Im Hyrox-Fieber
Wie eine neue Fitness-Sportart auch im Vinschgau zelebriert wird.
SCHLANDERS - Vor acht Jahren wurde diese neue Sportart erfunden. Heute schwitzen Hunderttausende weltweit im Rahmen von Hyrox – auch im Vinschgau. Das „Epizentrum“ befindet sich dabei im Schlanderser Fitnessstudio FitOn24. Inhaber und Trainer Thomas Strimmer war es nämlich, der diesen Sport für sich entdeckte. „Ich habe es gesehen und war sofort begeistert. Ich habe gleich gemerkt: Das ist absolut meins. Rennen, Ausdauer, Kraft – genau so, wie ich Fitness interpretiere“, unterstreicht er im Gespräch mit dem der Vinschger. Weitere Sportbegeisterte folgten ihm. Aber der Reihe nach.
Wo Hobbysportler/innen zu Rockstars werden
Es war 2018, als der ehemalige deutsche Feldhockey-Nationalspieler Moritz Fürste und der Hamburger Sportmanager Christian Toetzke den Hyrox ins Leben riefen. Der Name leitet sich aus den Begriffen „Hybrid“ und „Rockstar“ ab. Mit „Hybrid“ wird die Kombination aus Ausdauerlauf und funktionellem Krafttraining unterstrichen, während Athletinnen und Athleten auf der Wettkampfbühne zu Rockstars werden und ihre Leistung feiern. Der Wettbewerb findet in großen Hallen statt und ist weltweit einheitlich aufgebaut, sodass Leistungen vergleichbar sind. Hyrox richtet sich damit sowohl an ambitionierte Hobbysportler als auch an Profis.
Acht Stationen, ein Ziel
Der Wettkampf besteht aus acht Laufrunden zu je einem Kilometer, die jeweils von einer Fitnessstation unterbrochen werden. Den Auftakt macht der SkiErg (1.000 Meter), ein Ergometer, das die Bewegung des Skilanglaufs simuliert und vor allem Arme, Schultern und den Rumpf trainiert. Danach geht es weiter zum Sled Push (50 m), bei dem ein schwerer Schlitten über die Strecke nach vorne geschoben wird, gefolgt vom Sled Pull (50 m), bei dem der Schlitten rückwärts gezogen wird. Anschließend müssen die Athletinnen und Athleten die Burpee Broad Jumps (80 m) bewältigen, eine Kombination aus Burpees und Weitsprüngen, die Kraft, Explosivität und Ausdauer verlangt. Weiter geht es ans Rowing, zu Deutsch Ruderergometer (1.000 m), bevor beim Farmers Carry (200 m) zwei schwere Gewichte über eine bestimmte Strecke getragen werden, was vor allem Griffkraft, Schultern und Rumpf beansprucht. Danach folgen die Sandbag Lunges (100 m), Ausfallschritte mit einer Art Sandsack auf den Schultern, bevor zum Abschluss die Übung Wall Balls (75 bzw. 100 Würfe) ansteht: Aus der Hocke werden dabei Medizinbälle nach oben gegen eine Wand geworfen und wieder gefangen.
„Was tue ich mir hier an?“
Durch seine „Fitness-Bubble“, sprich das Netzwerk auf Social Media, wurde Thomas Strimmer 2021 auf Hyrox aufmerksam. „Ich habe mich über Hyrox informiert und gesehen, dass in Rimini ein Rennen stattfindet. Ich habe mich alleine angemeldet und mitgemacht, ohne eigentlich zu wissen, was auf mich zukommt. Ich hatte nur Fotos, Videos und Inhalte aus den sozialen Medien gesehen und wusste grob, was das ist“, erinnert er sich. Auf eigene Faust begann er mit dem Training, ohne wirkliche Pläne oder Coaches. „Zwischendurch habe ich mir gedacht: Was tue ich mir hier eigentlich an? Ich habe es aber trotzdem durchgezogen“, so der 44-Jährige. Dann folgte der Wettkampf in Rimini, das große Debüt, das nicht nach Wunsch verlief. „Die Resultate waren nicht das, was ich mir erwartet hatte. Also habe ich mehr investiert – Zeit und auch Geld ins Training“, sagt Strimmer. Er nahm sich einen renommierten italienischen Trainer, trainierte nach Plänen und sah schon bald die Fortschritte. „Im Studio blieben meine Aktivitäten natürlich nicht unbemerkt, viele wurden neugierig“, so der Fitness-Trainer. Jedes Jahr kamen einige neue Hyrox-Begeisterte dazu. „Derzeit sind wir im Vinschgau über zehn Leute, die regelmäßig zu Hyrox-Wettkämpfen fahren.“
Unter 12.000 Hyroxern in Verona
Zuletzt waren Strimmer und einige weitere Vinschger/innen beim Hyrox-Wettkampf in Verona. „Es war unglaublich, insgesamt 12.000 Athletinnen und Athleten waren am Start. Als ich in Rimini angefangen habe, waren es noch 600“, schwärmt Strimmer. Die Events seien mittlerweile richtige Volksfeste. „Und haben ein ganz besonderes Flair. Auch wenn es ein Wettkampf ist, bleibt es immer fair, immer sportlich. Alle helfen sich gegenseitig.“
Vinschger überzeugen
Die Teilnehmenden starten dabei in verschiedenen Kategorien. Neben den Einzelwettkämpfen (Single) gibt es auch „Double“ (Zweierteams) sowie Staffeln mit vier Personen, bei denen sich die Athletinnen und Athleten den Wettkampf aufteilen. Strimmer war gemeinsam mit Esmat Mohammad aus Schlanders am Start. Die beiden absolvierten den Wettkampf in 1:13 Stunden, was Platz 502 unter sämtlichen Zweierteams ergab – bei mehr als 1.000 gestarteten „Doubles“. Dabei wäre noch um einiges mehr drin gewesen. Eine Strafminute aufgrund der Übertretung der Weißen Linie und Krämpfe am Ende des Rennens verhinderten aber eine bessere Zeit. Bester Vinschger war der Morterer Manuel Oberdörfer, der es sogar alleine in 1:13 Stunden schaffte. Dies reichte im Einzel in der Gesamtwertung für den 313. Platz unter fast 2.000 gewerteten Athleten. Seine Partnerin, die Latscherin Janine Eberhöfer, aktuell wohl die stärkste Hyroxerin im Vinschgau in ihrer Damen-Kategorie, absolvierte den Wettkampf in Verona in 1:26,59 Stunden (Platz 302 von über 900 Frauen). Beim Hyrox in Köln einige Monate zuvor traten Manuel und Janine als „Mixed-Double“ an und glänzten mit starken 1:11,12 Stunden, was Platz 266 von 1.396 gemischten Teams bedeutete.
Nur die Besten leben davon
„In erster Linie laufen wir aber nicht bestimmen Platzierungen hinterher, für uns geht es nicht um Sieg oder Niederlage, sondern darum, sich selbst zu steigern und den inneren Schweinehund zu bewältigen“, erklärt Strimmer den Antrieb der Hyroxer/innen. Während es für einen Großteil der Sportler/innen ein aufwendiges Hobby ist, können die Top-15 der Welt davon leben – durch Preisgelder und Sponsoren. Der aktuelle Hyrox‑Weltrekord bei den Männern im Einzel wurde übrigens von Alexander Rončević aufgestellt. Der Wiener absolvierte das Elite‑Pro‑Rennen beim Hyrox‑Event im Oktober in Hamburg in 53:15 Minuten. Bei den Damen hält die US-Amerikanerin Lauren Weeks mit einer Zeit von 56:23 Minuten den Rekord. Zeiten, die weltweit für Aufsehen sorgen und die Hyrox-Community weiterwachsen lassen, den Sport weiter pushen.
„Jeder kann mitmachen“
Auch im Vinschgau wächst die Hyrox-Gemeinschaft immer weiter. Kein Wunder, schließlich „rekrutiert“ Strimmer, der im Studio auch Trainingsmöglichkeiten für diese Sportart anbietet, gerne neue Athletinnen und Athleten. „Mitmachen kann jeder. Viele trauen sich nicht, aber sie sollten es einfach versuchen. Man kann nur gewinnen“, findet er klare Worte und schickt dem Autor dieser Zeilen mit auf den Weg, sich selbst an einem Wettbewerb zu versuchen.