Die Musik ist so schön, weil sie kein Ende hat

Publiziert in 23 / 2012 - Erschienen am 13. Juni 2012
Lukas Punter aus Planeil ist einer der ­wenigen jungen Menschen, die ­Kirchenmusik studieren. Mals/Planeil - Kürzlich gab er mit dem Chor seiner Musikhochschule aus Regensburg in Mals ein Konzert. Bei seinem letzten Aufenthalt im Vinschgau haben wir mit ihm über seine musikalische Leidenschaft gesprochen. Der Vinschger: Warum studieren Sie Kirchenmusik ausgerechnet in Regensburg? Lukas Punter: Ich finde, dass in Bayern sehr viel Geld für Kirchenmusik ausgegeben wird. Wir sind die älteste Schule für Kirchenmusik überhaupt, haben ein nagelneues Haus, in dem sich alle gegenseitig kennen. Die Übungsmöglichkeiten sind einfach perfekt: Wir haben gut 25 Klaviere und 15 Orgeln. Überdies ist die Stadt Regensburg wunderschön. Welche Instrumente spielen Sie? Mit acht Jahren habe ich begonnen Klavier zu lernen, dann habe ich parallel Orgel angefangen. Dietrich Oberdörfer und ­Alexander Brunner waren in dieser Zeit meine Lehrer, die mich sehr geprägt haben. Ich habe auch im Kirchenchor mitgesungen. Den Chor habe ich dann von meinem Vater „geerbt“. In meiner Ausbildung war für mich auch der Besuch der LESO in Mals sehr wichtig, weil ich dort gelernt habe, mit Menschen verschiedenster Altersgruppen umzugehen, was ganz wichtig für meinen Beruf ist. Wie stellen Sie sich Ihren künftigen Arbeitsplatz vor? Als Musiker ist es nicht leicht beruflich zu überleben. Man muss heute wie einst im Barock und der Romantik Allrounder sein und mehrere Fächer beherrschen. Ich habe die Absicht, mir verschiedene berufliche Tätigkeitsfelder zusammen zu stellen; Musiklehrer, Chorleiter, Organist. Vielleicht finde ich auch eine größere Stelle, zum Beispiel als Korrepetitor in einem Theater; das würde mir auch gut gefallen. Man muss halt bescheiden anfangen und sich dann weiterentwickeln. Was gibt die Musik den Menschen? Die Musik ist für uns nicht greifbar und genau diese „Nicht-Greifbarkeit“ fasziniert die Menschen, wie auch ganz allgemein jede Form von Kunst. Musik bringt auch die Menschen zusammen und schenkt Zufriedenheit. Ich mache Kirchenmusik auch nicht zur Selbstdarstellung, sondern um den Menschen noch einen anderen Zugang zum Glauben und zur Liebe zu bringen. Musik ist eben meine Art, jemandem etwas zu sagen. Welche Art von Musik gefällt Ihnen persönlich? Früher war ich schon mit der Musik zufrieden, die ich selbst gemacht habe. Mit der Zeit hat sich mein Interesse für alle erdenk­lichen Musikrichtungen geöffnet. Ihr Bruder Harald ist auch künstlerisch tätig. Ja, wir arbeiten immer wieder zusammen und tauschen uns aus. In diesem Sommer haben wir mit der Malser Kulturreferentin ein Projekt geplant: Wir wollen eine Oper mit Jugendlichen aus dem Vinschgau und Münstertal aufführen, bei der mein Bruder das Bühnenbild gestaltet. Die Oper ist von Georg Friedrich Händel. Die Aufführungen werden am 25./26. August in der Aula ­Magna des Schulzentrums in Mals stattfinden. Wir möchten damit den Vorurteilen gegenüber der klassischen Musik in der Bevölkerung entgegentreten. Gilt das auch für Vorurteile gegenüber der Kirchenmusik? Ich bin der Meinung, dass auch in der Kirche alle Kunstformen zusammen wirken sollten. Wir haben erst kürzlich an unserer Schule ein Konzert aufgeführt, bei dem eine Studentin die ­biblischen Tänze von Petr Eben gespielt und ein anderer dazu getanzt hat: In der Kirche! Es gibt sicher auch konservative Kräfte, aber ich glaube es wird alles offener. Es ist gewiss nicht die Musik, weshalb sich viele Leute von der Kirche entfernt haben. Die Kirchenmusik muss sich aber auch weiter entwickeln, denn es gibt meiner Meinung nach keinen Unterschied zwischen profaner und geistlicher Musik. Beides ist von Gott gegeben. Friedrich Haring Info Lukas Punter Geboren: 1990 Wohnhaft: Planeil Tätigkeit: Seit 2009 Student für Kirchenmusik und Orgelpädagogik an der Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg Motto: Die Musik ist so schön, weil sie kein Ende hat
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