Gedenkfeier in Martell

Der Friede ist ein zerbrechliches Gut

Publiziert in 40 / 2014 - Erschienen am 12. November 2014
Gedenkfeiern in Martell und Spondinig Martell/Spondinig - Die ­traditionellen Gedenkfeiern bei der Wallfahrtkirche St. Maria in der Schmelz in Martell sowie am Soldatenfriedhof in Spondinig standen heuer im Zeichen der Erinnerung an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Zur Gedenkfeier in ­Martell konnte Martin Wielander, der Bezirksmajor-Stellvertreter der Vinschger Schützen, Manfred Haringer als Gedenkredner begrüßen. Haringer erinnerte an die Todesschüsse auf das ­österreichische Thronfolgerpaar in Sarajevo. Das war der Beginn „des weltweiten Völkermordens. Innerhalb weniger Jahre befand sich nahezu die ganze Welt im Kriegszustand.“ Der Krieg in den Alpen tobte 42 Monate lang „auf grausamste Weise im sonst einsamen Hochgebirge“. Die industrialisierte Vernichtung habe mit brennbaren Flüssigkeiten und Giftgas Einzug gehalten. „Über 10 Millionen Tote, Millionen von Kriegsinvaliden, Angst und Schrecken in der Bevölkerung, Not und Elend, überall unendliches Leid und Trauer, wo man hinsah. Der Krieg löste keine Konflikte, sondern entpuppte sich als Hölle auf Erden, wo es menschlich gesehen keine Sieger gab“, sagte Haringer. Für die Tiroler sei der Erste Weltkrieg zur Urkata­strophe geworden: „Durch den verspielten Sieg Österreichs wurde unser Heimatland als Spielball der Mächte vom Vaterland Österreich abgetrennt und gegen den Willen der Tiroler an die italienischen Kriegsfeinde verschleudert.“ Der Einsatz der Standschützen Haringer erinnerte auch an die Standschützen, die an der Ortlerfront im Einsatz waren und ging im Besonderen auf den Hauptmann Johann Müller ein, der sich für seine Soldaten einsetzte, „damit sie nicht durch übereifrige Berufsoffiziere unnützen Todesgefahren ausgesetzt wurden.“ Müller habe an der Eisfront inmitten seiner Truppe gelebt, „obwohl er ein geheiztes Offizierszimmer auf der Halleschen Hütte hätte beziehen können.“ Die Standschützen seien „ein untrennbares Bestandteil der Tiroler Geschichte, der Tiroler Eigenart und des Tiroler Freiheitswillens.“ Der Friede ist laut Haringer ein zerbrechliches Gut. Jeder sei persönlich gefördert, daran zu arbeiten. Den besinnlichen Teil der Gedenkfeier gestaltete die Wortgottesleiterin Marianne Schwienbacher. Eine Ehrenformation von Schützen aus dem Gemeindegebiet von Latsch feuerte eine Ehrensalve ab. Eine Bläsergruppe der Musikkapelle Goldrain/Morter sorgte für die musikalische Umrahmung. Zu den Ehrengästen gehörte auch Bürgermeister Georg Altstätter. Zur traditionellen Gedenkfeier am Soldatenfriedhof in Spondinig konnte Engelbert Agethle, der Obmann des „Vinschger Kameraden Verbandes“ (ehemals Südtiroler Kriegsopfer- und Frontkämpferverband) viele Schützen aus dem Bezirk begrüßen, Abordnungen von Vereinen und Verbänden, Schützenkameraden aus Vorarlberg, Vertreter des Südtiroler Schwarzen Kreuzes, die Schützenkompanie ­Kastelbell als Ehrenkompanie, die Musikkapelle Eyrs, ehemalige und ­amtierende Gemeinde- und Landespolitiker mit Regionalassessor Sepp Noggler an der Spitze sowie Bürgerinnen und Bürger, denen das Gedenken an die Kriegsopfer ein Anliegen ist. Den Gottesdienst zelebrierte Pfarrer Paul Schwienbacher. Er erinnerte an die Gefallenen und Opfer beider Weltkriege, aber auch daran, dass nach dem Zweiten Weltkrieg Versöhnung über den Gräbern gewachsen sei. Christliche Politiker hätten im vereinten Europa den Frieden verankert. „Unterschätzen wir nie den Einfluss des Geldes Die Gedenkrede hielt Bundesbildungsoffizier Major Hartwig Röck vom Bund der Tiroler Schützenkompanien. „Nicht unsere Sorgen und Ängste stehen heute im Mittelpunkt, sondern wir gedenken derer, die diesen Krieg ertragen mussten“, sagte Röck, der sich auf die Opfer des Ersten Weltkrieges bezog. Nicht von Helden müsse gesprochen werden, sondern von „armen Teufeln“, die unsäglich gelitten haben. Auch das Leid derer, die den Zweiten Weltkrieg überlebt haben, dürfe nie vergessen werden, „auch wenn ihr Leid auf keinem Stein steht.“ Aus heutiger Sicht werde einem die Verrücktheit von Kriegen bewusst: „Kriege machen alles kaputt. Mensch und Land.“ Konflikte fangen an, wenn sich jemand stärker und überlegen fühlt. „Nur zu sagen, die Politik hat versagt“ sei relativ leicht. Von diesen und anderen Stehsätzen sei abzugehen. Die Politik könne nur so weit gehen, „wie wir es zulassen. Es liegt also an uns, an jedem von uns. Kriege beginnen mit Wörtern.“ Nicht zu unterschätzen seien die Kraft und der Einfluss des Geldes. Das sei heute nicht anders als früher. Auch bei heutigen Konflikten, egal ob im Irak, in Syrien oder anderswo, gehe es um Geld, Öl und strategische Positionen. Er gebe immer Leute bzw. Staaten, die sich eigene Vorteile verschaffen wollen. Die mediale Berichterstattung sei zum Teil gesteuert. Abgeschlossen wurde die Gedenkfeier mit der Kranzniederlegung und dem Absingen der Landeshymne. Besonders gedankt wurde dem Friedhofswart Adalbert Tschenett. Sepp
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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