Bei der 50-Jahr-Feier (v.l.): Otto Mair, Martin Oberkofler, Ivo Maier, Ossi Kofler, Michl Schaller, Peter Santoni, Hans Unterthurner und (sitzend) Klemens Gradl.
Der legendäre erste Auftritt 1971 in der Besetzung mit (v.l.) Hans Unterthurner, Sepp Kaserer, Bruno Svaldi und Otto Mair.
Beim Interview mit dem der Vinschger: Otto Mair und Hans Unterthurner.
Immer wieder war die Band in den vergangenen Jahren in der Tschenglsburg zu Gast.

50 Jahre „Sorry’s“

Entschuldigen muss sich die Naturnser Kult-Band nicht. Von wegen: Eine der ältesten Bands hierzulande feiert Jubiläum. Ein Blick auf 5 Jahrzehnte Bandgeschichte. 

Publiziert in 35-36 / 2021 - Erschienen am 26. Oktober 2021

NATURNS - Es war an einem Sommerabend im Jahre 1971 im „Rallykeller“, einem ehemaligen Pub und Tanzlokal in Naturns. Otto Mair und Hans Unterthurner erinnern sich im Gespräch mit dem der Vinschger heute noch genau daran. „Es war die offizielle Geburtsstunde der Sorry’s“, sagt der 68-jährige Unterthurner. Es war ein einschneidender Punkt in ihrem Leben. Ein Abend, der ihr weiteres Leben prägen sollte. In der Besetzung mit Otto Mair (Bassgitarre), Hans Unterthurner (Gitarre), Bruno Svaldi (Gitarre und Gesang) und Sepp Kaserer (Schlagzeug), allesamt aus Naturns im Alter zwischen 16 und 17 Jahren, spielte man hier groß auf. Und die Geschichte begann.  
Der Reihe nach: Begonnen hat alles bereits einige Jahre davor. Zu den beiden Gründungsmitgliedern Mair und Unterthurner gesellte sich damals auch der spätere Filmemacher, der Prossliner Karl. „Es gab hier halt wenig, wir wollten bisschen Underground-Musik machen, trafen uns in unseren Kellern und spielen drauf los“, erinnert sich Unterthurner. 1968 habe man erste „Musikversuche“ in seinem Keller unternommen. Schon bald habe man mehr gewollt. Eine richtige Band sein. Stetig versuchte man Instrumente zu erlernen, 1969 stieß auch Helmuth Huber zur Band. Dieser verunglückte ein Jahr später leider tödlich. 

Probelokal im Widum 

Svaldi und Kaserer stießen 1970 zur Band mit Mair und Unterthurner. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Musik-Combo noch keinen Namen. Prossliner widmete sich derweil anderen Ideen. „Er scheiterte am Song Proud Mary, er hat hier den Bass nicht hinbekommen“, sagt Otto Mair heute scherzhaft. Die weiteren Bandmitglieder widmeten sich dem Erlernen der Instrumente. „Wir wollten richtig und ordentlich Musik machen“. Viel gelernt habe man dabei von Svaldi. Dieser brachte bereits musikalische Erfahrung mit. „Er lernte uns wie man die Gitarre hält, wie man Noten liest“, blickt der heute 67-jährige Mair zurück, der als einer der wenigen Bandmitglieder bereits davor, in Mittelschulzeiten, durch die Musikschule mit Klängen zu tun hatte. „Querflöte habe ich gespielt, auch Orgel“, lacht er. Im Probelokal, das sie damals im Widum von Naturns dank des damaligen örtlichen Pfarrers Luis Lintner (jener Lintner der als Südtiroler Missionar 2002 in Brasilien ermordet wurde) zur Verfügung gestellt bekamen, wurde gelernt und geprobt. 
Nach vielen Übungseinheiten in den heimischen Kellern und im Widum habe man freilich das Können auch live beweisen wollen. Nach einem ersten Konzert in der Kirche, einer Art „Jazz-Messe“, kam es schließlich einige Monate später zum ersten offiziellen öffentlichen Auftritt 1971 im „Rallykeller“, damals bereits unter dem Namen „The Sorry’s“. „Ich kann mich daran erinnern, wie nervös ich war“, erzählt Unterthurner. Hie und da seien ihm die Noten nicht mehr eingefallen. Schlussendlich wurde der Auftritt aber zum Erfolg: „Wir spielten bis in die frühen Morgenstunden“. Schon damals rockten sie mit Coversongs von Interpreten dieser Zeit – allen voran Creedence Clearwater Revival und die Rolling Stones – aber auch mit Schlager aus Deutschland und Italien. 

Auftritte von Naturns bis Zürich

Von da an ging es weiter. Weiter mit der Musik, dem Bandleben, dem Rock ‚n‘ Roll. Sie spielten nun regelmäßig, unter anderem auf Bällen. Dort sei es damals nicht ohne Volksmusik gegangen. Mit der Hilfe des Ziehorgelspielers Erwin Huber mischte man die modernen Rock-Songs und die Volksmusik. „Wir hatten den richtigen Riecher und spielten die richtigen Songs zur richtigen Zeit“, weiß Unterthurner heute. 
„The Sorry’s“ wurden in Naturns, im Vinschgau und darüber hinaus bekannt. Unter anderem beim damaligen Rosenwirt in Naturns trat die junge Band öfters auf. Insbesondere bei den dortigen Faschingsfeiern wurde dann kräftig gerockt. Ein besonderes Konzert war auch in den Anfangszeiten, ebenfalls in Naturns. In einem alten Gebäude, statisch bedenklich, durfte man zwar spielen, beim Kasatschok-Tanz der vielen Fans im kleinen Raum wackelten dann aber Boden und Haus. Man musste auf Nummer sicher gehen und das Konzert abbrechen. 
Konzerte spielte man auch im Überetsch, unter anderem war man in den 1970er Jahren regelmäßig zum Jahreswechsel in Kaltern zu Gast. 120- bis 180.000 Lire habe man damals für einen Auftritt erhalten. „Im Rallykeller beim ersten Auftritt waren es noch 20.000 Lire“, erinnern sie sich. Höhepunkte in der damaligen Zeit waren etwa auch der Aufritt beim europäischen Polizeitreffen im Meraner Kurhaus sowie beim Südtiroler Heimatfernen-Treffen in Zürich. „Es waren schon einige Abenteuer dabei“. Freilich, Geld habe man etwas nebenbei verdient. Aber man habe auch alles ausgegeben. Benzin, Instrumente – und nicht zu vergessen ab und zu eine gute Flasche Wein. „Unser Name war schon weitum in Südtirol bekannt, Auftritte waren sehr gefragt, wobei es damals halt auch nicht ganz viele Bands gab“, erklären die Musiker. 

Der Sorgengrund 

Apropos Name. Warum eigentlich „The Sorry’s“. „Nein nein, mit sich entschuldigen hat das eigentlich nichts zu tun. Müssen wir uns ohnehin nicht“, lacht Otto Mair. Vielmehr ist der Bandname auf eine Verwechslung zurückzuführen. Ein Mädchen habe damals die Band als Sorgengrund bezeichnet. „Wir dachten, das heißt auf Englisch ‚Sorrygrounds‘, was natürlich falsch ist. Aus Sorrygrounds entstanden The Sorry‘s.“ Wer genau denn nun der Sorgengrund war, bleibt ein Geheimnis der Bandgeschichte. Kein Geheimnis ist es, dass es mit fortlaufendem Alter immer schwieriger wurde, sich auf die Musik zu konzentrieren. Beruf, Familie und anderweitige Interessen wurden wichtiger. Regelmäßige Auftritte, Proben und der Rock ‚n‘ Roll spielten nicht mehr die Hauptrolle im Leben der Naturnser. Als erster stieg Sepp Kaserer 1979 aus der Band aus bzw. begann mit dem Fußballsport und konzentrierte sich darauf. Noch im selben Jahr löste sich die Band auf. Für rund 26 Jahre gab es keine „Sorry’s“ mehr. „Wir haben eine lange Pause eingelegt. Gestritten haben wir aber nie, es waren einfach private Gründe, mit dem Älterwerden hat sich alles ein wenig verlaufen“, blickt Unterthurner zurück. Jeder machte für sich etwas Musik. Otto Mair spielte unter anderem privat mit seinem Bruder Rudi. Jeder ging seinen eigenen Weg. Vorerst. 

Die große Reunion 

Dann kam das Jahr 2005. In Staben fand ein Freizeit-Fußballturnier mit Party am Abend statt. In der damaligen Besetzung mit Otto Mair, Hans Unterthurner, Sepp Kaserer, Bruno Svaldi, Michl Schaller und Christian Theiner wurde gerockt wie in den wilden 70ern. „Es war mehr ein Spaß-Auftritt, zu dem es durch Zufall kam. Aber wir waren wieder auf den Geschmack gekommen“. Schon ein wenig „eingerostet“ seien sie gewesen, die „Sorry’s“. Über 20 Cover-Songs habe man für diesen Auftritt in Staben aber dennoch hinbekommen. Und das Publikum war wiederum begeistert. „Exakt 22 Lieder waren es damals in Staben“, wissen Mair und Unterthurner. „Die Leute wollten weitere Zugaben, wir hatten aber keine Songs mehr“, lachen sie. Dann habe man eine Pause eingelegt und dieselben Lieder später nochmal gespielt. 
Das offizielle Revival fand dann beim Lahnfest in Naturns ein Jahr später statt, Bruno Svaldi war dann nicht mehr mit dabei. In den folgenden Jahren kamen verschiedene Mitglieder zur Band, sie alle sind Teil der Sorry’s Geschichte. 2007 stieß Sänger Klemens Gradl zur Band, 2011 verließ Michl Schaller die „Sorry’s“. Der bekannte Kortscher Musiker Ossi Kofler wurde nun Teil der Naturnser Band. 2015 verabschiedete sich Sepp Kaserer, Peter Santoni wurde „Sorry’s“-Mitglied. Im Laufe des Jahres 2017 verließ Kofler die Band, Ivo Maier kam neu dazu. Heute spielen „The Sorry’s“ in der Besetzung mit Otto Mair, Hans Unterthurner, Klemens Gradl, Peter Santoni und dem Eppaner Martin Oberkofler, der kürzlich als Unterstützung neu zur Band kam. 

Und sie rocken immer noch 

Die Besetzungen wechselten im Laufe der Jahre, über allem stand aber stets die Kult-Band. Und diese gibt auch heute noch im Vinschgau und darüber hinaus regelmäßig ihre Klassiker zum Besten, von Creedence Clearwater Revival, Pink Floyd, Simon & Garfunkel über die Rolling Stones hin zu den Beatles. 
Zahlreiche Auftritte, im Sommer sogar teils mehrmals wöchentlich, standen auf dem Programm. Zu liebgewonnenen Höhepunkten wurden unter anderem die Konzerte in der Tschenglsburg beim Perfler Karl, die seit einigen Jahren immer wieder stattfinden. Bei langen Abenden im Überetsch und in weiteren Teilen Südtirols zeigten die „Sorry’s“ immer wieder ihr Können. Freilich war es in der Corona-Zeit etwas ruhiger geworden, im Sommer des vergangenen Jahres wurden die Auftritte aber wieder regelmäßiger und auch in den vergangenen Monaten hatte man das ein oder andere Konzert. 

Jubiläumsfeier in Naturns 

Vor einigen Wochen feierte die Band im kleinen Kreis beim Jugendzentrum in Naturns ihr 50-jähriges Jubiläum. Ein weiterer Höhepunkt in der langen Bandgeschichte. Ob noch viele weitere Highlights folgen? „Sicher, aber wir wollen ruhiger werden“. Es sei nicht mehr so einfach, das viele Proben, das viele Spielen, die kurzen Nächte. „Man wird älter“.  
2019 habe man allein im Juli und August teils mehrmals wöchentlich gespielt. Bereits rund 20 Auftritte im Jahr gehen an die Substanz, „kürzer treten“ laute in Zukunft die Devise. Aber man wolle noch den einen oder anderen Auftritt jährlich absolvieren, hie und da wieder in die 1970er-Jahre eintauchen. „Und gerne auch 60-jähriges Jubiläum feiern“, blickt Unterthurner voraus. Otto Mair erhält von Oberkofler in Sachen Bass Unterstützung. „Er spielt die schnelleren Songs“, lacht Mair. So oder so. „Musik hält jung, daher müssen wir weiterspielen“, sagt Unterthurner abschließend. 

Michael Andres
Michael Andres
Vinschger Sonderausgabe

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