Luzia Kuppelwieser, 28 Jahre jung, ist sehr stolz auf ihren Hof und ihre Tiere.

Bäuerin mit Leib und Seele

Publiziert in 28 / 2014 - Erschienen am 30. Juli 2014
Kastelbell-Tschars - Luzia ­Kuppelwieser vom Latschairhof in der Gemeinde Kastelbell-Tschars ist die heurige Trägerin des Jungbergbauernpreises, der vor einiger Zeit von der Stiftung Südtiroler Sparkasse mit der Südtiroler Bauernjugend ­Bezirk Vinschgau vergeben wurde. Die jüngste Tochter vom Hof verschlug es zunächst ins Tal, wo sie für mehrere Jahre als Verkäuferin beschäftigt war, bis sie 2006 zusammen mit ihrem Lebensgefährten Ingemar Müller auf den elterlichen Hof zurückkehrte. Zwei Kinder, Jan und Lea, folgten in den nächsten Jahren und so lebt sie heute mit ihrer drei Generationen umfassenden Familie am Latschairhof. der Vinschger: Was bedeutet dir die Auszeichnung mit dem Jungbergbauerpreis 2014? Luzia Kuppelwieser: Es hat mich sehr gefreut, dass wir den Jungbergbauerpreis bekommen haben und dieser ist ein Zeichen der Wertschätzung unserer Leistungen. Auch wird die Freude zur Berglandwirtschaft so belohnt. Was bedeutet für dich Bäuerin zu sein? Bäuerin zu sein bedeutet für mich vor allem, eine Freude mit dem Hof zu haben. Diese Freude umfasst die Wiesen, die Tiere und alles was dazugehört. Ebenfalls ist mir der Garten sehr wichtig, denn dadurch kann ich viel Gemüse und Obst selbst anbauen, um daraus dann Säfte und verschiedenste Produkte herzustellen. Deshalb bin ich sehr gerne Bäuerin. Wie war die Entscheidung auf den Hof zurückzukehren? Es war eine schwierige Entscheidung wieder auf den Hof zurückzukehren. Aber auf der anderen Seite war für uns klar, dass wir den Hof gerne übernehmen und weiterführen möchten. Auch wäre es vor allem schade gewesen, wenn niemand mehr auf dem Hof geblieben wäre, denn meine drei älteren Schwestern waren schon lange Zeit ausgezogen und auch mein Vater musste sich in dieser Zeit einer Hüftoperation unterziehen. Deshalb haben wir uns sehr schnell für den Latschairhof entschieden und sind dorthin zurückgekehrt. Wie siehst du die Rolle der Frau am Hof? Auf dem Hof braucht es ganz klar eine Frau, denn sie sorgt einmal für ein angenehmes Umfeld mit vielen Blumen und dem Garten. Sie trägt Sorge, dass der Hof auch in Zukunft weitergeführt wird, indem sie sich um die Kinder kümmert und sie führt auch den gesamten Haushalt. Ebenso hat sie einen ganz besonderen Bezug zu den Tieren. So kann die Frau am Hof als Herz der Familie und des gesamten Hofes angesehen werden. Laut der Landwirtschaftszählung 2010 sind 86,5% der Betriebsleiter Männer und nur 13,5% Frauen. Warum übernehmen nur so wenige Frauen den Hof selbst? Ich glaube, dass es Frauen eher schwieriger haben, bestimmte Aufgaben am Hof zu übernehmen, als Männer. So ist es bei uns in den steilen Wiesen so, dass das Lenken der Maschinen sehr gefährlich ist und hier braucht es fast einen Mann. Auch bei der Waldarbeit besitzt der Mann mehr Möglichkeiten als die Frau. Ebenso ist die Frau meist für die Kindererziehung zuständig und so bietet sich ihr nicht die Chance immer am Hof und auf dem Feld zu arbeiten. Den Grund für die wenigen weiblichen Betriebs­leiter sehe ich darin, dass sich viele nicht trauen, diese Schwierigkeiten auf sich zu nehmen. Gleichermaßen kann die Tatsache, dass die traditionelle Hofübergabe an den ersten Sohn noch sehr verbreitet ist, als weiterer Grund angeführt werden. Was willst du jungen angehenden Hofüber­nehmerinnen noch mit auf den Weg geben? Seid motiviert den Hof zu übernehmen, denn es gibt fast nichts Schöneres, wenn man einen Hof sein Eigentum nennen und dort leben kann. Außerdem wünsche ich viel Erfolg und Alles Gute. Interview: Manuel Gruber
Manuel Gruber
Manuel Gruber
Vinschger Sonderausgabe

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