"Das schwierigste Projekt meines Lebens"

Publiziert in 12 / 2005 - Erschienen am 23. Juni 2005
Kaum ein anderes Geschäftszentrum in Südtirol hat für so viele und so unterschiedliche Schlagzeilen gesorgt wie das Herilu in Latsch. Heinz Fuchs, der das Herilu zusammen mit seiner Familie und mit Geometer Ernst Gruber aufgebaut hat, zieht im folgenden Interview eine erste Bilanz. Er ist zwar überzeugt, dass das Herilu trotz bestehender Schwierigkeiten eine Zukunft hat, räumt aber gleichzeitig ein, dass der Aufbau des Herilu sein bisher schwierigstes Projekt war. „Der Vinschger“: Das Herilu ist seit Anfang August des Vorjahres offen. Wie viele Geschäfte sind derzeit im Herilu angesiedelt? Fuchs: Zur Zeit gibt es 15 Geschäfte und den Gastronomiebereich. Im Restaurant sind für die nächste Zukunft Internet-Ecken geplant sowie eine Großleinwand für das Übertragen großer Sportveranstaltungen. In Kürze wird zudem ein weiteres Geschäft eröffnet, das auf Mineralien, Steine und auf Schmuck aus Steinen und Mineralien spezialisiert ist. Sind noch immer keine Kaufleute aus Latsch im Herilu angesiedelt? Fuchs: Nein, derzeit noch nicht. Wir haben die Latscher Kaufmannschaft zwar schon vor der Verwirklichung dieses neuen Handelsplatzes zur Präsentation unserer Markforschungsstudie sowie auch zum Mitmachen eingeladen, doch unser Angebot wurde nicht angenommen. Wurden die Ergebnisse der Marktstudie auch umgesetzt? Fuchs: Ja natürlich. Die vier Eckpfeiler, auf denen das Herilu fußt und die als Grundlage für den Erfolg dienen sollen, sind vorhanden. Es sind dies ein großer Gratis-Parkplatz für die Kunden, ein Discounter, den wir mit Lidl gefunden haben und ein Selbstbedienungs-Restaurant. Mit einem neuen Schuh-Anbieter laufen Verhandlungen. Man hört aber auch Stimmen, wonach im Herilu nicht viel los sei und wonach es eine Schließung geben könnte? Fuchs: Wir sind fest überzeugt, dass Herilu überleben wird. Dass wir Kunden verloren haben, ist wahr. Den Grund dafür sehe ich aber in erster Linie darin, dass man uns die durchgehenden Öffnungszeiten seit dem Spätherbst gestrichen hat. Wie viele andere hängt auch diese Einschränkung mit dem Latscher Handelsplan zusammen. Als das Herilu die Teilnutzungsgenehmigung bekam, wurde die Auflage erteilt, dass in der Erweiterungszone, in der sich das Herilu befindet, innerhalb von drei Jahren sechs Reihenhäuser und über ein Dutzend Wohnungen gebaut werden müssen. Wird Herilu diese Wohnkubatur errichten? Fuchs: Die Absicht besteht. Wenn der Markt es erlaubt, wird es die Wohnungen jedenfalls geben. Was unternimmt Herilu, um weiter bestehen zu können? Fuchs: Wir setzen unter anderem auf regelmäßige Veranstaltungen, sodass das Einkaufen noch mehr zum Erlebnis wird. Wir planen alle zwei Wochen kleinere Veranstaltungen und einmal im Monat ein Groß-Event. Am 2. Juli zum Beispiel werden landwirtschaftliche Maschinen vorgestellt und am 13. und 14. August ist in Zusammenarbeit mit der VI.P (Vinschger Produzenten für Obst und Gemüse) und mit der MEG (Marteller Erzeugergenossenschaft) eine große Präsentation bäuerlicher Produkte angesagt. Wie steht es derzeit mit der Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung und mit den Kaufleuten von Latsch? Fuchs: Wir sind bestrebt, sowohl mit der neuen Gemeindeverwaltung gut zusammen zu arbeiten als auch mit den Kaufleuten von Latsch. Es bringt nichts, wenn wir uns gegenseitig bekriegen. Wir sind offen für einen gemeinsamen Weg. Außerdem soll in den Geschäften des Hauptortes Latsch seit der Eröffnung des Herilu mehr los sein. Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Kunden des Herilu? Fuchs: Ich höre des Öfteren positive Rückmeldungen, besonders von Frauen. Geschätzt wird auch, dass das Herilu ein Ort ist, wo man sich gemütlich treffen und bei einem Kaffee zusammensitzen kann. Bei Vollbetrieb beschäftigen wir übrigens zwischen 40 und 45 Angestellte, wobei es sich zu einem guten Teil um Frauen handelt, die aus dem oberen Teil des Tales stammen. Würden Sie den steinigen Weg, den Sie mit dem Herilu bisher gegangen sind, erneut gehen? Fuchs: Ich hatte mir das Ganze nicht so vorgestellt. Herilu war mein bisher schwierigstes Projekt. Wegen der unglaublich schwierigen bürokratischen Hürden würde ich es ein zweites Mal nicht mehr in Angriff nehmen. Interview:
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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