Die Mädchen haben sichtlich Spaß am Sport.
Die Majoretten beim Training in der Turnhalle der Grundschule Eyrs.
der Vinschger stattete den Majoretten einen Besuch ab. Im Bild Michaela Rothová mit der Wettkampfgruppe: (hintere Reihe v.l.) Lara Thurner, Amalia Raffeiner, Vivien Tschenett, Anna Gruber, Marie Tappeiner sowie (vordere Reihe v.l.) Emely Karnutsch, Lena Telser, Nyla Pinggera, Miriam Theiner und Nicole Gurschler.
Rund 4.500 Majoretten waren bei der EM dabei.
Beim Laaser Faschingsumzug
Die Mädchen bei den Italienmeisterschaften.

Die Vinschger Majoretten

Die einzige Majoretten-Cheerleading-Gruppe Südtirols verbindet Tanz, Stabkunst und Teamgeist.

Publiziert in 17 / 2025 - Erschienen am 23. September 2025

Eyrs - Sie tanzen mit Stäben und Wedeln, oder besser gesagt Bâtons und Pompons, wie sie in der Fachsprache heißen. Rhythmisch zur Musik studieren die jungen Mädchen in der Turnhalle von Eyrs beeindruckende Choreografien ein. Diszipliniert und motiviert führen die Sportlerinnen der Sektion Majoretten-Cheerleading Dance im ASV Eyrs unter der Leitung von Trainerin Michaela Rothová ihre Formationstänze auf, auch um sich für die Wettkämpfe in der neuen Saison vorzubereiten. Über zehn Mädchen im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren zählt die Wettkampfgruppe der Eyrser Majoretten. „Bewegung, Musik und die vielen Möglichkeiten, tolle Choreografien zu machen, das ist das Besondere an diesem Sport, bringt es Rothová gegenüber dem der Vinschger auf den Punkt.

Tanzsport in Uniformen

Aber der Reihe nach: Beim Majorettensport handelt es sich um eine Tanzform. Frauen oder Mädchen in Uniformen kombinieren Stabakrobatik mit Tanz für Paraden und Formationen. Beim Cheerleading wird mit Tanzwedeln, den Pompons, gearbeitet, dazu gibt es akrobatische Einlagen und rhythmische Tanzbewegungen.
„Wir kombinieren Elemente aus der Majorettenkunst und dem Cheerleading, zu unterschiedlicher Musik“, erklärt Rothová. Die gebürtige Slowakin lebt seit 2005 im Vinschgau und bringt jahrelange Erfahrung mit: In ihrer Heimat, in der der Sport überaus populär ist, war sie selbst erfolgreiche aktive Majorette. 2014 leitete sie in Burgeis ihr erstes Training, 2020 folgte der Start in Eyrs. Nach einer Corona-Pause fand das Angebot schnell großen Zulauf: Heute trainieren insgesamt rund 30 Mädchen aus dem Vinschgau, von Latsch bis Schluderns, unter ihren Fittichen. Sie sind die einzige Majoretten-Cheerleading-Gruppe in ganz Südtirol. Weitere Interessierte sind immer willkommen und können sich beim Sportverein Eyrs oder über das soziale Netzwerk Facebook auf der Seite der Eyrser Majoretten (Majoretten-Cheerleading Dance) melden. Mitmachen können alle ab fünf Jahren. Die Kleinsten und Neumitglieder probieren sich einmal pro Woche aus. Auch die Gruppe der ‚Minis‘ übt einmal wöchentlich, während die Kadettinnen zwischen zehn und zwölf Jahren als Wettkampfgruppe sogar zweimal trainieren. In den Ferien ruhten die Majoretten, doch im August fand ein Sommercamp in der Turnhalle von Eyrs statt – mit Pizzaessen, Spielen und sogar einer Übernachtung. Mit dem Schulstart geht es nun wieder regelmäßig ans Training: Neue Choreografien stehen auf dem Programm, schließlich warten große Ziele.

Der Sprung auf die internationale Bühne

Die vergangene Saison war für die Mädchen ein Durchbruch. Im April 2025 traten sie erstmals bei den Italienmeisterschaften in Pistoia an. „Wir wussten lange gar nicht, ob wir überhaupt teilnehmen dürfen, die Bestätigung des Verbands kam erst im Februar“, erinnert sich Rothová. Nur zwei Monate hatten die Mädchen Zeit, eine neue Choreografie einzustudieren und technische Details zu verfeinern. Der Einsatz lohnte sich: Platz drei im Baton-Wettbewerb und die Qualifikation für die Europameisterschaften in Monza im Juli. Dort tanzten die neun Kadettinnen nahezu fehlerlos. Das Ergebnis: ein vierter Platz im Baton, ein achter Platz mit Pompons – und die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Kroatien. „Aus organisatorischen Gründen konnten wir in Zadar nicht starten, aber die EM war ein Riesenerfolg. Die Mädchen haben das super gemacht“, lobt Rothová. Die großen Nationen in dieser Sportart heißen Tschechien und Slowakei, sie holten die meisten Medaillen. Dass die Eyrser Mädchen bei ihrem ersten internationalen Auftritt so nah an die Spitze rückten, ist für die Trainerin ein Meilenstein. „Jetzt wollen wir nächstes Jahr unbedingt wieder bei der Italienmeisterschaft starten und uns für EM und WM qualifizieren – und es diesmal auch bis zur Weltmeisterschaft schaffen.“

Freude an Bewegung – und ein starkes Team

So viel sportlicher Ehrgeiz wäre ohne Begeisterung und Teamgeist kaum möglich. „Wir sind eine tolle Gruppe und haben eine sehr tolle Lehrerin“, erzählt Emely (11) aus Allitz. Für Nyla (12) war vor allem der Auftritt bei den Italienmeisterschaften ein unvergessliches Erlebnis: „Auch die Trainings sind immer toll.“ Lara (10) aus Tschengls findet vor allem die Vielfalt faszinierend: „Man kann coole Sachen machen, mit Stab und Pompon. Und das Teamtraining macht super Spaß. Das ist der perfekte Sport für mich.“ Amalia schätzt die Herausforderung: „Mir gefällt, dass wir immer wieder etwas Neues lernen und es immer ein bisschen schwerer wird.“ Ein „Urgestein“ der Gruppe ist die 11-jährige Marie aus Eyrs, die seit den Anfängen 2020 dabei ist. „Mir gefällt der Sport gut, und die Wettkämpfe machen richtig Spaß.“ 

Unterstützung aus dem Tal

Die große Begeisterung wäre ohne Unterstützung nicht möglich. Denn Reisen, Unterkunft und Ausstattung kosten Geld. Ein Dank gehe an die Raiffeisenkasse Laas als Hauptsponsor und die Gemeinde Laas sowie an die Welutec GmbH und den ASV Tschengls, die die Busse für die Fahrten zur Verfügung stellten. „Und natürlich an alle weiteren Sponsoren und Unterstützer“, unterstreicht Rothová. Für das laufende Schuljahr blickt die Trainerin optimistisch nach vorn. Mit viel Einsatz, neuen Choreografien und ehrgeizigen Zielen wollen die Majoretten-Cheerleading-Mädchen des ASV Eyrs zeigen, dass auch in Südtirol ein junger Sport wachsen kann – und vielleicht bald schon auf einer Weltmeisterschaft den Vinschgau vertreten.

Michael Andres
Michael Andres

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