Bei Jazz einfach „sein“
Der Treffpunkt „sein“ ist Ort der Begegnung und einmal im Jahr auch Bühne für das Südtirol Jazzfestival.
Mals - Wenn Jazz auf psychische Gesundheit trifft, dann im Treffpunkt „sein“ in Mals beim Konzert des Südtirol Jazzfestivals. Bereits zum vierten Mal machte die südtirolweite Musikveranstaltung am 1. Juli im Paulihof Halt. Dass das Wetter an jenem Tag regnerisch sein sollte, kam freilich wie bestellt. „Es gibt mittlerweile schon den Spruch: ‚Kimps Jazzfestival af Mols, hoschs Gewitter afn Hols‘“, lachte Einrichtungsleiter Roman Altstätter. Ein Erfolg sei das Südtirol Jazzfestival in Mals aber trotz des nicht optimalen Wetters schon immer gewesen. „Ich denke, man hat es nicht immer leicht im Leben. Man muss halt immer das Beste daraus machen. Genauso ist es beim Jazzfestival: Auch wenn das Wetter schlecht ist, machen wir das Beste daraus“, so Altstätter. Pünktlich mit dem Beginn des Konzerts der dreiköpfigen Kombo „Spin & Spells“ (Wirbel und Zauber) hörte der Regen jedoch wieder auf. Das innovative französische Jazz-Trio, das von der Harfenistin Rafaëlle Rinaudo ins Leben gerufen wurde, wusste die zahlreichen Besucherinnen und Besucher zu begeistern. Elektrische Harfe traf auf westafrikanische Ngoni und Saxofon.
Ort auch kulturell nutzen
Die Idee, das Jazzfestival nach Mals zu bringen, war vor mehr als vier Jahren entstanden. „Wir wollten den Ort auch kulturell nutzen“, so Altstätter. Durch seinen Kontakt zu Jazzfestival-Mitorganisator Luigi Loddi, der als Psychologe und Psychotherapeut arbeitet, gelang es, die Veranstaltung in den Paulihof zu holen. Schnell hatte sich das Konzept bewährt. „Es soll ein Ort sein, an dem sich Menschen treffen, aber eben auch ein Ort der Kultur“, so Altstätter. Für den Vorstand des Jazzfestivals war Alma Zanardo nach Mals gekommen. Sie unterstrich die gute Zusammenarbeit und den Stellenwert der Konzerte an diesem besonderen Ort. Zum ersten Mal überhaupt war mit „Spin & Spells“ übrigens ein Trio zu Gast; zuvor waren es Einzelinterpreten beziehungsweise maximal zwei Musiker/innen.
Seit 2017
Den Treffpunkt „sein“ in Mals gibt es bereits seit 2017. Der Treffpunkt richtet sich an Menschen mit psychischen Problemen, aber auch an Personen mit Suchterkrankungen und an Obdachlose. „Leider sind durchaus auch einzelne junge Menschen bei uns im Vinschgau von Obdachlosigkeit betroffen“, erklärte Altstätter gegenüber dem der Vinschger. So seien regelmäßig zwei bis drei Obdachlose zu Gast im Treffpunkt. Dieser ist montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9:15 bis 15 Uhr geöffnet. Die Besucherinnen und Besucher dürfen sich unter anderem über eine warme Mittagsmahlzeit freuen. Mittwochs ist der Treffpunkt von 17 bis 21 Uhr geöffnet.
Das Angebot reicht vom gemeinsamen Kaffeetrinken und Miteinanderreden über Gesellschaftsspiele sowie Arbeiten mit verschiedensten Materialien wie Holz, Ton, Wolle oder Stoff bis hin zu spezifischen Workshops und gemeinsamen Ausflügen. „Ein täglicher Spaziergang hat sich etabliert“, so Altstätter, schließlich sei Bewegung besonders wichtig für die psychische Gesundheit. Durchschnittlich nehmen täglich zwölf Personen das Angebot des Treffpunkts in Anspruch. Vertreten sind verschiedene Altersgruppen zwischen 20 und 70 Jahren. Samstags treffe sich die Gruppe meist, um gemeinsam an Ausflügen teilzunehmen.
EX-In-Genesungsbegleiter zu Gast
Seit rund drei Jahren gibt es auch eine Zusammenarbeit mit EX-In-Genesungsbegleitern. Dabei handelt es sich um Personen mit eigenen Krisenerfahrungen, die eine fundierte Ausbildung absolviert haben, um andere Menschen zu unterstützen. An den Mittwochabenden kommen dafür Fabian Wenusch aus Schluderns, Barbara Strobl aus Mals und Albin Kapeller aus Taufers im Münstertal in den Treffpunkt und sind für die Menschen da.