Eine ganze Reihe von aktuellen Themen und Anliegen rund um die Landwirtschaft wurden beim ersten bäuerlichen Informationsabend aufgeworfen.

Bäuerlicher Informationsabend

Publiziert in 43 / 2016 - Erschienen am 3. Dezember 2016
Viele Themen besprochen. Von „Sozialer Landwirtschaft“ über die Kirschessigfliege bis hin zur Pestizidverordnung in Mals. Schlanders - Zum ersten Mal im Vinschgau fand am 18. November im Kulturhaus in Schlanders der bäuerliche Informationsabend statt. Mit rund 230 Mitgliedern war die Veranstaltung sehr gut besucht. Neben der Verbandsspitze mit Landesobmann Leo ­Tiefenthaler und Direktor ­Siegfried Rinner stellten sich auch der Europaparlamentarier Herbert Dorfmann, Landesrat Arnold Schuler, der Kammerabgeordnete Albrecht Plangger, der Regionalassessor Sepp Noggler sowie die Landtagsabgeordneten Maria Kuenzer und Albert Wurzer der Diskussion. Bezirksobmann ­Raimund Prugger, der die Versammlung moderierte, wies eingangs darauf hin, dass sich die Situation in der Berglandwirtschaft durch die Auszahlung der EU-Beiträge zwar entspannt habe, es aber weiterhin einen großen Diskussionsbedarf gebe. Diskussionsbedarf zum Thema Berglandwirtschaft Bei der anschließenden, über dreistündigen und sehr sachlich geführten Diskussion wurden unterschiedlichste Themen angesprochen. Die meisten Fragen richteten sich an Landesrat Schuler und an die Verbandsspitze. Aufs Tapet gebracht wurden u.a. die derzeitige EU-Förderprogramme für die Berglandwirtschaft, die Ausrichtung der Förderprogramme nach 2020 und der Landeshaushalt im Bereich Landwirtschaft. Dazu verwies Schuler auf die Umschichtungen der Geldmittel von der Obst- und Weinwirtschaft zu Gunsten der Berglandwirtschaft und hob in diesem Zusammenhang die große Solidarität der Obst- und Weinwirtschaft hervor. Zufrieden sein könne man mit dem sehr gut funktionierenden Genossenschaftswesen in Südtirol. Die Zahl der Direktvermarkter habe zugenommen. Mehrfach kritisiert wurde die ausufernde Bürokratie in Bezug auf die Arbeitssicherheit. Man sei nicht gegen die Arbeits­sicherheit, doch seien die Auflagen zum Teil praxisfremd und weit übertrieben. Laut Schuler, Plangger, Tiefenthaler und Rinner liege die Kompetenz in diesem Bereich beim Staat. Man arbeite schon seit einiger Zeit daran, gemeinsam mit den Parlamentariern in Rom eine Verbesserung der Bestimmungen herbeizuführen. Ansehen der Landwirtschaft ist zu steigern Ein weiteres großes Thema war das Ansehen der Landwirtschaft in der nichtbäuerlichen Bevölkerung. Es wurde festgehalten, dass die Obstwirtschaft bei der Bevölkerung nicht so angesehen ist wie die Berglandwirtschaft und dass die Obstbauern daran arbeiten müssten, das Ansehen zu steigern. Tiefenthaler und Rinner erläuterten die bereits getroffenen Maßnahmen des Bauernbundes, wobei sie sich auf die Image­kampagne bezogen. Sie forderten alle Bauern dazu auf, ihren aktiven Beitrag für ein gutes Image der Landwirtschaft zu leisten. Schuler verwies auf die getroffenen Maßnahmen im Bereich der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln. Mit der neuen Technik sei es mittlerweile möglich, das Problem mit der Abtrift in den Griff zu bekommen. Fragen wurden auch bezüglich der anerkannten Kosten bei landwirtschaftlichen Gebäuden, bezüglich der zukünftigen Finanzierung des ländlichen Wegenetzes sowie zum Thema „Soziale Landwirtschaft“ aufgeworfen. Gesetz über „Soziale Landwirtschaft“ in Ausarbeitung Laut der Bezirksbäuerin Ingeborg Rechenmacher spielt die Bäuerinnenorganisation in der sozialen Landwirtschaft eine wesentliche Rolle mit ihren Ausbildungen zur Tagesmutter, Seniorenbetreuung, Schule am Bauernhof usw. Die soziale Landwirtschaft könnte eine zukunftsweisende Möglichkeit für die Landwirtschaft sein. Auch Fragen zum entsprechenden Landesgesetz, das derzeit in Ausarbeitung ist, warf die Bezirksbäuerin auf: Gibt es einen Zeitplan für dieses Gesetz? Was soll es beinhalten? Welche Partner werden ins Boot geholt? Ein weiteres großes Thema war die Kirsch­essigfliege. Es wurde mehrmals bemerkt, dass dieses Insekt dazu beitragen könnte, dass der gesamte Steinobst- und Beerenanbau zusammenbricht. In den vergangenen Jahren seien im Bereich der Kirschenanlagen große Investi­tionen getätigt worden. Kirschessigfliege: Forschung noch in der Anfangsphase Laut Schuler befindet sich die Forschung erst in der Anfangsphase. Es werde wohl noch einige Jahre dauern, bis ein Ergebnis präsentiert werden kann. Weitere Themen waren die Rückkehr von Bär und Wolf, die Probleme mit dem Schlachthof in Bozen, das Projekt Qualitätsfleisch, die Tierarztwahl, Probleme bei Mountainbike-Transporten in einzelnen Gebieten, die Bestimmungen rund um die Hagel- Frostschutz­versicherung, die Blauzungenkrankheit, die Neuberechnung der GVE pro Hektar, die Nachbarschaftshilfe, die INPS-Beiträge, die neuen Steuerbestimmungen für Imker, das Freihandelsabkommen TTIP sowie die geplante Verlegung der Hochspannungsleitung im Gemeindegebiet von Graun und Mals. Aufgeworfen wurde auch die Frage, was die Politik und der Verband im Zusammenhangt mit den Beschlüssen und Rekursen bezüglich des Pestizidverbotes in der Gemeinde Mals unternehmen können. Laut Schuler und Tiefenthaler haben ausschließlich die betroffenen Bauern die rechtlichen Voraussetzungen, um auf dem Gerichtsweg gegen die Maßnahmen anzukämpfen. Red
Redaktion
Vinschger Sonderausgabe

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