SVP/Locher: „Waldpflege bleibt wirksamste Waffe gegen den Borkenkäfer“
Der SVP-Landtagsabgeordnete Franz Locher hatte bereits im Oktober 2022 mit einem Beschlussantrag Maßnahmen zur Bekämpfung des Borkenkäfers gefordert.
- Vier Jahre später zeigen die Ergebnisse einer Studie des Kompetenzzentrums für Pflanzengesundheit der Freien Universität Bozen und der EURAC, dass sein Ruf nach entsprechenden Förderungen für Privat- und Gemeindewälder richtig war, denn „eine rasche und vorbeugende Waldpflege sind derzeit die einzige Möglichkeit, den Schädling wirksam einzudämmen.“
Als zentrales Ergebnis der Studie wurde die Bedeutung einer raschen und vorbeugenden Waldpflege hervorgehoben. Die Forscher kommen unter anderem zum Schluss, dass das schnelle Aufräumen von Sturm- und Schneedruckflächen nach wie vor die wirksamste Maßnahme darstellt, um eine Ausbreitung des Fichtenborkenkäfers zu verhindern. Entscheidend sei dabei nicht nur die Reaktion auf bereits bestehende Schäden, sondern vor allem ein frühzeitiges und konsequentes Handeln. Locher, der die Ergebnisse der Studie mit großem Interesse verfolgte, sieht sich bestätigt: „Alle zusätzlichen Maßnahmen, um schwer zugängliche Waldgebiete besser erschließen zu können und Förderungen für die Entnahme von Schadholz waren die absolut richtige Entscheidung. Nur so konnten notwendige Aufräumarbeiten zeitgerecht durchgeführt werden.“ Gleichzeitig unterstreicht er die Notwendigkeit, Waldbesitzer bei der Bewältigung der täglichen Arbeit in den Wäldern weiter zu unterstützen, denn „sauber aufgeräumte Wälder sind immer noch die beste Maßnahme, dass sie auch lange gesund bleiben.“ Locher sieht in den Ergebnissen der Studie eine wichtige Grundlage für künftige Entscheidungen: Die Ergebnisse des Forschungsprojekts liefern Grundlagen für den Umgang mit Borkenkäferbefall und tragen dazu bei, die Widerstandsfähigkeit der Südtiroler Wälder gegenüber den Folgen von Extremwetterereignissen und dem Klimawandel zu stärken.
Große Veränderungen für Schutzwald
Die Studie wurde im Auftrag des Landes durchgeführt, nachdem der Schädling in den vergangenen Jahren große Teile der heimischen Wälder in einem bislang nicht vorhersehbaren Ausmaß verändert hatte und die Möglichkeiten zu seiner Eindämmung erforscht werden sollten. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Fichtenborkenkäfer Südtirols Wälder bereits massiv befallen. Auslöser für die Massenvermehrung des Fichtenborkenkäfers waren insbesondere die Folgen der Schneedruckereignisse der Jahre 2019 und 2020. Durch die großen Mengen an geschädigtem und liegendem Holz entstanden ideale Brutbedingungen für den Schädling. Gleichzeitig konnten die betroffenen Waldflächen vielfach nicht schnell genug aufgeräumt werden, wodurch sich der Borkenkäfer ungehindert vermehren konnte. „Das Ausmaß der Ausbreitung hat jegliche Vorstellungskraft überstiegen und zu einer langfristigen Veränderung des Landschaftsbilds geführt. Besonders aber wurde in einigen Gebieten die Funktion des Schutzwalds außer Kraft gesetzt und stellt auch heute noch eine Gefahr für Infrastrukturen und die Menschen dar“, beschreibt Locher die Situation.
Klima begünstigt Ausbreitung des Schädlings
Die Ausbreitung des Borkenkäfers wurde zudem durch für den Schädling und seine Vermehrung idealen Witterungsverhältnisse weiter begünstigt. Vor allem die überdurchschnittlich hohen Temperaturen im Jahr 2023 führten zu einer explosionsartigen Entwicklung der Käferpopulationen. Eine schicksalshafte Aneinanderreihung von Umständen laut Locher: „Eigentlich stellt eine geringe Anzahl von Borkenkäfern für gesunde Bäume grundsätzlich kein Problem dar. Einzelne Einbohrlöcher werden vom Baum durch Harzbildung erfolgreich abgewehrt. Erst bei Massenbefall verlieren die Bäume ihre natürliche Widerstandskraft." Die vielen liegenden Bäume und die hohen Temperaturen waren demnach ideale Voraussetzungen für eine Massenverbreitung des Schädlings.
Entwicklung gibt Hoffnung, aber keine Entwarnung
Die aktuellen Entwicklungen geben nun aber Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Die Verbreitung des Fichtenborkenkäfers ist zuletzt zurückgegangen und die Vermehrung scheint derzeit eingedämmt zu sein. Locher rät aber weiterhin zu erhöhter Vorsicht: „Für eine Entwarnung ist es zu früh. Bei erneut günstigen Witterungsbedingungen könnte es jederzeit wieder zu einer deutlichen Zunahme der Populationen kommen.“ Neue Erkenntnisse der Studie betreffen unter anderem das Auftreten von Milben und Fadenwürmern. Untersuchungen zeigten, dass diese, die sich unter den Flügeldecken der Borkenkäfer befinden und eine Auswirkung auf dessen Fitness haben können. Dieser Zusammenhang eröffnet neue Forschungsansätze für das Verständnis der komplexen Wechselwirkungen zwischen Schädling, Begleitorganismen und Wirtspflanzen.
BF