Bibi Fuchs (links) und Adolf Pedross

Ein Stück Latscher Fußball-Geschichte 

Ein historisches Lied und viele Anekdoten: Zwei ehemalige Fußballer erinnern sich. 

Publiziert in 5 / 2020 - Erschienen am 11. Februar 2020

LATSCH - Spricht man mit Bibi Fuchs und Adolf Pedross über Fußball, dann haben die beiden ehemaligen Latscher Spieler ein Funkeln in den Augen. Fußball, das ist es, was sie noch heute interessiert, auch im Alter von über 82 bzw. 84 Jahren. Beinahe jeden Sonntag, wenn die Latscher „Buam“ daheim spielen, sitzen die zwei Rentner auf der Tribüne. Und verfolgen das Geschehen auf dem Rasen genauestens. Sie wissen: „Heute ist der Fußball schneller und technischer. Früher war das Spiel vielleicht kampfbetonter“. Früher, damit meinen sie die 1950er Jahre. Damals standen Fuchs, der eigentlich mit richtigem Namen Vadomar heißt, aber von allen Bibi genannt wird, und Adolf Pedross selbst auf dem Rasen und spielten in der Kampfmannschaft. „Vieles hat sich geändert. Damals mussten wir vor dem Spiel noch selbst zum Holzland Fuchs hinaus, um das Sägemehl zu holen, womit wir die Linien einzeichnen konnten“, blickt Pedross, Jahrgang 1935, lachend zurück.

Früher, in den 1950er Jahren

Im Gespräch mit den Beiden wird schnell klar: Hier sitzt ein Stück Latscher Sportgeschichte vor dem Autor dieser Zeilen. Ohnehin ist die Latscher Geschichte für Bibi Fuchs und Adolf Pedross eine Herzensangelegenheit. „Wir möchten, dass dieses besondere Lied nicht in Vergessenheit gerät“, werden die Rentner konkret. Damit meinen sie das Lied „Anstoß“. Das Latscher Fußballlied, wie Fuchs unterstreicht. „Ein Stück Latscher Sport- und Kulturgeschichte“, ergänzt Pedross. Leo Trafoier, Jahrgang 1935, hielt im vergangenen Jahr in einem Manuskript die Geschichte des Liedes fest. Das Lied dürfte laut den ehemaligen Latscher Fußballern eines der ältesten Fußballlieder in ganz Südtirol sein. 

Ein Lied aus den 1920er Jahren 

Das Latscher Fußballlied stammt Überlieferungen zufolge aus den 1920er Jahren. „Es wurde in den Gründungsjahren von Adolf Pircher, Ernst ‚Prigizer‘ Pircher und dem ‚Gschloss Honnes‘ Albin Blaas getextet und komponiert“, erzählt Fuchs. Später, mit Beginn des 2. Weltkrieges, sei es in Vergessenheit geraten. „Bei einer Sportveranstaltung in den 1980er Jahren haben Franz Pircher und der nach Landeck ausgewanderte Anton Gabl im Bierkeller dieses Latscher Fußballlied gesungen“, erinnert sich Pedross. Peppi Mössmer, der damalige Schriftführer und Funktionär des Latscher Sportvereins, habe das Lied dabei zusammen mit dem langjährigen Präsidenten Hansjörg Fuchs mithilfe eines Tonbandgeräts aufgezeichnet. Richard Kuppelwieser sowie Chorleiter Hermann Lampacher bearbeiteten das Lied bzw. fügten die Noten hinzu. „Bei der Veranstaltung Latscher Liedgut im Zuge der Kulturtage 2005 wurde das Lied schließlich von ehemaligen Fußballern gesungen“, so Pedross. „Wir würden uns freuen, wenn es auch die Jungen singen würden“, sagen Pedross und Fuchs unisono. Im Song gehe es unter anderem um Treue, Kameradschaft und Fußball-Leidenschaft. „Wer kennt nicht jene Burschen dort, sie stürmen mit kühnem Fleiß, hipp, hipp, hurra! In Sturmgebraus geht’s kräftig fort in Farben schwarz und weiß“, heißt es etwa in den ersten Zeilen. 

Gedenken und Jubiläum

Neben dem Lied legen Fuchs und Pedross Wert auf eine ganz besondere Erinnerung. „Heuer jährt sich zum 50. Mal der Todestag unseres ehemaligen Mitspielers Kurt Theiner“, sagt Fuchs. Theiner, Jahrgang 1938 aus Burgeis, spielte von 1957 bis 1963 Fußball in Latsch. 1970 starb er nach einem Skiunfall auf der Haider Alm. 
2020 ist für Fuchs und Pedross aber auch ein erfreuliches Jahr. Der Latscher Sportverein feiert sein 100-jähriges Jubiläum. Schon jetzt freuen sich die beiden Rentner auf die Feierlichkeiten im Sommer. „Dieser großartige Verein hat sich ein würdiges Jubiläum verdient“, betonen sie.

Michael Andres
Michael Andres

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