Auch diese stark befallenen Schwarzföhrenbestände in Kortsch wurden vom Hubschrauber aus mit dem biologischen Präparat besprüht.
Die Raupen des Prozessionsspinners (im Bild ein Gespinst) ernähren sich von den Nadeln der Kiefern. Die Bäume werden dadurch zwar geschwächt, sterben in der Regel aber nicht ab.
Warum der Prozessionsspinner diesen Namen trägt, zeigt dieses Bild.
Pro Flug wurden 400 Liter des biologischen Präparates ausgebracht.
Pro Flug wurden 400 Liter des biologischen Präparates ausgebracht.
Schön sind solche Ausblicke nicht.

Bakterium gegen die „Spinner“

Rund 300 Hektar vom Hubschrauber aus besprüht. Befall ist heuer besonders stark.

Publiziert in 5 / 2022 - Erschienen am 15. März 2022

Vinschgau - Der 1. März war für die Kiefernprozessionsspinner kein guter Tag. Von einem Hubschrauber aus wurde vorwiegend am Sonnenberg im Abschnitt von Kastelbell und Tartsch das biologische Präparat „Bacillus thuringiensis“ versprüht. Erneut notwendig geworden war die biologische Bekämpfung aufgrund der stark gestiegenen Verbreitung des Prozessionsspinners. „Insgesamt sind im Vinschgau heuer rund 1.200 Hektar befallen, wobei es sich vorwiegend um Schwarzföhrenwälder handelt“, sagte Amtsdirektor Georg Pircher vom Forstinspektorat Schlanders am Tag der Behandlung dem der Vinschger. Rund 500 Hektar seien stark befallen. Auf ca. 300 Hektar davon wurde das Präparat ausgebracht. Ins Visier genommen wurden in erster Linie befallene Wälder im Umkreis von Dörfern, Siedlungen und Wanderwegen sowie Gebiete, in denen heuer Forstarbeiten anstehen. Vorgenommen wurde die Behandlung in Gebieten in den Gemeinden Kastelbell-Tschars, Latsch, Schlanders, Laas, Prad, Schluderns, Glurns, Mals und Schluderns. Für Mensch und Tier ist das Präparat unschädlich, für die Raupen des Prozessionsspinners tödlich. Die Raupen machen sich am Abend bzw. nachts auf Futtersuche, fressen die Nadeln der besprühten Kiefern und nehmen dabei auch das Bakterium „Bacillus thuringiensis“ auf. Das Bakterium wirkt nicht sofort, sondern entwickelt seine Giftigkeit erst im Verdauungstrakt der Raupen. Die Raupen verlassen die Wirtsbäume in der Regel im März und April, um sich im Boden zu verpuppen. Im Vergleich zu früheren Jahren waren heuer aufgrund der ersten milden Wärmewellen bereits relativ früh „Prozessionen“ am Waldboden zu sehen, also hintereinander gereihte Raupen. Der Prozessionsspinner ist eine mediterrane Falterart, die in Südtirol zu den bedeutendsten Forstinsekten gehört und die bereits lange vor der Aufforstung von Flächen mit Schwarzföhren zu beobachten war. Die Brennhaare der Raupen sind für den Menschen giftig und können unangenehme Reaktionen hervorrufen. Die Symptome reichen von Juckreiz über Hautreizungen bis hin zu möglichen Schleimhautentzündungen oder asthmatischen Beschwerden. Wenn Hunde mit der Nase und der Schnauze in Kontakt mit den Brennhaaren kommen, kann das unter Umständen schwere Vergiftungen in der Schnauze zur Folge haben. Als mittel- bzw. langfristige Lösung des Problems nennt Forstlandesrat Arnold Schuler die schrittweise Umwandlung der Kiefernwälder in strukturreiche, laubholzreiche Mischwälder seitens des Forstdienstes. Von 1999 bis 2008 hatte es im Vinschgau jährlich eine biologische Bekämpfung des Kiefernprozessionsspinners gegeben. Seither findet diese Bekämpfung in unregelmäßigen Zeitabständen statt, also nur dann, wenn der Befall außergewöhnlich stark ist. 

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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