Die Gemeinde Glurns besitzt einen Anteil von 9 ha an der Oberen Au (rechte, untere Bildhälfte).

Allgemeines Umdenken im „Stadtparlament“

Publiziert in 42 / 2015 - Erschienen am 25. November 2015
Die Ratssitzung vom 18. November und das Thema Obere Au wurden zu einer gemeindepolitischen Lehrstunde in Glurns Glurns - Wenn es nur bei einer Stunde geblieben wäre. Bürgermeister Alois Frank, seine Stadträte und 9 interessierte Zuhörer mussten sich in Geduld üben. Es dauerte fast eine Stunde, bis alle Fragen zum 1. Tagesordnungspunkt „Verwaltungstätigkeit seit der letzten Sitzung“ beantwortet waren. Irgendwann zwischen Holzverkauf, Gemeinde als Immobilienmakler, Leitsystem und Köfl-Alm bemerkte Bürgermeister Frank, dass man sich jederzeit bei ihm informieren könne. Heinz Riedl, Bürgerliste für Glurns, wollte es diesmal besonders genau wissen und leitete mit einem Vorwurf zum Thema „Obere Au“ über. Er wollte wissen, warum der Beschlussantrag seiner Liste und des SVP-Rates Ägidius Wellenzohn nicht auf der Tagesordnung aufscheine. Die Antwort von Sekretär Georg Sagmeister war eine knappe Frage: „Wie soll ich wissen, dass es ein Beschlussantrag ist, wenn dies nicht draufsteht?“ Erfahrene Beamte hätten uns darauf hinweisen können, antwortete Riedl. Ungeachtet der regen Wortwechsel kam Bürgermeister Frank zur Sache: „Wir brauchen eine endgültige Lösung für die Obere Au“. Dass man einen Golfplatz in Betracht gezogen habe, sei der ursprünglich positiven Einstellung des Amtes für Landesökologie zuzuschreiben. Inzwischen liege ein Gutachten über die „Naturkundliche Bedeutung der Oberen Glurnser Au“ vor. Aus der Studie komme ganz klar zum Ausdruck, dass die Au schützenswert sei, meinte Frank. Sogar von einem „sehr hohen naturkundlichen Wert“ sei die Rede. Die Au sei Lebensraum für eine außergewöhnlich hohe Anzahl von Vögeln, Insekten und Pflanzen; davon stünden viele auf der „roten Liste“. „Damit ist die Idee des Golfplatzes wohl gefallen, aber eine Naherholungszone könnte man planen“, meinte Frank. Dafür wären auch Landesbeiträge aus dem Landschaftsfonds vorgesehen. Karl Sagmeister als Obmann des Heimatpflegevereines und Wellenzohn als Vertreter der Naturschutzverbände bedankten sich für den Gesinnungswechsel. Jürgen Wallnöfer erinnerte, dass mit einer Unterschutzstellung auch für die Landwirte einige Regeln zu beachten seien. Die Beweidung müsse jedoch gewährleistet sein, merkte Rosa Pichler Prieth an. Landwirtschaftsreferent Armin Bertagnolli hoffte, dass Viehhaltung und Naherholung nebeneinander Platz finden, und forderte einen Beschluss, damit nicht wieder andere Ideen auftauchen. Vor dem Beschluss möchte Bürgermeister Frank bei einer Dreiersitzung - Heimatpfleger, Landesökologen und Gemeindevertreter - die Art und Weise der Unterschutzstellung klären. Auch sei auf die Verwendung angrenzender Grundstücke zu achten; es könnten ja Obstbäume gepflanzt werden. Hier hakte Martin Prieth ein, der jeden Druck der Verwaltung auf Grundbesitzer strikt ablehnte. s
Günther Schöpf
Günther Schöpf
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