Die jüngste Gemeinderatssitzung in Taufers im Münstertal, die coronabedingt in der Schulturnhalle stattfand, wurde von vielen Zuhörerinnen und Zuhörern mitverfolgt.
Bürgermeisterin Roselinde Gunsch Koch redete Klartext.

Bürgermeisterin redet Tacheles

Vorprojekt für Umbau des Mehrzweckgebäudes mehrheitlich genehmigt.

Publiziert in 20 / 2020 - Erschienen am 4. Juni 2020

Taufers im Münstertal - Rund 20 Zuhörerinnen und Zuhörer wohnten am 26. Mai der Sitzung des Gemeinderates von Taufers im Münstertal bei, die coronabedingt in der Schulturnhalle stattfand. Der Grund für diesen außergewöhnlichen Zulauf war der Tagesordnungspunkt 10, sprich die Genehmigung des Vorprojektes für den Umbau des Mehrzweckgebäudes bzw. den Neubau des Kindergartens und der Feuerwehrhalle. Im Vorfeld der Sitzung war ein „offener Brief einiger Gemeindebürger/innen“, datiert mit 21. Mai und begleitet von Unterschriften, eingegangen. Bevor sie diese Aktion als „unseriös“ zerpflückte und auf teilweise „falsche Behauptungen“ im Brief hinwies, holte die verärgerte Bürgermeisterin Roselinde Gunsch Koch weit aus. Sie erinnerte u.a. daran, dass seit vielen Jahren an diesem Vorhaben gearbeitet wird, und zwar in enger Absprache und mit der Zustimmung der Kindergarten-Gremien und der Feuerwehr. Schon bei ihrem Amtsantritt 2015 habe sie im Wahlprogramm angekündigt, die Planung des Vorhabens innerhalb der Verwaltungsperiode abzuschließen. Sie erinnerte an die Erstellung der Machbarkeitsstudie, an ein Klausurgespräch mit der Feuerwehr, dem Kindergarten und der Bergrettung und an viele weitere Treffen und vorbereitende Arbeiten. Die Unterbringung von Räumen für die Bergrettung habe sich als nicht möglich erwiesen. Bei der Vorstellung des Vorprojektes, das Architektin Heike Pohl erarbeitet hatte, verwies die Bürgermeisterin darauf, dass im mehrstöckigen Neubau Räume für zwei vollwertige Kindergartensektionen vorgesehen sind sowie auch großzügig angelegte Außenbereiche. Auch den Raumbedürfnissen der Feuerwehr trage das Vorprojekt Rechnung. Ziel sei es jetzt, das Einreichprojekt erarbeiten zu lassen, sodass mit dem Vorhaben im Frühjahr 2021 begonnen werden kann. Mehr als verwundert gab sie sich u.a. darüber, dass im „offenen Brief“ von hohen Baukosten (3,9 Mio. Euro) gesprochen werde: „Bis jetzt gibt es nur Kostenschätzungen.“ Selbst bei den im Vorprojekt angeführten Nettobaukosten von ca. 2,8 Mio. handle es sich nur um geschätzte Kosten aufgrund von landesweiten Standart-Richtpreisen. Noch mehr geärgert hat sich Gunsch Koch über den im Brief geäußerten Wunsch, ein „zweites Alternativkonzept“ zu erarbeiten: „Das würde uns wieder auf den Nullpunkt zurückbringen, wir hätten einen Streit im Dorf, wir müssten zwei Machbarkeitsstudien und zwei Vorprojekte für die Feuerwehrhalle und den Kindergarten erstellen.“ In so einem Fall „haben wir in 5 Jahren sicher keine Halle und in 10 Jahren vielleicht.“ Gunsch Koch bezeichnete den Brief bzw. die Unterschriftenaktion, bei der es sich um die dritte Aktion dieser Art seit 2015 handle, als unseriös und unfair. Die Leute hätten zum Teil gar nicht gewusst, was sie unterschreiben, es seien auch Namen von Personen angeführt, die selbst gar nicht unterschrieben hätten. Vor allem aber seien seitens der Nutzer, sprich Feuerwehr und Kindergarten, nie offizielle Gegenstimmen zum Vorhaben laut geworden. Das Ratsmitglied Angelika Pircher erinnerte bei der Diskussion daran, dass sowohl seitens der Feuerwehr als auch seitens des Kindergartens schriftliche Einverständnisse für das Projekt deponiert worden waren. Auch weitere Ratsmitglieder und Referenten stellten sich hinter das Projekt. Vom Vorschlag, „von der Genehmigung des Vorprojektes vorerst abzusehen“, wie er ebenfalls im Brief geäußert wurde, wollte die Bürgermeisterin nichts wissen: „Wir stimmen heute auf jeden Fall ab.“ Und das geschah auch: 7 Räte stimmten für das Vorprojekt und 4 dagegen, und zwar Luis Hellrigl, Hubert Plangger, Stephan Hohenegger und Alfred Spiess. Während sich Hohenegger bereits in der Vergangenheit stets offen gegen das Projekt ausgesprochen habe, „hast du dich jetzt endlich geoutet“, sagte die Bürgermeisterin zum Referenten Luis Hellrigl. Zur Erinnerung: Hellrigl hatte 2015 für das Bürgermeisteramt kandidiert und hatte nur eine Stimme weniger bekommen als Roselinde Gunsch Koch. Unter den Unterschriften des „offenen Briefs“ befindet sich auch jene von Luis Hellrigl. Und dabei habe Hellrigl laut Gunsch Koch im Ausschuss noch dafür gestimmt, das Vorprojekt auf die Tagesordnung zu setzen. Als falsch wies die Bürgermeisterin die im Brief aufgestellte Behauptung zurück, wonach seitens des Planungsteams Informationen nach außen getragen worden seien. Gunsch Koch: „Das stimmt nicht, diese Informationen kamen von einer anderen Seite bzw. Person.“ Detail am Rande: In Taufers bildet sich im Hinblick auf die Gemeinderatswahlen eine Oppositionsliste. 

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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