Die neue Marke wurde feierlich mit einer Projektion auf der Pfarrkirche präsentiert.
Landesrat Peter Brunner (links) und BM Samuel Marseiler
Festival-Kurator Manfred Schweigkofler (links) und Filmemacher Peter Grutsch
Daria Habicher und Marco Telfser
Das Kindertheater wusste zu begeistern.
Die Chilenin Marjorie Chau (links) und Clara Mayr
Brunnen-Geschichten mit Tiziana Turci
Cornelia Lochmann
Die Videoinstallation „Mira-Welentunge“ im Pfeiferhaus
Das neue Logo wird bereits in Umlauf gebracht. Mehr Fotos unter www.dervinscher.it/de/fotogalerie und auf Facebook.
Die Arbeiten an der multifunktionale Gemeinschaftsstruktur sind bald zu Ende.
Die Arbeiten am Mobilitätszentrum sind bald zu Ende.

Der Stilzer Weg…

… ist noch nicht zu Ende. Neue Marke, neue Produkte und viel Programm beim dritten StilZ Festival.

Publiziert in 14 / 2026 - Erschienen am 28. Juli 2026

Stilfs - Sie hatte Symbolkraft, die dritte und letzte Ausgabe des über das PNRR- Projekt „Stilfs – Resilienz erzählen“ organisierte StilZ Festival von Freitag, 24. Juli, bis Sonntag, 26. Juli. Stand beim ersten Festival das Erbe mit der Frage „Woher kommen wir“ im Mittelpunkt und bei der zweiten die Identität mit „Wer sind wir und was macht uns aus“, ging es nun um die Vision und die Frage „Wo wollen wir hin?“ – eine Auseinandersetzung mit der eigenen möglichen Zukunft. Dass diese im lange Zeit von Armut und Abwanderung geprägten Dorf gar nicht schlecht aussieht, wurde beim Festival eindrucksvoll klar. Bürgermeister Samuel Marseiler blickte auf das 2021 begonnene PNRR-Projekt zurück und darauf, wie rund 20 Millionen Euro in das Bergdorf geholt werden konnten. Bei der Festival-Eröffnung durfte eine Schweigeminute für zwei mittlerweile verstorbene Personen, die wesentlichen Anteil daran hatten, das Projekt auf den Weg zu bringen, nicht fehlen: der Schludernser Regionalentwickler Armin Bernhard (gestorben im Jänner 2023) und der im Juli letzten Jahres verstorbene langjährige Stilfser Bürgermeister Franz Heinisch. Heinisch und der damalige Ausschuss hätten die Chance erkannt, Gelder über den Nationalen Resilienz- und Wiederaufbauplan (PNRR) zu erhalten. Mit Armin Bernhard habe man die passende Person für das Projekt gefunden. Später traten Regionalentwicklerin Daria Habicher als Koordinatorin und Verena Wopfner in seine Fußstapfen. Marseiler dankte auch der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, die in den vergangenen Jahren vor allem verwaltungstechnisch mit Urban Rinner die Bürokratie gestemmt habe.

„Den Franz hervorheben“

Insgesamt wurden im Laufe der letzten Jahre etwa 25 Maßnahmen in unterschiedlichen Bereichen umgesetzt, von Infrastrukturen bis hin zu kulturellen Tätigkeiten. Die Arbeiten für die beiden größten Projekte, eine multifunktionale Gemeinschaftsstruktur und ein Mobilitätszentrum zur besseren Erreichbarkeit des Dorfes, die mit jeweils 5,5 Millionen insgesamt über die Hälfte der PNRR-Gelder verschlingen, laufen noch und sollen demnächst fertig werden. Ein Bild von den regen Tätigkeiten in Stilfs machen konnte sich auch Landesrat Peter Brunner. Beim Stilz Festival selbst war er erstmals zu Gast. „Es ist richtig und wichtig, den Franz hervorzuheben. Er wird stolz auf das alles sein“, unterstrich er. Die Gelder in Stilfs seien gut eingesetzt worden und es sei wichtig, dass auch die Kultur nicht zu kurz komme. „Das wird durch solche Veranstaltungen wie das Stilz Festival klar“, so Brunner. Er sicherte der Gemeinde auch weiterhin Unterstützung zu.

Neue Marke präsentiert

Ein Höhepunkt des Festivals war die Präsentation der neuen Marke „Stilz“. Zur Erinnerung: Die Stilfserinnen und Stilfser nennen ihr Dorf und ihre Gemeinde nicht Stilfs, sondern „Stilz“. Mit der Marke habe man sich einen Wunsch erfüllt, so Bürgermeister Marseiler. „Mit Stilz können wir uns am besten identifizieren, auch wenn Stilfs oder Stelvio rein marketingtechnisch wohl erfolgreicher wären“, unterstrich er. Es handle sich dabei nicht um eine reine Produktmarke und auch nicht um eine Destinationsmarke. „Es geht uns ums Sichtbarmachen der Menschen und Besonderheiten unserer gesamten Gemeinde und ums Erlebbarmachen: authentisch und ehrlich, deshalb eben auch Stilz“, so der Bürgermeister. Auch die Stärken der Fraktionen sollten sichtbar gemacht und dadurch Gemeinschaftssinn und Identität gefestigt werden. Künftig solle die Marke von einer Bürgergenossenschaft betreut werden, diese soll demnächst gegründet werden. Für die Entwicklung der Marke zeichnete Simon Abler von der Agentur „Abler GmbH – Die Farm“ zusammen mit einem engagierten Team aus Stilfs verantwortlich. Gleichzeitig mit der Präsentation der Marke ging auch der neue Internetauftritt stilz.it online. Auch eigene Produkte werden unter dieser Marke vertrieben, vom Stilfser Lammschinken über Kaminwurzen und Alm-Käsekrainer bis zum Stilfser Zirm-Rigotto und vieles mehr. Stetig sollen weitere Produkte hinzukommen. Ohnehin sei der neue Auftritt des Ortes mit der Marke „Stilz“ ein Fundament für vieles, was noch folgen solle. Auch die neue App „Stilz erzählt“ wurde präsentiert. Bei einer Denkwerkstatt auf der Terrasse des Hotels „Sonne“ ging es um die Frage, was ein gutes Leben im Dorf brauche. Soziologe Davide Brocchi und Lena Zimmermann (Geografin und Mobilitätsberaterin) hielten Impulsreferate, der talentierte Poetry Slammer Nathan Laimer packte seine Erkenntnisse in eine „Wort-Spinnerei“. Zahlreiche Gäste diskutierten bei diesem offenen Dialogformat an den Tischen. Wolfgang Paulmichl und die Stilfser Männersinggruppe sorgten für die musikalische Umrahmung. Unterstützt wurde die Denkwerkstatt von der Raiffeisenkasse Prad-Taufers, die mit Direktor Werner Platzer vertreten war.

Viel Kultur

Kulturell hatte Festival-Kurator Manfred Schweigkofler erneut für ein abwechslungsreiches Programm an allen drei Tagen gesorgt. So begeisterten etwa die Stilfser Theatergruppe „s’Lorgagassl“ und der KFS Stilfs mit dem Kindertheater „Stilzy Filzy“. Tiziana Turci führte im Rahmen einer Erzählwanderung von Brunnen zu Brunnen. Auch eine Nachtwanderung auf den Spuren der Schmuggler durfte nicht fehlen. Viel musikalische Unterhaltung wurde ebenfalls wieder geboten, u. a. spielten David Frank mit seiner steirischen Harmonika und Marc Perin an der Fingerstyle-Gitarre als Duo am Grughes-Brunnen auf. Die Stilfser Jodelgruppe mit Markus Prieth als Leiter präsentierte sich erstmals der Öffentlichkeit. Detail am Rande: Die Gruppe hatte sich bei einem Jodelkurs, der wie so viele Kurse und Seminare im Rahmen des PNRR-Projektes angeboten wurde, gefunden. 

Das Pfeiferhaus, das seit 2023 von der Rittner Künstlerin Clara Mayr geführt wird und als Künstler/innenresidenz dient, öffnete erneut seine Türen. Cornelia Lochmann stellte ihre Werke aus, die bei der diesjährigen Kunsthandwerksresidenz „Resilienz formen“ entstanden sind. Die Chilenin Marjorie Chau präsentierte im Haus ihre Videoinstallation „Mira-Welentunge“, die als Reaktion auf den sozialen Aufstand von Chile 2019 entstand. Im Zentrum der Projektion trifft ein menschliches Auge auf das Visier einer Waffe. Viel Kunst wurde auch auf dem Widum-Platz geboten. Alessio Nalesini vervollständigte das im Rahmen des StilZ Festivals 2025 begonnene Riesengemälde, bestehend aus vielen individuellen Beiträgen der Festivalgäste. Für Lacher sorgte Jakob Windschnur mit seiner Nachtshow „From Gröden to Stilz“. Auch zahlreiche weitere Performances und künstlerische Darbietungen wurden angeboten.

Wie der Film, so das Leben

Marco Telfser gab in einem dreiminütigen Trailer erste Einblicke in den Dokumentarfilm „Stilfs – Resilienz erzählen“. Er hat das Projekt drei Jahre lang begleitet und dokumentiert. Der Stilfser Filmemacher Peter Grutsch zeigte zwei Filme, „Vom Samen zum Brot“ und „Stilz – von der Vergangenheit zur Gegenwart in die Zukunft“. Mit letzterem brachte er auch seinen Beitrag zum dritten und letzten Festival und zur Frage, wohin man gehen wolle. Mit dem Film, in dem sowohl alte Aufnahmen als auch neue Bilder und Zeitzeugen-Interviews Platz fanden, zeigte er in 1:20 Stunden eindrucksvoll, wie sich das Dorf entwickelt hat und was in den letzten 100 Jahren alles passiert ist. Als armes, abwanderungsbedrohtes Dorf kam Stilfs zu rund 20 Millionen Euro an PNRR-Geldern, präsentiert sich heute als lebenswerter Ort und sieht sich für die Zukunft gerüstet – so wie es während des StilZ Festivals an drei Tagen zu spüren war.

Michael Andres
Michael Andres

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