„Fahren statt hören“ im härtesten Mountainbike-Rennen der Welt
Publiziert in 36 / 2010 - Erschienen am 13. Oktober 2010
Prad – Ein Handicap ist häufig kein Grund mehr etwas weniger gut zu machen, ganz im Gegenteil. Ein wirklich gutes Beispiel dafür ist die Prader Mountainbikerin Renate Telser.
Renate ist seit ihrer Geburt gehörlos und betreibt in ihrer Freizeit vor allem Sport. „Ich glaube, dass hörende und gehörlose Menschen unterschiedlich sind. Ich kann nicht zu Hause sitzen und Musik oder Radio hören, gehe daher lieber ins Freie, bin viel unterwegs, suche Unterhaltung, reise gerne, aber besonders interessiere ich mich für Sport - auch andere Gehörlose sind ähnlich wie ich“, so die sympathischen Ausführungen von Renate bei einem Interview des „Vinschgers“ im November 2009 (Ausgabe 41/2009).
Nun wagt sich die Praderin in ein neues Abenteuer, wobei auch ihre Teamkollegin aus der Schweiz Nathalie Schneitter gefordert ist. Unter dem Motto „fahren statt hören“ stellen sich die beiden Athletinnen des erfolgverwöhnten Teams Colnago gemeinsam dem härtesten Mountainbike-Rennen der Welt.
Die Spitzen-Mountainbikerin und Weltcupsiegerin Nathalie Schneitter und die Gehörlosensportlerin Renate Telser kämpfen in einem Zweierteam beim DCM Cape Pioneer Trek Etappenrennen am Western Cape in Südafrika um den Sieg. Gemeinsam wollen sie alle Strapazen und Hindernisse überwinden. Der Wettkampf dauert insgesamt sechs Tage und führt über 680 Kilometer und 12.575 Höhenmeter. 250 Zweierteams starten mit dem Ziel, zwei Gebirgsketten, die Halbwüste Karoo und die Küstenwälder der Garden Route Küste in Südafrika zu durchqueren.
Das größte Handicap, wenn man das so nennen möchte, wird dabei aber die durch Renates Gehörlosigkeit bedingte eingeschränkte Kommunikation sein. Die beiden werden daher einen Weg finden müssen, um auch mit weniger Worte miteinander kommunizieren zu können, ganz nach dem oben beschriebenen Leitgedanken.
Als Team wollen Renate und Nathalie Spitzensport und Behinderung zusammenbringen, für Integration einstehen und auch ein Beispiel dafür sein, dass ein jeder an seine körperliche Leistungsfähigkeit gehen kann, trotz etwaiger Einschränkungen.
Vielleicht sind aber genau diese besagten Einschränkungen ein zusätzlicher Grund, sich noch mehr zu vertrauen und somit auch als Mannschaft besser zu fungieren.
„Der Vinschger“ wird seine Leser über den Ausgang dieses wahren Abenteuers mit Vinschger Beteiligung auf jeden Fall auf dem Laufenden halten. Der Vereinsverantwortliche des Colnago Teams, Edmund Telser, wird seiner Schwester bestimmt auch fest die Daumen drücken.
Rudi Mazagg