Hinschauen

Publiziert in 10 / 2026 - Erschienen am 19. Mai 2026

Reden kann er nicht, mit dem Schwanz wedeln aber schon. Auch in eine Ecke kann er sich verkriechen, wenn man ihn anschreit oder ihm etwas antut, was ihm gar nicht passt. Er kann sich mitteilen, der Hund. Er „spricht“ mit den Augen und seinem Verhalten. Er scheint auch zu verstehen, wie sich seine Bezugsperson fühlt. Ist diese traurig, kuschelt er sich an sie heran, wenn sie fröhlich ist, „feiert“ er mit. Bei Hunden und anderen Haustieren ist die Fähigkeit, Empfindungen und Gefühle anderer Lebewesen zu erkennen, zu verstehen und darauf zu reagieren, sicher nicht so stark ausgeprägt wie beim Menschen. Beim Menschen nennt man diese Fähigkeit Empathie. Das menschliche Einfühlungsvermögen fußt auf der Selbstwahrnehmung. Wer Trauer erlebt, enttäuscht wird oder einfach nur froh und glücklich ist, kann nachfühlen und verstehen, wie es anderen Menschen ergeht, die diese oder ähnliche Gefühle haben. Und daraus erwächst das Mitfühlen, sprich die Fähigkeit zu angemessenen Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen, zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz oder Glück. Empathie ist immer und überall gefragt. Wenn man versucht, sich auch nur ansatzweise in den Kopf und das Herz anderer Menschen hinzufühlen, stellen sich viele Dinge rasch anders dar. Vorurteile fallen plötzlich flach. Man muss sich nur die Zeit nehmen hinzuschauen und hinter die Masken zu blicken, die viele von uns tragen.

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Josef Laner
Josef Laner

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