Offener Brief an Herrn Herbert Dorfmann 

Mitglied des Europäischen Parlaments (MdEP) 
Sprecher der EVP-Fraktion im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (AGRI)

- Betreff: Keine Patente auf Leben – für ein Verbot von Patenten auf NGT-Pflanzen und alle Kulturpflanzen 

Sehr geehrter Herr Dorfmann, 

am 17. Juni 2026 steht im Europäischen Parlament die entscheidende Plenarabstimmung über die Regulierung Neuer Genomischer Techniken (NGT), einschließlich CRISPR/Cas, an. 
Diese Abstimmung ist eine Richtungsentscheidung für die Zukunft unserer Landwirtschaft. 
Es geht um mehr als um Technologie. Es geht um die Frage, wem Saatgut und damit unsere Ernährung gehören. 

Keine Patente auf Leben 
Pflanzen sind keine Erfindungen. Sie beruhen auf natürlichen Ressourcen und auf der Arbeit unzähliger Generationen von Bäuerinnen und Bauern sowie Züchtern. 
Patente auf Pflanzen oder genetische Eigenschaften bedeuten eine Privatisierung von Leben. Sie machen aus einem Gemeingut ein exklusives Eigentum – mit weitreichenden Folgen für Landwirtschaft und Gesellschaft. 

Gefahr für bäuerliche Strukturen 
Patente im Saatgutbereich stärken wenige große Konzerne und führen zu: 

  • wachsender Abhängigkeit landwirtschaftlicher Betriebe 
  • steigenden Kosten für Saatgut und Lizenzen 
  • eingeschränktem Zugang zu genetischen Ressourcen 
  • Verdrängung kleinstrukturierter und regionaler Züchtung 

Dies widerspricht dem Ziel einer vielfältigen, resilienten und nachhaltigen Landwirtschaft in Europa.

NGT verschärft die Problematik 
Mit CRISPR/Cas und anderen NGT verschwimmen die Grenzen zur konventionellen Züchtung. Wenn solche Pflanzen patentierbar sind, droht eine neue Dimension: 

Eigenschaften, die auch natürlich entstehen können, werden zum Privateigentum. 
Das führt zu Rechtsunsicherheit, blockiert Züchtung und gefährdet bewährte Systeme des Saatgutaustauschs. 

Innovation braucht Freiheit 
Die Stärke der europäischen Pflanzenzüchtung liegt in ihrer Offenheit. Fortschritt entsteht durch Zugang zu genetischer Vielfalt – nicht durch Monopole. 
Patente behindern Innovation, insbesondere für kleinere Züchtungsbetriebe und bäuerliche Initiativen. 

Unsere klare Forderung 
Im Vorfeld der Abstimmung am 17. Juni 2026 fordern wir Sie auf, sich deutlich einzusetzen für: 

  • ein vollständiges Verbot von Patenten auf Pflanzen – unabhängig von der Züchtungsmethode 
  • den Ausschluss von Patenten auf genetische Eigenschaften und biologische Prozesse 
  • den freien Zugang zu Saatgut für Landwirte und Züchter 
  • den Schutz bäuerlicher Rechte, insbesondere Nachbau und Austausch von Saatgut 

Europa am Scheideweg 
Die anstehende Entscheidung wird langfristig bestimmen, ob Europa seine landwirtschaftliche Vielfalt und Unabhängigkeit bewahrt – oder ob die Kontrolle über Saatgut weiter konzentriert wird. 

Leben darf nicht patentiert werden. 
Wir ersuchen Sie, dieser Verantwortung gerecht zu werden. 


Mit freundlichen Grüßen, 
Walter Steger Obmann Bioland Südtirol 
Andreas Zuegg Obmann Arbeitsgemeinschaft für biologisch-dynamische Landwirtschaft 
Anton Amplatz Obmann Bund Alternativer Anbauer 

Genossenschaft Bioland Südtirol landwirtschaftliche Gesellschaft 

Zum Newsarchiv
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.