Sonnenuntergang in der Karibik
Das Boot in der „Quarantäne-Bucht“
Bei der Kielreparatur
Lukas Moser und Andrea Gemassmer haben noch viel vor.

Segel-Abenteuer in Corona-Zeiten 

Die Weltumsegler Lukas Moser und Andrea Gemassmer befinden sich derzeit in der Karibik. Nicht nur die Coronavirus-Krise brachte die Pläne durcheinander.  

Publiziert in 16/17 / 2020 - Erschienen am 7. Mai 2020

NATURNS - Mitte Juli machten sich der 30-jährige Naturnser Lukas Moser und die 29-jährige Andrea Gemassmer aus Goldrain auf die Reise. Das Pärchen wollte sich den Traum einer Weltumsegelung erfüllen und in voraussichtlich drei Jahren 30.000 Seemeilen bzw. 60.000 Kilometer mit ihrem Segelschiff „Girasole“ zurücklegen (der Vinschger hat berichtet, siehe Ausgabe Nr. 22/2019). Derzeit befinden sich die Weltumsegler in der Karibik, genauer gesagt im idyllischen Martinique, einem momentan aufgrund der Coronavirus-Krise menschenleeren Urlaubsdomizil. Dort hat sie der Vinschger erreicht. „Was wir definitiv gelernt haben: Pläne sind nur Pläne, denke erst gar nicht, dass es so kommen kann oder wird. Eigentlich sind Pläne dazu da, sie über den Haufen zu schmeißen“, erzählen die Beiden lachend. Mit derartigen Herausforderungen und Hindernissen, wie sie sie schon jetzt auf ihrer Reise erlebten, hatten die Segler nicht gerechnet. 

„Unsere Girasole hatte einen anderen Plan“

Aber der Reihe nach: Mit ihrem Schiff, einer Bavaria44, starteten sie am 15. Juli in San Giorgio di Nogaro. Der Plan: Die „Barfußroute“ zu durchsegeln. Von der Adria aus geht es bei dieser Route über die Kanaren, die Karibik, die Südsee, Australien und Neuseeland, Madagaskar, Südafrika und dann zurück ins Mittelmeer. Nachdem das Duo durch die Adria und das Mittelmeer gesegelt war, gab es im Atlantischen Ozean bei den Kapverden Anfang Dezember das erste größere Problem und zwar mit dem Kiel. „Die mit Abstand größte Herausforderung auf unserer bisherigen Reise“, betont Andrea Gemassmer. Eigentlich wäre die Atlantiküberquerung bereits Ende November oder Anfang Dezember geplant gewesen. „Aber unsere Girasole hatte da einen anderen Plan. Wir mussten unsere Überquerung aufgrund des Kielproblems abbrechen und deshalb die Kapverden ansteuern“, so die Goldrainerin. 

Großes Sicherheitsrisiko 

Auf der angefangenen Atlantiküberquerung von Lanzarote (Kanaren) aus befanden sich die Segler etwa 270 Seemeilen vor den Kapverden, als Lukas Moser den Kiel kontrollierte und nur zufällig entdeckte, dass sich dieser minimal bewegte. Ein Horrorszenario für jeden Segler. „Ein Kiel darf sich einfach unter keinen Umständen bewegen. Das Worst-Case-Szenario wäre, wenn er weg brechen würde. Dann würde sich das Schiff binnen Sekunden umdrehen und die Personen unter Deck hätten keine Chance mehr raus zu kommen“, erklärt Andrea Gemassmer. Die Situation stellte für das Duo ein großes Sicherheitsrisiko dar. Sie trafen alle Sicherheitsvorkehrungen und steuerten die Kapverden an. „Die Rettungsinsel stand bereit, wir schliefen an Deck, die Notfalltasche war gepackt, die Küstenwache wusste Bescheid“, so die 29-Jährige. Wäre das Schiff gekentert hätte es automatisch ein Notsignal gegeben. „Die letzten 270 Seemeilen und zwei Nächte auf hoher See bis zu den Kapverden waren sehr emotional und schwierig“, betonen die beiden unisono. Glücklicherweise schafften sie es gesund auf die Kapverden. „Dort angekommen, dachten wir erst, dass unsere Reise hier zu Ende sein wird, aber irgendwie haben wir es dann nach etwa 2 Wochen geschafft unseren Kiel selbst zu reparieren. So sind wir dann halt erst im Februar über den Atlantik“, erinnert sich Lukas Moser. 

Coronavirus-Krise in der Karibik 

Die nächste Herausforderung ließ nicht lange auf sich warten. „Am 17. Februar sind wir in der Karibik angekommen, dann schlug das Coronavirus zu“, berichten die Segler. In der Karibik habe das Coronavirus zwar erst rund 2 Wochen später „zugeschlagen“, aber dann mit voller Härte. „Grenzen wurden geschlossen, von Insel zu Insel segeln war streng verboten und viele Einheimische glaubten anfangs, dass die Segler das Virus mitgebracht hätten“, erzählt Andrea Gemassmer. Da Martinique zu Frankreich gehört, gelten auch hier die französischen Verordnungen. Für Segler wurden strikte Regeln aufgestellt. So durften die beiden Südtiroler das Schiff nicht mehr bewegen, außer im Notfall. Eine Ausgangssperre wurde ausgerufen, lediglich Einkaufen blieb erlaubt. Mindestabstände und Eigenerklärungen wurden auch in Frankreich zum Alltag. Das Duo habe jedoch eine „ordentliche Quarantäne-Bucht“ gefunden. „Anfangs war jeden Tag ein Polizeiboot zur Kontrolle da und der Hubschrauber flog täglich über uns hinweg“, erzählt Moser. In den vergangenen Tagen und Wochen habe das Pärchen vor allem Zeit gefunden, um kleinere Reparaturarbeiten und weitere Projekte an ihrem Segelschiff durchzuführen. 

Noch viele Träume 

Die nächsten Ziele? „Da Martinique in der Hurrikanzone liegt, wollen wir erstmal dort raus, sobald dies wieder möglich ist“, betonen die Abenteurer. Vor allem von Juli bis November könne es hier immer wieder zu Hurrikans kommen. Das Duo wolle es über den Atlantik nach Trinidad und Tobago schaffen. „Das wäre ideal, da man dort sein Schiff preisgünstig aufs Trockendock stellen könnte und so noch einige Arbeiten erledigt werden können“, erklärt Andrea Gemassmer. Aufgrund der unvorhergesehenen Zwischenfälle, wie der Reparaturen am Kiel, sei das Budget geschrumpft. „Eigentlich ist es immer noch unser Plan, den Pazifik zu sehen. Die ganzen kleinen Inseln - französisch Polynesien zum Beispiel. Davon träumen wir schon noch. Aufgrund der Corona-Krise haben wir von der Karibik aber ebenfalls noch nicht so viel gesehen wie geplant, vielleicht entscheiden wir uns auch für eine zweite Saison in der Karibik“, so das Pärchen. Auch was die Rückkehr nach Hause betrifft, herrscht Ungewissheit. „Vielleicht morgen, vielleicht in zwei Jahren, wer weiß das schon“, lachen die Segler. 

Info

Bisher haben Andrea Gemassmer und Luks Moser rund 6.300 Seemeilen zurückgelegt und neun Länder besucht. Alle Infos zu ihren Erlebnissen gibt es unter https://www.girasolesailing.com/ sowie im sozialen Netzwerk facebook und auf Instagram unter GirasoleSailing.  

Michael Andres
Michael Andres

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