Simon Luca Wolf
Der 19-jährige Laatscher will Schritt für Schritt nach vorne.

Der schwarz-rot-goldene Vinschger

Der 19-jährige Simon Luca Wolf startet für die Deutsche Ski-Nationalmannschaft. 

Publiziert in 11-12 / 2021 - Erschienen am 1. April 2021

LAATSCH - Er stammt aus Laatsch, ist 19 Jahre alt und startet für den deutschen Skiverband DSV: Die Rede ist von Simon Luca Wolf. Der junge Vinschger geht als Skirennläufer derzeit vor allem in FIS- und Europacuprennen an den Start. Schritt für Schritt möchte er sich an den Weltcup herantasten. Zuletzt ließ er bei den Junioren-Weltmeisterschaften Anfang März im bulgarischen Bansko mit Rang 4 im Riesentorlauf aufhorchen. Seine ersten Erfahrungen auf Skiern machte Wolf bereits im Alter von drei Jahren. Mit seinen Eltern ging es hinauf zum Watles, dem Hausberg der Gemeinde Mals. „Und ich war sofort von dieser Sportart begeistert“, erinnert sich Wolf. Mit sechs Jahren schrieb er sich beim Skiclub Burgeis ein. In diesem Alter bestritt er auch die ersten Rennen. Und auch die ersten Erfolge stellten sich ein. Schon damals erkannten Trainer und Betreuer das Talent des kleinen Skifahrers. Zahlreiche VSS-Rennen oder diverse Grand Prix standen im Kindes- und Jugendalter an. Als Athlet ging er dabei auch für den SC Reschen und zuletzt in Südtirol für den SC Ortler an den Start. 

Von Laatsch nach Mittenwald 

In der Jugend besuchte Wolf die Sportoberschule in Mals. Nach den ersten beiden Klassen traf er eine Entscheidung, die sein Sportlerleben verändern sollte. „Als ich die Möglichkeit und Chance sah, nach Deutschland zu gehen und für den deutschen Skiverband DSV zu starten, wollte ich diese ergreifen“, erinnert sich Wolf, dessen Mutter aus Deutschland stammt. Die Entscheidung getroffen habe er in erster Linie aufgrund der Förderung in Deutschland. Seit seinem ersten FIS-Jahr, also in der Zeit, wo man beginnt internationale Rennen zu bestreiten und um Punkte des Skiweltverbandes FIS fährt, geht Simon Wolf für Deutschland an den Start. Nach dem zweiten FIS-Jahr, sobald er 18 Jahre alt wurde, konnte er zur Bundeswehr. „Ich bin sehr froh darüber. Die ersten beiden FIS-Jahre musste ich sehr oft pendeln, das war auch eine stressige Zeit für meine Eltern. Regelmäßig ging es vom Vinschgau nach Garmisch oder zu den Rennen“, blickt Wolf zurück. Im Sommer 2019 besuchte er schließlich die 3 Monate lange Grundausbildung im deutschen Militär, seitdem kann er den Sport völlig professionell ausüben. „Im April stehen verschiedene Lehrgänge bei der Bundeswehr an, wie zum Beispiel Offizierlehrgänge“, erzählt Wolf. Die Förderung und Unterstützung sei optimal, er könne sich als Profi ganz auf den Skisport konzentrieren. 
Seit 1,5 Jahren wohnt der junge Obervinschger in Mittenwald, im oberbayrischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Im Winter reist er quasi mit dem Skizirkus um die Welt, aber vor allem in den sommerlichen Monaten ist er immer wieder daheim in Laatsch. „Um zu entspannen und mir eine Pause zu gönnen“, sagt Wolf. Freilich, in Zeiten der Coronavirus-Krise war auch dies schwierig. 

Schritt für Schritt

Schritt für Schritt wolle sich Wolf weiterentwickeln. Zuletzt ging alles schnell. „Ich hätte mir nicht gedacht, dass ich so schnell nach vorne kommen kann“, sagt der Laatscher. Am Anfang der Saison war er noch Mitglied des Deutschen Landeskaders. Nach guten Trainingsleistungen im Sommer und Herbst 2020 konnte er mit dem C-Kader der deutschen Nationalmannschaft zum Trainingslager nach Schweden fliegen. Und auch dabei wusste der junge Vinschger zu überzeugen. Im Dezember 2020 wurde er schließlich endgültig in die C-Nationalmannschaft Deutschlands aufgenommen. Als Trainer dabei fungiert der frühere US-Amerikanische Profi-Skirennläufer Tim Jitloff, der im Chiemgau lebt. 
In der Saison 2020/2021 feierte Wolf auch sein Europacup-Debüt und holte vor einigen Wochen auf der österreichischen Reiteralm mit Rang 25 seine ersten Punkte. In den nächsten Jahren möchte er sich im Europapokal etablieren und regelmäßig in die Punkteränge der besten 30 fahren. Je bessere Platzierungen er holt, desto bessere Startnummern gibt es – und früher oder später könnte der heute 19-Jährige dann auch seinen Weltcup-Platz erhalten. Druck wolle er sich jedoch keinen machen. 

Spezialisiert auf technische Disziplinen

Spezialisiert hat sich Wolf vor allem auf die technischen Disziplinen, sprich Slalom und Riesentorlauf. Welches Potenzial in ihm steckt, zeigte er Anfang März beim WM-Riesentorlauf der Junioren in Bansko. Wolf war dabei der Einzige, der es mit einer hohen Startnummer (22) unter die besten 10 schaffte. Nach Durchgang 1 lag Wolf auf Platz 10, im 2. Lauf überzeugte er mit der drittbesten Laufzeit und preschte auf den 4. Platz vor. „Ich bin damit sehr zufrieden. Überhaupt war es eine gute Saison“, so Wolf. Nun stehen einige Wochen Pause daheim in Laatsch auf dem Programm, dann beginnt auch wieder das Trockentraining. In der nächsten Saison möchte er dann wieder angreifen – und sich weiter Schritt für Schritt nach vorne kämpfen. 

Michael Andres
Michael Andres

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