Im Bild links das neue Hochregallager von außen (das Dach wird noch begrünt), rechts ein Blick in das hochtechnologische Innenleben.

16.000 Großkisten in einer einzigen

Publiziert in 37 / 2012 - Erschienen am 17. Oktober 2012
Das neue Hochregallager der Genossenschaft TEXEL birgt Hightech pur und präsentiert sich in kunstvoller Verpackung. Naturns – Seit dem 1. Oktober ist das vollautomatische Hochregallager (HRL) in Betrieb. „Es hat sich bereits bestens bewährt,“ bestätigten TEXEL-Obmann Rudi Höller und Geschäftsführer Christoph Tappeiner am 10. Oktober am Sitz der Genossenschaft in Naturns. Sie stellten das Hightech-Lager zusammen mit dem Generalplaner Ing. Siegfried Pohl, dem Künstler Manfred Alois Mayr, dem Naturnser Bürgermeister Andreas Heidegger, Vertretern der Firmen LTW ­Intralogistics aus Vorarlberg und Top Control aus Terlan, sowie mit Roland Dellagiacoma, dem Landessachverständigen für Raumordnung und Landschaftsschutz in der Baukommission, den Medien vor. Für den Bau des Hochregallagers hatte sich die TEXEL laut Christoph Tappeiner aus betriebswirtschaftlichen, organisatorischen und nicht zuletzt markttechnischen Überlegungen heraus entschieden. Die Vorteile sind vielfältig: Das hochtechnologische Lager dient als kurzfristige Pufferung von Großkisten mit unsortierter Ware aus den Außenlagern der TEXEL (Töll und Plaus); die sortierte Ware wird direkt im HRL gepuffert, sodass der Transport und die Einlagerung der sortierten Großkisten in die Kühlzellen entfallen; die Bereitstellung der sortierten Ware für die Verpackung erfolgt weitestgehend automatisiert; das Suchen der Ware in den Kühlzellen und der Transport zur Verpackung fallen ebenfalls weg; die Software der Lagerverwaltung ermöglicht eine rasche Bereitstellung der richtigen Ware. Technische Daten Das HRL, errichtet in Silobauweise zwischen den Bereichen Sortierung und Verpackung, ist 47,80 m lang, 43 m breit und 27,60 m hoch. Das Lager, bestückt mit 10 Regalbediengeräten, kann über 16.000 Großkisten auf­nehmen. Errichtet wurde das HRL in einer Bauzeit von 6 Monaten. Die Vorarbeiten hatten ein Jahr gedauert. Begonnen hatte das Unterfangen mit einem Logistikkonzept, das die Firma KDL aus Hamburg zusammen mit dem TEXEL-Projektteam (Rudi Höller, ­Christoph Tappeiner, Produktionsleiter Christoph Pircher, Logistik- und Projektleiter Martin Österreicher, technischer Leiter Ralf Hillebrand) erarbeitet hat. Mit der Generalplanung wurde Ing. Siegfried Pohl beauftragt. „Nach einem HRL für den Fruchthof Überetsch und einem weiteren für die MIVOR in Latsch war dies das dritte HRL, das wir planen durften,“ so Pohl. Es galt, das HRL im Gebäudekomplex der TEXEL unterzubringen, es dem Ortsbild anzupassen und möglichst gut in das Landschaftsbild einzufügen. Dank der Fassadengestaltung mit einer Außenhülle werde infolge des Beschattungseffekts Energie eingespart. In die Details der Technik und in die ausgeklügelte Software führten Urs Gerber (LTW) und Michael Saltuari (Top Control) ein. „Anfänglich Kritik, jetzt breite Akzeptanz“ Die anfängliche Kritik aus der Bevölkerung in Bezug auf das Erscheinungsbild hat sich laut BM Andreas Heidegger weitgehend gelegt: „Viele wissen die Sensibilität zu schätzen, die wir als Gemeinde zusammen mit der TEXEL-Führung an den Tag gelegt haben.“ Fünf Architekten­büros waren eingeladen worden, um der Baukommission Vorschläge vorzulegen. „Ein Bauwerk dieser Größe muss nicht nur den funktionellen Anforderungen gerecht werden, sondern auch eine weitgehende Akzeptanz in der Bevölkerung finden,“ sagte Roland Dellagiacoma. Es sei gelungen, im Dialog zwischen Bauträger, Projektanten und dem beigezogenen Künstler auf der einen und der Baubehörde sowie dem Fachbeirat für Baukultur auf der anderen Seite eine gute Lösung zu finden. Die Fassade wurde vom Vinschger Künstler Manfred Alois Mayr gemeinsam mit dem Architekten Arnold Gapp gestaltet, der den Ideenwettbewerb gewonnen hatte. Kein Dekor, sondern eine schlichte zweite „Haut“ Auf Dekor habe er bewusst verzichtet, sagte Manfred Alois Mayr. Es sei ihm darum gegangen, dem Quader auch aus baubiologischen Gründen eine zweite „Haut“ zu verpassen. Die Schichtfassade, die nach außen das Bild auf­einander gestapelter Großkisten vermittelt, funktioniert nicht nur als Sonnen- und Wärmeschutz, sondern bricht auch das Licht. Mayr: „Die Farbe reflektiert die Tageszeiten. Sie geht mit den Jahreszeiten mit und ändert sich je nach Tageszeit und Lichteinfall.“ Es habe versucht, auf diese Weise das Volumen auszublenden. Eine Investition von 8,5 Mio. Euro Die Investitionssumme für das Gesamtprojekt beläuft sich auf ca. 8,5 Mio. Euro. Rund 40 % davon werden mit Fördermitteln der EU gedeckt. Die TEXEL, entstanden 2008 aus der Fusion der Naturnser Obstgenossenschaft NOG und der Partschinser Obstgenossenschaft POG, zählt 349 Mitglieder, die auf 1.274 ha beinahe ausschließlich Äpfel und geringe Mengen an Vinschger Marillen anbauen. Das Anbaugebiet erstreckt sich auf die Gemeinden Naturns, Partschins, Plaus und Algund. Die jährliche Erntemenge beträgt ca. 7.800 Waggon brutto. Heuer sind es aufgrund des ­„Osterfrosts“ aber nur rund 5.200 Waggon. Die ca. 120 Mitarbeiter erarbeiten einen Umsatz von ca. 45 Mio. Euro. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.