Gemeinsamer Gesprächsstoff über Leichtathletik: (von links) Erwin Schuster, Michael Traut, Monika Niederstätter und Georg Hasenburger.
Interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer im Casino der BASIS, in der ersten Reihe (von links) Monika Niederstätter, Christine Kaaserer, Jürgen Tragust, Michael Schuster und Carmen Januth.
VSS-Bezirksvertreter Josef Platter (links), Monika Niederstätter und VSS-Landesobmann Paul Romen.

Sport ist nicht nur Leistungssport

Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr „75 Jahre ASC Raiffeisen Schlanders“

Publiziert in 3 / 2026 - Erschienen am 10. Februar 2026

Schlanders - Mit viel Idealismus, Mut und Zusammenhalt wurde vor 75 Jahren der Sportclub Schlanders gegründet. „Dieses Jahr soll gefeiert werden“, sagte Präsident Georg Hasenburger bei der Auftaktveranstaltung in der BASIS, zu der er neben Bürgermeisterin Christine Kaaserer, dem VSS-Landesobmann Paul Romen und dem Bezirksvertreter Josef Platter viele Eltern, Mitglieder, Trainer usw. begrüßen konnte. Christine Kaaserer überbrachte die Glückwünsche der Gemeindeverwaltung und erinnerte an den Teamgeist und die Begeisterung der vergangenen Generationen. „Besonders eure Jugendarbeit ist eine Investition für die Zukunft und in unsere Gemeinschaft, denn sie fördert den Zusammenhalt. Dass Sport in den kleinen, bäuerlich geprägten Dörfern vor 75 Jahren keine Selbstverständlichkeit war, betonte Paul Romen in seinen Grußworten. „Ihr mit eurem Pioniergeist, eurer Freude am Sport und eurem Einsatz seid unersetzlich!“

Sport ist Lebensschule

„Vereinssport zwischen Spaß, Leistung und psychischer Gesundheit“ hatte die Referentin Monika Niederstätter ihren Vortrag genannt. Die ehemalige Spitzensportlerin in Leichtathletik ist heute Sportpsychologin und Mentaltrainerin. „Wir brauchen Sport für unsere Gesundheit“, so die Referentin, „und nicht für den Ehrgeiz der Eltern.“ Manchen Eltern gehe es nicht schnell genug mit den sportlichen Erfolgen ihrer Kinder und manche Kinder werden nicht einmal gefragt, ob sie Freude an einer Sportart haben, bedauerte Monika Niederstätter. Es gebe sehr viele Motive im Sport, wobei das Bewegungsmotiv, das Gesundheitsmotiv, der Leistungsmotiv und das Spielmotiv am meisten vorkommen. Nicht ganz unproblematisch nannte die Sportpsychologin das Leistungsmotiv und die extrinischen Motive, denen gutes Aussehen, Abnehmen, sozialer Status oder materielle Belohnung zugrunde liegen. Viel besser seien die intrinischen Beweggründe für sportliche Betätigung wie Spaß, Aufregung, Freude an persönlicher Leistung und Bewegung.

Gefahren des Leistungssports

„Leistung zu bringen ist toll, hat aber zwei Gesichter:  zum einen Leistungsdruck, Versagensängste, Überforderung und Demütigung, zum anderen auch Erfolgserlebnisse, Herausforderungen, Freude und Anerkennung.“ Langfristig habe der Leistungsdruck negative Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, auf Körper und Seele. Monika Niederstätter zeigte auf, was Kinder und Jugendliche im Sport für ihre Persönlichkeitsentwicklung lernen sollten: ein guter Verlierer zu sein, ein guter Gewinner zu sein, in einer Mannschaft mitzumachen, ihr Bestes zu geben, sich eigene Ziele zu setzen, sich Herausforderungen zu stellen und sich durchzusetzen. Nicht umsonst seien Leistungssportler in Betrieben gern gesehen, denn sie haben gelernt, sich durchzusetzen und vor allem sich anzustrengen. Der Spaß müsse im Kinder- und Jugendalter jedoch immer im Vordergrund stehen, denn Sport bedeute nicht nur Bessersein!

Bemühen kommt vor Können

Monika Niederstätter stellte den Anwesenden die Aufgabe, ihre eigenen Leistungserwartungen zu hinterfragen. Was bedeuten eigene Erfolge und wie gehe ich mit Misserfolgen um? Die Eltern fragte sie, wie wichtig ihnen die Erfolge ihrer Kinder seien? Eltern sollen Vorbilder sein und ihren Kindern Interesse und Anerkennung entgegenbringen, das Positive hervorheben, Vergleiche meiden und das freie Spiel, ja auch Langeweile zulassen! „Fördern und faul sein“, lautet die Devise einer ausgewogenen Anspannung und Entspannung. Auch die Trainer nahm die Sportpsychologin ins Gebet: passend dazu nannte sie die 7 Todsünden eines Trainers: die Vermischung von Leistung und Wertschätzung, blindes Ergebnisdenken, unreflektierte und unausgeglichene Leistungsrückmeldung, falsche Zielsetzung, falscher Umgang mit Konflikten und Vermittlung von unethischen Werten. Wie überall gebe es auch unter den Trainern schwarze Schafe, die gelte es zu nennen. Ansonsten sollten sich Eltern möglichst vom Training ihrer Kinder fernhalten und Spiele oder Wettkämpfe nur dann besuchen, wenn die Kinder es wünschen. Dass sich Eltern den Trainern und anderen Kindern und Jugendlichen gegenüber fair und sportlich benehmen, sollte eigentlich zum guten Ton gehören.

Sport ohne Handy

„Nichts tun und chillen heißt leider oft Handynutzung“, so Monika Niederstätter. Sie stelle sehr viel gedankliche Abwesenheit, Unruhe und Teilnahmslosigkeit während des Trainings oder in den Pausen fest. Sie engagiere sich stark für ein handyfreies Training und habe es auch in einem Sportverein in Meran durchgesetzt. Die Nachahmung empfahl sie auch dem ASC Schlanders, denn sie sehe als Ergebnis viel wachere, aufmerksamere und ausgeglichene junge Sportlerinnen und Sportler. Der Präsident versprach, sich dieser Thematik anzunehmen.

Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher

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