„Den Sommerskilauf wie bisher gibt es in Zukunft nicht mehr“, ist BM Karl Josef Rainer überzeugt.

„Der Druck bestimmter Lobbys ist groß“

Publiziert in 36 / 2012 - Erschienen am 10. Oktober 2012
Überhastet und ohne Begleitmaßnahmen: So wertet BM Karl Josef Rainer den geplanten Hotel-Neubau in Kurzras. Schnals - Zusätzliche 550 Gäste­betten können in der Gemeinde Schnals gemäß Tourismusleitbild neu errichtet werden. Bestehende Betriebe können erweitert bzw. neue gebaut werden. Die Zuweisungskriterien hatte der Gemeinderat bereits vor einiger Zeit genehmigt. Demnach sollen neue Betriebe mindestens ein 4-Sterne-Niveau aufweisen und nicht mehr als 80 Zimmer beherbergen. Genau diese Kriterien wurden bei der jüngsten Ratssitzung mit breiter Mehrheit abgeändert. Die Kapazität wurde auf 110 Zimmer angehoben, das erforderliche Qualitätsniveau auf 3-Sterne-Betriebe gesenkt. Mit der Abänderung dieser Kriterien wird einem Vorhaben einer Tourismusgruppe mit Sitz in Oberstdorf im Allgäu entsprochen. Demnach soll in Kurzras auf Grundflächen der Schnalstaler Gletscherbahnen AG (Bereich Tennisplätze) ein so genanntes „Explorer Hotel“ mit 100 Zimmern (200 Betten) ent­stehen. Jürnjakob Reisigl, der Gründer der Hotelgruppe „Oberstdorf Resort“, sagte im Sommer 2011 in einem Interview mit der „Allgäu-Rundschau“, dass mit den „Explorer Hotels“ versucht werde, den Ansprüchen junger oder jung gebliebener Sportler zu entsprechen. Es sollen neue, sportorientierte Gäste angesprochen werden. „Explorer Hotels“ gibt es bereits in Fischen im Allgäu und in ­Montafon in Vorarlberg. Das 3. soll im Sommer 2013 in Nesselwang im Allgäu eröffnet werden und das 4. innerhalb Dezember 2013 in Kurzras. Weitere „Explorer Hotels“ sind geplant. „Eine positive wirtschaftliche Weiterentwicklung in Kurzras, wo meine Familie und ich selbst geschäftlich tätig sind, liegt mir sehr am Herzen, und zwar nicht erst seit meinem Amtsantritt als Bürgermeister,“ sagt Karl ­Josef Rainer in einem Gespräch mit dem . Warum hat er sich dann bei der Abstimmung im Gemeinderat zusammen mit weiteren Räten der Stimme enthalten? Rainer: „Ich bin absolut nicht gegen neue Betten in Kurzras, aber es ist vor allem der Zeitpunkt und die Art und Weise, wie vorgegangen wird. Mein Zeitplan war, zuerst den Masterplan für Kurzras abzuwarten - Ende November steht er -, der Garant für eine nachhaltige Weiterentwicklung ist.“ Mit dem Bau des „Explorer Hotels“ alleine könnten die derzeitigen Probleme, die einer nachhaltigen positiven Weiterentwicklung des Talschlusses von Schnals im Wege stehen, nicht gelöst werden. Flankierend zum Neubau von Betten müssten auch Maßnahmen zur Verbesserung des gesamten Umfeldes gesetzt werden. Und die wären? Rainer „Es braucht eine Optimierung bzw. Erneuerung der bestehenden Infrastrukturen, auch der Aufstiegsanlagen, es braucht vor allem neue Freizeitinfrastrukturen, auch als Alternative zum Sommerskilauf, und nicht zuletzt eine hochwertige Dienstleistung in allen Bereichen.“ „Den Sommerskilauf wie bisher gibt es in Zukunft nicht mehr“ Obwohl sich die ersten An­zeichen für das Sterben des Sommerskilaufs bereits vor Jahren gezeigt haben und der Klimawandel absehbar war, „wurde es versäumt sich den veränderten Bedingungen rechtzeitig anzupassen, zu handeln und Alternativen zu schaffen. Jetzt ist Anfang Oktober und wir wissen nicht, wann endlich genügend Schnee auf dem Gletscher fällt. Hand in Hand mit der verspäteten Eröffnung des Skibetriebes kommen der Gletscherbahngesellschaft wichtige Einnahmen abhanden,“ so der Bürgermeister. Der Hang am Grawandlift könne immer noch nicht künstlich beschneit werden. Apropos Geld: Am Bau des „Explorer Hotels ist die Gletscherbahnen AG nicht nur als Eigentümerin der Grundfläche beteiligt, sondern wird auch einen nicht unwesentlichen Teil der Gesamtkosten, die sich zwischen 8 und 9 Millionen Euro bewegen dürften, mittragen müssen. Der HGV Schnals äußerte sich in einer Stellungnahme zum Hotel-Neubau grundsätzlich dahingehend, „dass ein neuer Betrieb sicher ein positiver Impuls für die Tourismuswirtschaft sein kann.“ Offen bleibe die Frage, warum die Hotelkette die ­Gletscherbahnen als „zeitweiligen Investor“ brauche­. Bei Hotelketten sei vielfach ein Preisdumping zu befürchten, was zu finanziellen Problemen bei bestehenden Betrieben führen könnte. Ein Beitritt zum Tourismusverein sollte selbstverständlich sein. „Unter Berücksichtigung dieser Argumente könnte eine positive und auf jeden Fall auch notwendige Entwicklung unserer Tourismusgemeinde möglich sein,“ schreibt der HGV. Auch der Bürgermeister gibt zu bedenken, dass noch nicht geklärt ist, ob das neue Hotel auch Mitglied des Tourismusvereins wird. Man habe in dieser Hinsicht mit Betreibern ander Hotelketten negative Erfahrungen gemacht. Was in der Gemeinde fehlen, seien Leitbetriebe. Als solchen werte er das „Explorer Hotel“ nicht unbedingt. Etwas enttäuscht ist Rainer auch darüber, dass der Unternehmerchef nie persönlich vorstellig geworden sei. Der Bürgermeister dazu. „Gute Investoren zeigen Verständnis für die lokalen Gegebenheiten, setzen auf Kooperation vor Ort, mit der Gemeinde, anderen Institutionen, sind nicht nur an schnellem Geld und Macht interessiert, sondern behalten auch eine nachhaltige Entwicklung stets im Auge.“ Dass mit dem Neubau Arbeitsplätze geschaffen werden, dem stimmt Rainer zu. Was bleibt, sei die Frage, inwieweit das Unternehmen auf einheimische Arbeitskräfte zurückgreifen wird und zu welchen Bedingungen. Schnals habe in den letzten Jahren mit Großbetrieben bzw. Hotelketten nicht nur positive Erfahrungen in mehrerlei Hinsicht gemacht. Vor allem das Projekt des Hotel-Neubaus hat Rainer gelehrt, wie stark Lobbys sein können: „Damit hatte ich bei meinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren nicht gerechnet.“ Das Gesuch für die Abänderung des Bauleitplans für den Hotel-Neubau, eingereicht von der Gletscherbahnen AG, wird bei der nächsten Ratssitzung behandelt. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner

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