Sulden 1989: (v.l.) Roland Brenner, Co-Trainer, Alberto Tomba, Giorgio D´Urbano, Konditionstrainer, Gustav Thöni, Cheftrainer Nationalmannschaft, Robert Brunner, PR-Mann, Walter Locher, Physiotherapeut, Arturo Maiolani, Ski-man
Ponte di Legno 1978: Roland Brenner bei der Italienmeisterschaft
Trushof 1977: Roland, Bruder Friedrich und Mama Rosa beim Singen
Max Bliem (links) und General Carlo Valentino haben viele von Roland’s Wegen geebnet.
Roland Brenner: „Tut mir leid, ich steige aus!“
Luca de Aliprandini, Vizeweltmeister im Riesenslalom, Cortina 2021, der Roland einen erfolgreichen Abgang bescherte.

Ein Medaillenschmied verlässt die Werkstatt

Roland Brenner hat 27 Jahre erfolgreich mitgeholfen, Südtirols Ruf als Wintersportnation zu festigen.

Publiziert in 41 / 2021 - Erschienen am 7. Dezember 2021

Stilfs/Prad/Mals - Am 4. Juni 2021 um 11 Uhr 25 war es soweit: Roland Brenner, Spartenleiter für Ski Alpin, Snowboard und Rodeln, Mann der ersten Stunde an der Sportoberschule Mals, hatte seinen Dienst quittiert und sich verabschiedet. Seine letzte Amtshandlung bestand in der Prämierung erfolgreicher Schüler. Dabei erwähnte er vor allem Platzierungen, Meistertitel und Medaillen. Er dankte den vier Baumeistern der Sportoberschule, den Direktoren Max Bliem, Sepp Hofer, Gustav Tschenett und Werner Oberthaler, und seinen Kollegen für die konstruktive Zusammenarbeit. 

Lebenslauf auf Skier

Vor diesem Hintergrund suchte der Vinschger im kompliziert verlaufenden Prader Reutweg die Hausnummer 14Q und traf Roland Brenner, dem Prader aus „Stilz“, zum Gespräch unter der Rosskastanie. „Wie geht das, sich nach 27 Jahren in den Ruhestand zu verabschieden?“ Die Frage führte zu vielen Blicken hinter die Kulissen des Wintersportlers, Schul- und Privatmannes Roland Brenner. Er, 1962 geboren, sei als Skirennläufer 1981 in die Sportgruppe der Finanzwache aufgenommen und ab 1989 – inzwischen als Co-Trainer der C-Mannschaft – von Gustav Thöni um Unterstützung bei der Betreuung von Alberto Tomba ersucht worden. „Durch mein gutes Verhältnis zum General der Finanzwache Carlo Valentino, damals auch FISI-Präsident, kam ich nach der aktiven Laufbahn und einer Kletterausbildung in Arco zur Bergrettung der Finanzwache nach Prad und wurde 1994 teilweise als Trainer für die Sportoberschule freigestellt. Gustav Tschenett hat damals angerufen: ‚Es ist soweit, die Sportoberschule wird starten‘.“ Lächelnd erinnerte Roland an die „Gründungsepisode“ der Schule. Max Bliem* und Sepp Hofer hätten die Anregung dazu von einer Fortbildung auf Ischia nach Mals gebracht. Aber zurück zum Pensionseintritt: Nach 16 Jahren Dienst als Finanzer und 27 Jahren als Trainer an der Schule, kamen ganz „normale 40,5 Jahre“ und drei Jahre Mehrbewertung heraus. „Ich wollte den Weg freimachen für Jüngere. Man wird mit der Zeit auch stallblind“, meinte Roland. Dass die Arbeit nicht weniger und die Verwaltung immer umfangreicher geworden sei, dass ihm die Bürokratie so manchen Nerv gekostet habe, erwähnte er nebenbei. 

Erfolgreiche Brutstätte

Aufgewachsen sei er auf dem Trus-Hof in Gomagoi, der erst 1972 eine Zufahrt bekommen hatte. Bei seinen frühesten Versuchen mit Skiern auf der Hauswiese sei er vier Jahre alt gewesen. Sein Bruder habe ihn mit 10 oder 11 Jahren zur ersten Liftfahrt mitgenommen. Nach kurzen Hinweisen auf seine Familie, die Heirat mit Christina aus Stilfs, die Familienerweiterung mit den Töchtern Anna und Greta, seine Freude am Gesang und sein doppeltes Opa-Dasein war man wieder in der Sportoberschule. Wenn er die vier Direktoren kurz charakterisieren müsste. Mit „Gründungsvater Max Bliem“ brachte er Hartnäckigkeit und den eigenen Humor ins Spiel. Sepp Hofer sei die gute Seele der Schule gewesen und ihm, Roland, über den Gesang gleichgesinnt. Gustav Tschenett war nicht nur schnell im Denken, sondern auch im Umsetzen. Werner Oberthaler hielt er für den richtigen Schulmann, um Neuerungen im Bereich Schulführung umzusetzen. Auf die Frage nach den ersten Erfolgen nannte er den Jahrgang 1980, den ersten an der Sportoberschule Mals. Er hätte ab 1995 den Ruf der Schule begründet und dafür gesorgt, dass der Ausdruck „eine erfolgreiche Brutstätte“ zirkulierte. Es fielen die Namen Patrick Staudacher und Nicole Gius. Roland Brenner beließ es nicht bei Siegen und Medaillen. Er nannte auch das einen großen Erfolg der Schule, wenn eine Biathletin aus dem Piemont in die 4. Klasse einsteigt, kein deutsches Wort spricht, aber als Klassenbeste die Matura besteht. Die Öffnung der Schule für Athleten*innen aus dem gesamten Staatsgebiet und aus der gesamten EU war für Roland ein Vorgang, den man nicht hoch genug einschätzen kann.

Unbekannte Seiten

Was würde man Roland Brenner gar nicht zutrauen? Langes nachdenken. Dass er ein anständiger Koch sein kann, zuständig nicht nur für jede Art Nudel, sein Lieblingsessen. Wohin er denke, wenn man nach dem Lieblingslokal fragt? An Gallia in Gomagoi, war die spontane Antwort, und ein Lieblingsurlaubsziel wäre Porec in Istrien. Eine Kulturreise würde er nach Rom buchen. Und wenn er nicht Ski gefahren ist, „dann hat er am liebsten im Chor gesungen“. Als größtes Glück – im Rückblick – empfand er die Tatsache, dass es in seinen 27 Jahren an der Sportoberschule kein größeres Unglück gegeben habe, weder mit den Bussen auf der Straße, noch auf den Pisten. Und was erwartet er von seiner Schule? „ …dass man weiterhin junge Menschen mit Wertschätzung und Wohlwollen zu selbstverantwortlichen Persönlichkeiten begleitet.“

*Max Bliem ist am 29.11.2021 im Alter von 85 Jahren gestorben.

Günther Schöpf
Günther Schöpf

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