröffnung der neuen Umfahrungsstraße von Kastelbell und Galsaun, mit Festakt, Tunnelfete, Tag des offenen Tunnels und allem Drum und Dran, lockte Tausende Besucherinnen und Besucher an. „Damit geht ein Projekt zu Ende, das viele Jahre diskutiert, geplant, finanziert und schließlich mit großem Einsatz umgesetzt wurde“, freute sich Bürgermeister Gustav Tappeiner. Die Umfahrungsstraße sei ein notwendiger, lang gehegter Wunsch der Gemeinde gewesen. „Sie ist nicht nur ein Bauwerk, sondern ein Symbol für Fortschritt und Weitblick“, unterstrich Tappeiner. Seit der Planung stand stets das Ziel im Vordergrund, den Verkehr durch die Ortschaften zu reduzieren, die Sicherheit zu erhöhen und die Lebensqualität für die Bevölkerung zu verbessern. „Vor allem aber steht die Umfahrung für den gemeinsamen Willen, unsere Gemeinde zukunftsfähig zu gestalten“, betonte der Bürgermeister. Die neue Umfahrung biete eine sichtbare Entlastung für die Dorfbevölkerung und stärke zugleich den Wirtschaftsstandort Kastelbell-Tschars. „Damit eröffnen sich neue Perspektiven, neue Chancen für die Gemeindeentwicklung und für die gesamte lokale und regionale Entwicklung“, freute sich Tappeiner. Den Tag solle man nicht als Abschluss eines großen Bauprojektes sehen, „sondern als Beginn eines neuen Kapitels unserer Gemeinde“. Tappeiner erinnerte daran, dass das Projekt auf politischer Ebene über mehrere Verwaltungsperioden lief. Ein Dank gehe daher an alle Beteiligten für die vorausschauende Entscheidung, beginnend bei der damaligen Landesverwaltung der Autonomen Provinz Bozen mit Landeshauptmann Luis Durnwalder und der Gemeindeverwaltung mit Bürgermeister Josef Alber. Explizit nannte Tappeiner zudem u. a. den früheren Landeshauptmann-Stellvertreter und Vinschger Landesrat Richard Theiner sowie den damaligen Landesrat für Mobilität Florian Mussner.
Zweitlängster Tunnel Südtirols
Der Direktor des Amtes für Straßenbau-West, Johannes Strimmer, stellte einige technische Daten und Besonderheiten der neuen Umfahrung vor. Diese hat demnach eine Gesamtlänge von 3,36 Kilometern und umfasst einen Tunnel mit einer Länge von 2.498 Metern. Nach dem Leiferer Tunnel ist dies der zweitlängste Tunnel des Straßennetzes in Südtirol. „Es gibt vier Fluchtstollen, vier Pannenbuchten sowie zwei neue Anschlüsse an die bestehende Staatsstraße“, zählte Strimmer auf. Ing. Michael Pfeifer von Pfeifer Partners GmbH (Planung, Bauleitung und Sicherheitskoordination) berichtete über die Herausforderungen und den Ablauf des Baus. Zur Erinnerung: Begonnen worden war mit dem Bau der Umfahrung vor rund sieben Jahren. Dann gab es einen zweijährigen Stillstand, aufgrund finanzieller Schwierigkeiten der ersten Baufirma. 2023 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen, durch eine Bietergemeinschaft um die bei der Ausschreibung nächstgereihte Firma PAC SpA als Hauptunternehmen und die Passeirer Bau GmbH. Die Gesamtkosten der neuen Umfahrung beliefen sich schlussendlich auf 130,8 Millionen Euro.
Große Erwartungen
Aus Sicht einer Anwohnerin erzählte Bäuerin Maria Forcher Tappeiner, die mit ihrer Familie in Kastelbell direkt an der Vinschger Staatsstraße lebt. Schon in den Tagen vor der Eröffnung des Tunnels habe sie bei der Bevölkerung viel Vorfreude erlebt. „Die Menschen freuen sich über weniger Durchzugsverkehr. Die Lebensqualität wird sich spürbar verbessern“, so Forcher Tappeiner. Die neue Infrastruktur bedeute mehr Sicherheit für die Kinder, für die Fußgänger/innen und für die Radfahrer/innen.
„Sie bringt Veränderungen für das Dorf mit sich“, blickte Forcher Tappeiner voraus. Es gelte, die Chancen, die sich ergeben, zu nutzen. Durch gezielte Maßnahmen der Ortsentwicklung, durch Ortsmarketing etc. Daniel Alfreider, der Landesrat für Infrastrukturen und Mobilität, schlug in dieselbe Kerbe. „Wir bauen für die Menschen, für die Zukunft“, betonte er. Endlich sei die Eröffnung dieser Umfahrung Realität geworden. „Für Kastelbell, Galsaun, den gesamten Vinschgau und Südtirol ist dies ein wichtiger Schritt: weniger Durchzugsverkehr in den Ortszentren, mehr Sicherheit für die Menschen entlang der Straße und flüssigerer Verkehr für alle. Dieses Bauwerk bringt eine konkrete Entlastung“, so Alfreider.
„Ein wunderschöner Tag“
Auch Landeshauptmann Arno Kompatscher unterstrich den Stellenwert dieses Projekts. „Heute ist ein wunderschöner Tag, vor allem für die Bürgerinnen und Bürger von Kastelbell-Tschars“, betonte er. Die Umfahrung sei aber für den ganzen Vinschgau und das gesamte Land Südtirol von großer Bedeutung. „Es ist ein weiterer Beweis dafür, dass etwas weitergeht, dass nicht nur geraunzt wird, dass Lösungen gefunden werden“, so Kompatscher. Ein Applaus gehe an die „fleißigen Südtirolerinnen und Südtiroler, die Steuern zahlen und den Tunnel damit ermöglicht haben“. Erfreut zeigte er sich auch, dass die Preissteigerungen größtenteils abgefedert werden konnten, da hierfür zusätzliche finanzielle Mittel „aus Rom geholt wurden“. Die neue Umfahrung sei nicht zuletzt der Startschuss für einen Neubeginn, so Kompatscher. „Wir bauen an der Zukunft. Jetzt hat die Gemeinde Kastelbell-Tschars viele neue Möglichkeiten.“ Nicht unerwähnt ließ Kompatscher in seiner Rede den ehemaligen Präsidenten der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, Andreas Tappeiner, der als Verantwortlicher des Fernheizwerks Laas genauso wie einige weitere aufgrund der Ermittlungen zur Operation „Alpenkohle“ (siehe dazu auch Kommentar auf Seite 3) eine schwere Zeit durchmache. „Ich bin sicher, dass das alles gut ausgehen wird, die Gerechtigkeit wird siegen“, betonte Kompatscher.
Segnung, Späße und Party
Für Erheiterung im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten sorgte die Heimatbühne Kastelbell-Tschars mit einigen Sketchen. Die Musikkapellen von Tschars und Kastelbell umrahmten den Festakt musikalisch. Pfarrer Christoph Wiesler segnete den Tunnel. Zahlreiche Vereine kümmerten sich um das leibliche Wohl der vielen Besucher/innen, bei einer Tunnelfete wurde schließlich noch bis in die Morgenstunden gefeiert. Seit Dienstag ist die Umfahrung befahrbar.