Michael Peintner beim Online-Abend

Die geschlechtliche Vielfalt

Publiziert in 9-10 / 2021 - Erschienen am 18. März 2021

Naturns - Die geschlechtliche Vielfalt war am 3. März das Thema eines Online-Abends im Rahmen von „Red mor amol driber …“, eines Gemeinschaftsprojektes des Jugenddienstes Meran und des Jugenddienstes Naturns sowie deren Mitgliedsgemeinden. Mit über 60 Zugeschalteten, darunter auch Interessierten aus dem Vinschgau, stieß auch dieser Themenabend auf viel Zuspruch. Referent war der aus dem Pustertal stammende und in Innsbruck arbeitende Sexualpädagoge und Sexualberater Michael Peintner. Wie Peinter bestätigte, suchen zunehmend auch junge Menschen Beratung, weil sie nicht in das Schema der Heterosexualität hineinpassen. Personen, deren geschlechtliche Identität nicht den heteronormativen Normen entspricht, seien oft Vorurteilen ausgesetzt. Das Gebot, wonach jeder Mensch entweder Frau oder Mann sei muss, sei fest verankert. Es werde angenommen, dass das Geschlecht eine körperliche Basis hat, dass es angeboren und unveränderlich ist. Dabei gehe die Geschlechtervielfalt weit über die Zweigeschlechtlichkeit hinaus. Der Begriff Trans*Gender umfasse alle Phänomene, bei denen Geschlechtergrenzen in Frage gestellt werden. Für Menschen, die ihre Zuweisung auf eine männliche oder weibliche Rolle ablehnen und sich zwischen den Geschlechtern identifizieren, seien die Begriffe „In-Between“, „non-binary“ und „genderfluid“ enstanden. „Androgyn“ werden Menschen genannt, die sich bewusst als nicht geschlechtlich zugeordnet darstellen oder anderen Menschen so erscheinen. Von Trans*Identitäten wird gesprochen, wenn die subjektiv empfundene Geschlechtsidentität nicht mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmt. Außerdem gibt es Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen die Kleidung des anderen Geschlechts anziehen, jedoch nicht unbedingt ein Leben im anderen Geschlecht anstreben. „Queer“ ist ein politischer und soziologischer Begriff für alle Menschen, die die Heteronormativität und überkommene Rollenklischees ablehnen, sowie das Leben in einer Vielfalt geschlechtlicher Identitäten und sexueller Praxen bevorzugen. Die geschlechtliche Vielfalt hat laut Peintner nichts mit Geschlechtspartner-Orientierung zu tun. „Wir sind alle heteronormativ sozialisiert worden.“ Wenn ein Mann mit einem anderen Mann sexuelle Kontakte hat, sei er nicht automatisch schwul. Die Orientierung reiche von heterosexuell, schwul und lesbisch bis hin zu bisexuell, asexuell, pansexuell, demisexuell und polyamourös. Das Wissen um die geschlechtliche Vielfalt sei ebenso wichtig, wie die Haltung zu Queer-Menschen und der Umgang im Alltag. Peintner: „Wir sollten immer davon ausgehen, dass wir es in unserem Umfeld mit der gesamten geschlechtlichen Vielfalt zu tun haben.“ Grundsätzlich hielt der Referent fest, „dass Trans*Gender in Italien weitgehend allein gelassen werden.“ In Südtirol gebe es Ansätze einer Verbesserung. Der Geschlechtseintrag „divers“ (ungleichartig, verschieden) bildet seit 2018 in Deutschland und seit 2019 in Österreich eine dritte rechtliche Option neben „weiblich“ und „männlich“.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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